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Full text of "Das Wallfahrtsbuch des Hermannus Künig von Vach und die Pilgerreisen der Deutschen nach Santiago de Compostela"

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Haebler, Konrad 

Das Wallfahrtsbuch des 
Herrnannus Kunig von Vach 
und die Pilgerreisen der 
Deutschen nach Santiago 
de Corapostela 





:ke und Holzschnitte des xv. und xvr. Jahrhunderts 

IN GETREUER NACHBILDUNG. 



DAS WALLFAHRTSBUCH 



DES 



HERMANNUS KÜNIG VON VACH 
D DIE PILGERREISEN DER DEUTSCHEN NACH 
SANTIAGO DE COMPOSTELA. 



VON 



KONRAD HÄBLER. 




' STRASSBURG 
J. H. Ed. Heitz (Heitz & Mündel) 
1899. 




Verlag von J. H. Ed. Heitz (Heitz & Mündel) in Strassburg. 



BIBLIOGRAPHISCHE WERKE. 

HAEBLER, Spanische und portugiesische 
Bücherzeichen des i 5. und 16. Jahrhunderts. M. 40. 

HEITZ, Die Frankfurter und Mainzer Drucker- 
und Verlegerzeichen bis Anfang des 
17. Jahrhunderts. M. 45. 

» Die Zierinitialen in den Drucken des 
Thomas Anshelm. M. 6. 

» Die Zierinitialen in Drucken des Johann 
Grüninger und des Johann Herwagen. 

M. 6. 

» Dietrich von Bern. 14 strassburger 
Originalholzstöcke. M. 1. 

» Original-Abdruck von Formschneider- 
Arbeiten des XVI. und XVII. Jahr- 
hunderts. 2 Bände. M. 16. 

>, Neuiahrswünsche des XV. Jahrhunderts. 

M. 35. 



HEITZ und BERNOULLI, Die Basler Bücher- 
marken bis Anfang des 17. Jahrhunderts. M. 40. 

HEITZ und BARACK, Elsüssische Bücher- 
marken bis Anfang des 16. Jahrhunderts. M. 3o. 

HEITZ und ZARETZKY, Kölner Büchermarken 
des 1 5. und 16. Jahrhunderts. M. 35. 

KRISTELLER, Die italienischen Buchdrucker- 
und Verlegerzeichen bis 1 5 1 5 . M. 5o. 

SCHMIDT, Repertoire bibliographique stras- 
bourgeois jusque vers 1 532. 8 Bände. 

Zusammen M. 68. 



VOLTZ, Dies Puchlein saget uns von allen 
Paden die von natur heis sein. Facsimiledruck. 

M. 1. 



Drucke und Holzschnitte des xv. und xvi. Jahrhunderts 
in getreuer nachbildung. 



DAS WALLFAHRTSBUCH 



DES 



HERMANNUS KÜNIG VON VACH 

UND DIE PILGERREISEN DER DEUTSCHEN NACH 

SANTIAGO DE COMPOSTELA. 



VON 



KONRAD HÄBLER. 







STRASSBURG 
J. H. Ed. Heitz (Heitz & Mündel) 




DAS WALLFAHRTSBVCH 

DES 

HERMANNUS KÜNIG VON VACH 

UND 

DIE PILGERREISEN DER DEUTSCHEN 

NACH 

SANTIAGO DE COMPOSTELA. 

VON 
KONRÄD HÄBLER. 



STRASSBURG 

J. H. Ed. Heitz (Heitz & Mündelj 

1899. 



3x 







SEINEM LIEBEN VATER 



ZUM SIEBZIGSTEN GEBURTSTAGE 



GEWIDMET. 



Die Materialien \u der vorliegenden Abhandlung 
waren im Wesentlichen schon vor Jahren gesammelt 
und \ur Verarbeitung fertig; ich nahm aber damals 
von der Veröffentlichung Abstand, weil es mir nicht 
gelang, ein Exemplar des Santiago-Pilgerbuches auf- 
zutreiben. Ein solches wies mir querst Herr Dr. Hoff- 
meister, Oberbibliothekar \u Rostock in der dortigen 
Bibliothek nach, und ich hätte wahrscheinlich nach 
diesem eine neue Ausgabe veranstaltet, hätten mich 
nicht die Vorbereitungen \u einer Studienreise nach 
Spanien und Portugal verhindert, mich sofort an die 
Arbeit ^u machen. Mittlerweile wurden mir aus Co- 
pinger's Supplement to Hains Repertorium die alten 
Ausgaben bekannt, ivelche die Kgl. Bibliothek in Ber- 
lin besitzt; nachdem mir die vier dortigen Drucke 
freundlichst hierher geliehen worden ivaren, konnte 
für mich kein Zweifel mehr bestehefi, welche Ausgabe 
es in erster Linie verdiente, einem Neudruck \u Grunde 
gelegt \u werden. Dem Verleger spreche ich meinen 
besonderen Dank dafür aus, dass er keine Mühe und 
Kosten gescheut hat, um denselben so a?ischaulich als 
möglich \u gestalten. 

Dresden, im Dezember i8g8. 

KONRAD HAEBLER. 



Nicht weit von dem heutigen Santiago de Compo- 
stela, da wo das Flüsschen Ulla in breiter Mündung sich 
in den Ozean ergiesst, lag zur Römerzeit die Stadt Iria 
Flavia. Ihr Name macht es wahrscheinlich, dass sie erst 
zur Zeit der flavischen Kaiser, vermuthlich unter Vespa- 
sian begründet, oder doch zum Rang einer Stadt erhoben 
worden ist. Nachmals muss sie aber zu einem gewissen 
Ansehen gediehen sein, denn in der Zeit der spanischen 
Gothenkönige, vom 5. bis ins 7. Jahrhundert, war Iria 
der Sitz eines Bischofs, der abwechselnd den Metropoliten 
von Lugo oder von Tuy unterstand. Als dann die Sara- 
zenen in raschem Anlaufe fast die ganze iberische Halb- 
insel sich unterwarfen, ist Iria, an der äussersten Nordgrenze 
ihres Herrschaftsgebietes gelegen, von Grund aus zerstört 
worden. Bis heute ist auf derselben Stätte noch nicht 
wieder eine beträchtlichere Ansiedelung entstanden; nur als 
Name des Bischofssitzes ist Iria zu Beginn des 9. Jahr- 
hunderts wieder aufgelebt, bis dessen Inhaber, die von 
Anfang an nicht mehr in den Ruinen der Stadt residiert 
haben können, auch den Namen gegen denjenigen von 
Santiago vertauscht haben. 

Mit der Veranlassung dazu hat es eine eigene Be- 
wandtnis gehabt. Die Historia Compostellana erzählt uns, 
zu dem Bischof Theodemir von Iria, der um das Jahr 800 
den Bischofssitz inne hatte, seien zu wiederholten Malen 
die Einwohner der Dörfer in der Nähe der Ruinen von 



— 8 — 

Iria, besonders von S. Felix de Lobio, gekommen, und 
hätten ihm berichtet, dass sie auf einer nahen Anhöhe, 
wo nach der Ueberlieferung eine von den Sarazenen zer- 
störte Kirche gestanden haben sollte, wunderbare Licht- 
erscheinungen gesehen, und überirdische Klänge gehört 
hätten, so dass sie glaubten, es müsse etwas Besonderes 
mit dieser Stätte auf sich haben. Von diesen Erschein- 
ungen habe sich dann auch Theodemir selbst überzeugt, 
und als er daraufhin an der Stelle Nachgrabungen ver- 
anstaltet habe, sei man auf eine kleine unterirdische Ka- 
pelle gestossen, die neben einem wohlerhaltenen Altar die 
Grabmäler des heiligen Jakobus, des Sohnes des Zebedäus, 
und seiner beiden Schüler Theodorus und Athanasius ent- 
halten habe. Der Bischof benachrichtigte in Eile den 
König von Leon, Alfonso II. mit dem Zunamen des 
Keuschen, von dem wunderbaren Funde. Der König eilte 
selbst herzu, und erwies den heiligen Reliquien seine Ehr- 
erbietung. Dann aber ordnete er an, dass über der Fund- 
stätte sogleich eine kleine Kirche, daneben aber ein später 
den Benediktinern eingeräumtes Kloster errichtet, und den 
Mönchen desselben die Pflege des heiligen Ortes zur Auf- 
gabe gemacht werde. Von dieser Verpflichtung erhielt das 
Kloster seinen Namen: Monasterio de Ante altares. Die 
königlichen Anordnungen wurden demnächst von Pabst 
Leo III. bestätigt, und zum Unterhalte dem Heiligthum 
die erste Landschenkung, drei Miglien in der Runde um 
den Altar des Heiligen, überwiesen. 

Obgleich wir es in dieser Erzählung anscheinend mit 
lauter geschichtlichen Persönlichkeiten und Ereignissen 
zu thun haben, ist sie doch wissenschaftlich sehr schwach 
begründet. Die Legende in ihrer obigen Form stammt 
erst aus dem Anfange des 12. Jahrhunderts, und die zu 
ihrer Begründung überlieferten, angeblich gleichzeitigen 
Urkunden, haben einer gewissenhaften Kritik nicht Stand 
gehalten. Es scheint vielmehr, als sei die Auffindungsge- 
schichte nur als ein Theil der spanischen Jakobus-Legende 



— 9 — 

erst zu Anfang des 12. Jahrhunderts ausgestaltet worden, 
und zwar jedenfalls unter dem Einflüsse des auch in der 
politischen Geschichte vielgenannten Bischofs Diego Gel- 
mirez, der ihrer bedurfte, um seine Bemühungen um die 
Erhebung Santiago's zum Erzbisthum zu unterstützen. 

Zu seiner Zeit war allerdings schon Vieles geschehen, 
was einen solchen Schritt erklären kann. Die Nachfolger 
Alfonso des II. hatten in der Freigebigkeit gegen die hei- 
lige Stätte gewetteifert; immer weiter hatten sich die Gren- 
zen des dem heiligen Jakobus geschenkten Landes ausge- 
dehnt; er war zum Schutzheiligen des gesammten König- 
reiches Spanien (d. h. Asturien) ernannt, in dem voto de 
Santiago, einem Gelübde, welches angeblich Ramiro I. 
im Jahre 843 in der Nacht vor der Schlacht von Clavigo 
that, in welcher der Heilige auf weissem Rosse in den 
Reihen der Christen einen glänzenden Sieg über die Un- 
gläubigen erringen half, war seine Verehrung über das 
ganze Land verbreitet worden ; an Stelle der kleinen Kirche 
aus der Zeit seines Urahnen hatte Alfonso III. einen neuen 
herrlichen Tempel über dem Grabe erstehen lassen. Noch 
immer aber gab Iria dem Sitze der Bischöfe den Namen, 
und ein Bischof von Iria, Sisenandus IL, war es, der im 
Jahre 969 bei der Gelegenheit sein Leben einbüsste, dass 
er mit bewaffneter Hand das Grab des Apostels gegen die 
Einfälle der Normannen zu schützen suchte. Alle diese 
Thatsachen beweisen, dass die Ueberzeugung von dem Vor- 
handensein der Gebeine des heiligen Jakob sich mehr und 
mehr befestigt hatte, dass sie zu einem Glaubensartikel auf 
spanischem Boden geworden war. Es ist nicht zu ver- 
wundern, dass sich nun die Tradition auch daran machte, 
den wunderbaren Vorgang zu erklären und in logischen 
Zusammenhang mit der ältesten Geschichte der christ- 
lichen Kirche zu bringen. Dies geschah in der Legende 
von dem spanischen Apostolate des heiligen Jakobus. 

Christus hatte seinen Jüngern befohlen : Gehet hin in 
alle Welt und lehret alle Völker, und auf Grund dieses 



— 10 



Gebotes soll unter den Aposteln eine Theilung der Erde 
stattgefunden haben, bei welcher dem Apostel Jakobus die 
Aufgabe zufiel, das Evangelium in Spanien zu verkünden. 
Wann und wie er sich derselben entledigt haben möchte, 
dafür fehlt jeder Anhalt ; es bestehen sogar sehr begründete 
Zweifel, ob er je dahin gelangt ist, denn er starb als das 
Opfer einer der ersten Christenverfolgungen in Jerusalem 
unter dem Könige Herodes Agrippa, ehe noch die Jünger 
des Herrn Jerusalem verlassen hatten. Die spanische Le- 
gende aber nahm die Thatsache seines Apostolates auf der 
iberischen Halbinsel als unzweifelhaft an, und liess ihn 
von einigen spanischen Schülern begleitet nach Jerusalem 
zurückkehren. Diese Schüler nun sollen sich nach dem 
Märtyrertode des Apostels seinen Leichnam erbeten, ihn nach 
Joppe hinunter an das Meer transportiert haben, und von 
da soll ihn ein wunderbares Fahrzeug ohne Segel und 
Ruder mit zweien seiner Schüler nach den fernen Gestaden 
Galiciens gebracht haben, wo er inmitten seiner Getreuen 
eine würdige, aber Jahrhunderte lang der Vergessenheit 
anheimgefallene Ruhestätte fand. 

Diese Legende hat vielfältigsten Widerspruch gefun- 
den, und es lässt sich nicht leugnen, dass ihr die gewich- 
tigsten Schwierigkeiten entgegenstehen. Tn den früheren 
Jahrhunderten der christlichen Kirche wurden die Gräber 
der beiden Jakobus, des Aelteren, des Sohnes des Zebe- 
däus, und des Jüngeren, des Bruders des Herrn, in Palä- 
stina gezeigt und verehrt. Venantius Fortunatus, der christ- 
liche Dichter des 5. Jahrhunderts nennt damals als National- 
heiligen Spaniens den heiligen Vincentius. Auch Toulouse 
rühmt sich, in der Kirche Saint Saturnin die Gebeine 
desselben Apostels zu besitzen, und Theile seines Körpers 
werden — obwohl die Gebeine zu Santiago den ganzen 
Körper des Heiligen darstellen sollen — an verschiedenen 
Stellen als Reliquien verehrt, so allein in Spanien Stücke 
des Schädels in Toledo, in Sahagun, Arm- und Bein- 
knochen in Ucles, im Escorial u. a. m. 



1 1 



Nichtsdestoweniger gewann die Legende von Santiago 
immer weitere Verbreitung und immer allgemeinere An- 
erkennung. Im Jahre 1096 erlangte Bischof Dalmatius von 
Iria von Pabst Urban II. das wichtige Zugeständniss, dass 
der alte Name des Bischofssitzes getilgt und durch den- 
jenigen von Santiago de Compostela ersetzt werde. Gleich- 
zeitig wurde das Bisthum von jeder Abhängigkeit von 
einer andern Metropolitan-Kirche unabhängig erklärt und 
direkt dem Pabst in Rom unterstellt. Die Krönung des so 
begonnenen Werkes erreichte der schon erwähnte Diego 
Gelmirez, indem er die Erhebung Santiago's zum Erzbis- 
thum im Jahre 1 1 20 durchsetzte. 

Diego Gelmirez ist für Santiago in den verschiedensten 
Beziehungen von ausserordentlicher Bedeutung gewesen. 
In politischer Beziehung hat er ganz offen dahin gestrebt, 
den Primat für Spanien, den Toledo seit 1088 beanspruchte, 
auf seine Kirche übertragen zu lassen, und er hat sich 
nicht gescheut, die weltlichen Verwickelungen, in die er 
wiederholt mit bewaffneter Hand eingegriffen hat, diesem 
Zwecke dienstbar zu machen. Er war überhaupt kein 
Mann, der sich durch Skrupel in der Verfolgung seiner 
Ziele beirren Hess. Bis zu seiner Zeit ruhten die Gebeine 
des Apostels noch immer an der Stelle, wo sie um das 
Jahr 800 aufgefunden worden sein sollten, auf einem Hügel 
unweit Iria bei einem Dorfe, das nach dem Apostel «El 
Padron» benannt worden ist. Inzwischen war die Stadt 
Santiago zu einer gewissen Bedeutung gelangt; dank ihrer 
natürlichen Lage und einer starken Befestigung hatte sie 
wiederholt feindlichen Angriffen Stand gehalten, die über 
die unbefestigte heilige Stätte widerstandslos hinwegge- 
gangen waren. Um dem abzuhelfen scheute sich Gelmirez 
nicht, die Grabstätte zu zerstören und die heiligen Gebeine 
aus ihrer Ruhestätte in die von ihm erbaute Kathedral- 
kirche von Santiago zu überführen. Der von ihm begon- 
nene und im Wesentlichen vollendete Bau steht noch 
heute, er bildet den Hauptbestandtheil der jetzigen Käthe- 



12 — 



drale, die also fast 8 Jahrhunderte Zeugin der Verehrung 
gewesen ist, welche der heilige Jakobus bei den Christen 
des ganzen Erdkreises gefunden hat. 

Die Wallfahrten nach Santiago müssen schon sehr 
frühzeitig eine bedeutende Ausdehnung gewonnen haben. 
Das lässt sich zwar nicht durch direkte Ueberlieferung 
beweisen, aber indirekte Angaben lassen es unzweifelhaft 
erkennen. Die ersten Santiago-Pilger waren jedenfalls die 
asturischen Könige ; wie Alfonso IL, der Keusche, gleich 
nach der Auffindung der Gebeine mit seiner Familie und 
seinem ganzen Hofstaate an der geweihten Stätte erschien, 
so haben auch seine Nachfolger fast ausnahmslos und zum 
Theil zu wiederholten Malen die Pilgerfahrt dahin unter- 
nommen. Aus dem to. Jahrhundert werden auch schon 
Pilgerreisen aus dem Auslande zum heiligen Jakob erwähnt. 
Godescalcus, Bischof von Le Puy (Aniciensis) soll im 
Jahre 951 nach Santiago gepilgert sein und unterwegs auch 
an anderen heiligen Stätten Spaniens Halt gemacht haben. 
Dass der Ruf des Heiligthums damals bereits weit hinaus 
im Auslande verbreitet war, ersehen wir aus den nor- 
dischen Sagen. Die Normannen haben im 10. Jahr- 
hundert wiederholt die Küsten der iberischen Halbinsel 
heimgesucht ; besonders bei dem Einfalle vom Jahre 969 
sind sie bis zu der heiligen Stätte selbst raubend und 
sengend in das Binnenland vorgedrungen. Es lässt sich nun 
zwar nicht erweisen, dass sie dazu veranlasst worden sind 
durch Gerüchte von deren Reichthum, die bis in ihre 
nordische Heimath gelangt waren, jedenfalls aber war oder 
wurde das Heiligthum auf diese Weise im Norden be- 
kannt, denn das westliche Galicien erscheint seit jener Zeit 
in ihren Gesängen als Jakobsland, 1 und wird so auch noch 
in dem merkwürdigen Itinerar bezeichnet, welches Adam 
von Bremen für die Seefahrt von den norddeutschen 



1 Fabricius, Krist. La connaissance de la peninsule espagnole par les 
hommes du Nord. S. 3. 



I 5 



Küsten nach dem gelobten Lande in seiner Chronik über- 
liefert hat. 1 

Die meisten Pilgerfahrten aber bewegten sich jedenfalls 
damals auf dem Landwege, und müssen schon ziemlich 
zahlreich gewesen sein. Es wird nämlich in der Lebens- 
beschreibung des heiligen Adelhelm erzählt, dass er lange 
Jahre dem Könige Alfons VI. treulich an seinem Hoflager 
gedient, dann aber in die Kirche des heiligen Johannes 
Evangelista vor den Mauern von Burgos sich zurückgezogen, 
und sich da der Pflege der Jakobspilger gewidmet habe, 
zu deren Unterstützung die Kirche in erster Linie begrün- 
det worden sei. 2 Dass sich schon in diesen frühen Zeiten 
Vorkehrungen für den Unterhalt der grossen Pilgerstrasse 
nöthig machten, die vom Fusse der Pyrenäen bis nach 
Santiago de Compostela führte, geht auch aus der Lebens- 
geschichte eines anderen spanischen Heiligen hervor. Der 
heilige Dominicus, mit dem Zunamen de la Calzada, soll 
diese Bezeichnung dadurch sich erworben haben, dass er 
sich die Unterhaltung des Pilgerpfades — calzada bedeutet 
eine steil hinauf oder hinabführende Strasse — sein ganzes 
Leben lang zur besonderen Aufgabe machte. Insbesondere 
wird ihm die Erbauung der Brücke über den Ebro in 
Logroho zugeschrieben.3 Tragen nun auch diese Ueber- 
lieferungennoch immer einen so legendenhaften Charakter 
an sich, dass man an ihrer unbedingten Thatsächlickeit zu 
zweifeln berechtigt ist, so erhalten sie doch durch andere 
zeitgenössische Angaben wenigstens in ihrem allgemeinen 
Inhalte eine wesentliche Bekräftigung. 

Schon die Bulle Calixtus II. vom 27. März 11 23 er- 
wähnt bei den Anordnungen über den Dispens von Kreuz- 
zugs- und Wallfahrts-Gelübden neben dem heiligen Lande 
nur noch Spanien als deren Ziel. 4 Der Codex des Aimeric 



1 Adam v. Bremen. Scholion 96. 

2 Acta Sanctorum Januarii tom. II. S. 1059. 

3 Madoz, Diccionario Geografico. Bd. 5. S. 309, 2. 

4 Mon. Germ. Hist. Legum Sectio. Bd. 4, 1. S. 576. 



— 14 — 

Picaud, der gleichfalls der ersten Hälfte des 12. Jahrhun- 
derts entstammt, nennt nicht weniger als sieben Namen 
bestimmter Persönlichkeiten, die sich zu seiner Zeit um die 
Unterhaltung der Jakobsstrasse besondere Verdienste er- 
worben hatten.« Und dass die Pilger aus den verschiedensten 
Ländern zusammenströmten, ergiebt sich auch aus der ge- 
schichtlic hinteressanten Bulle Pabst Innocenz III., der im 
Jahre 1207 den Erzbischof von Santiago, Pedro Muniz, 
ermächtigte, die Kathedrale mit Wein, Weihwasser und 
Asche zu entsühnen, nachdem die Pilger im Wetteifer 
darüber, welche Nation am Grabmale des Apostels die 
Nachtwache ausüben solle, so miteinander handgemein ge- 
worden waren, dass es Verwundete und Todte in der Kirche 
gegeben hatte. 2 

Das Eine geht aus diesen Dokumenten unverkennbar 
hervor, dass im 11. und 12. Jahrhundert die Pilgerfahrten 
nach Santiago einen stabilen Charakter angenommen hatten, 
dass sich ein bestimmter Weg für dieselben gebildet, und 
dass sie bereits auf den wirthschaftlichen Charakter der da- 
von berührten Gegenden einen Einfluss auszuüben begonnen 
hatten, indem man dem Zustande der Strassen und Brücken 
nothwendigerweise seine Aufnahme zuwenden und durch 
die Begründung von Asylen und Hospitälern für die Be- 
dürfnisse der Pilger Vorkehrungen treffen musste. 

Der Anfang des 12. Jahrhunderts, die Periode, in 
welcher Diego Gelmirez die Erhebung Santiago's zum 
Erzbisthum erreichte, und in Compostela die berühmte 
Kathedrale errichtete, ist jedenfalls die Zeit, in welcher die 
Pilgerfahrten zum heiligen Jakob ihren bedeutendsten Auf- 
schwung nahmen. Es kamen zahlreiche Umstände zu- 
sammen, um zu einem solchen Resultate hinzuwirken. 
Der Kampf gegen die Ungläubigen, der auf der iberischen 



1 Le Codex de S. Jacques de Compostelle. Livre IV. publ. p. F. Fita et 

J. Vinson. p. 8. , . _ .. • _- 

ä Fita y Fernandez Guerra, Recuerdos de un viage a Santiago. £>. 7». 

Anm. 1. 



— i5 — 

Halbinsel allerdings schon seit einigen Jahrhunderten mit 
wechselndem Erfolge, aber mit eiserner Beharrlichkeit fort- 
gesetzt worden war, hatte die anfangs sehr bescheidenen 
christlichen Königreiche Spaniens nach und nach zu be- 
achtenswerthen politischen Faktoren erstarken, und sich 
kräftig entwickeln lassen. Die Könige von Navarra, von 
Leon, von Aragon waren nun schon nicht mehr aus- 
schliesslich auf politische und dynastische Verbindungen 
unter sich angewiesen, sondern sie begannen, zunächst 
wenigstens für die benachbarten Fürsten jenseits der Pyre- 
näen, bündnisfähig zu werden. Dazu kam, dass zu Ende 
des 1 1. Jahrhunderts die Begeisterung für die Bekämpfung 
der Ungläubigen, die bisher fast ausschliesslich den un- 
mittelbar durch ihre Nachbarschaft Bedrohten, vor allem 
also auch den Spaniern überlassen gewesen war, nunmehr 
mit einem Male die ganze Christenheit zu erfassen begann; 
und wenn sie sich zunächst auch in erster Linie die Wieder- 
gewinnung der Stätten zum Ziele setzte, an welchen sich 
die evangelische Heilsgeschichte abgespielt hatte, so er- 
weckte sie doch in den weitesten Kreisen ein sympathisches 
Interesse für die gleichartigen Bestrebungen der spanischen 
Christen, und führte binnen Kurzem direkte Berührungen 
zwischen Kreuzfahrern und Maurenbekämpfern herbei. 
Soweit die Kreuzfahrer der nördlichen und westlichen 
Lande den Seeweg nach Palästina einschlugen, verfehlten 
sie selten, an den spanischen Küsten zu landen. Von 
Coruna (el Faro) aus zogen ganze Schaaren von ihnen 
hinauf, um, wie andere am Wege gelegene heilige Stätten, 
auch das Grab des heiligen Jakobus zu besuchen, und dort 
ihre Andacht zu verrichten. Dass sie wiederholt den 
Spaniern willkommene Hilfe in dem ununterbrochenen 
Kampfe gegen den Halbmond gebracht, manche Veste ihnen 
geholfen haben aus den Händen der Ungläubigen zurück- 
zuerobern, ist hinlänglich bekannt. Während aber in Pa- 
lästina nach einer kurzen Blüthezeit alle die Errungen- 
schaften der Kreuzzüge einem gewaltigen neuen Auf- 



— i6 — 

schwung der muhamedanischen Welt zum Opfer fielen, 
welcher den Kampf mehr und mehr zu einem aussichts- 
losen machte, drangen auf der iberischen Halbinsel die 
christlichen Waffen trotz aller Wechselfälle langsam aber 
stetig gegen die Ungläubigen vor, und erhielten den Geist, 
der die Kreuzzugszeit im Allgemeinen charakterisiert, inner- 
halb der beschränkteren Grenzen auch dann noch leben- 
dig, als er in dem weiten Gebiete der Christenheit schon 
längst anderen neueren epochemachenden Ideen hatte Platz 
machen müssen. 

Diese Verquickung mit den Kreuzzugsideen darf man 
nicht aus dem Auge verlieren, um sich die ganz eigen- 
artige Bedeutung zu erklären, welche die Pilgerfahrten 
nach Santiago während des ganzen Mittelalters für die 
gesamte Christenheit gehabt haben. An sich war die Rolle, 
welche der Apostel Jakobus in der Heilsgeschichte gespielt 
hatte, keineswegs eine hinreichend hervorragende, um die 
ihm zutheil werdende allgemeine Verehrung zu erklären. 
Es fehlte wahrhaftig in günstiger gelegenen Wallfahrts- 
stätten nicht an Reliquien von einer unmittelbareren Be- 
deutung, und an sich ist es schwer verständlich, aus 
welchen Anlässen die christliche Kirche und ihr irdisches 
Oberhaupt fortgesetzt der Wallfahrt nach dem entlegenen 
Bergstädtchen Galiciens eine so ganz besondere Verdienst- 
lichkeit zuerkannten. Wurde doch die Pilgerfahrt dahin 
sowohl als Strafe und Busse für begangenes Unrecht, wie 
auch als verdienstliche Bethätigung christlicher Gesinnung 
vielfach direkt nach oder gar neben der Pilgerschaft nach 
dem gelobten Lande oder nach der ewigen Stadt gewür- 
digt, schon lange bevor Pabst Alexander VI. im Jahre 1497 
dieselbe direkt und ausdrücklich als gleichwerthig aner- 
kannte. Das geschah unzweifelhaft nicht nur wegen der 
— oft genug bis vor den Pabst angefochtenen — Bedeutung 
der zu Santiago verehrten Reliquien, sondern es war dies 
vielmehr, ein Ausfluss und eine Folge der eigenartigen 
Stellung welche Spanien bis weit in die neueren Zeiten 



— I 7 — 

hinein als Vorkämpferin gegen den Islam zu der gesamm- 
ten Christenheit und zu ihrem Oberhirten einnahm. Es 
war wohl längst schon zu einer seltenen Ausnahme gewor- 
den, dass derjenige, der von weiter Ferne her zu den 
Füssen des Apostels pilgerte, dann auch noch seine Waffen 
direkt in den Kampf gegen den Erbfeind der Christenheit 
trug. Trotzdem aber war der Santiago-Kultus auch dann 
noch auf das Engste verbunden mit den Vorstellungen des 
Kampfes gegen die Ungläubigen. Seinen Namen trug der 
älteste und bedeutendste der geistlichen Ritterorden, die in 
der Zeit der Maurenkämpfe in Spanien begründet worden 
waren mit dem ausgesprochenen Zwecke, den Krieg gegen 
die Ungläubigen rastlos fortzusetzen, ein Zweck, der wieder- 
holt den Päbsten den Anlass bot, die Unterstützung des 
Ordens allen Christen bis in die entlegensten Provinzen 
angelegentlichst ans Herz zu legen; 1 mit dem Schlachtrufe 
«Santiago» stürzten fast alljährlich die kampfesmuthigen 
Krieger Spaniens mit den Bundesgenossen, die ihnen fort- 
gesetzt aus allen Theilen der Christenheit zuzogen, in den 
nie rastenden Kampf gegen den falschen Propheten ; San- 
tiago war der Schutzheilige des ganzen Reiches und Volkes, 
das sich mit dem vollsten Rechte den Rang einer ältesten 
Tochter der Kirche erworben hatte, und dessen Herrscher 
mit Stolz den Titel der Katholischen trugen. Es war also 
nicht so sehr die Bedeutung, welche der Apostel, dessen 
Gebeine in Santiago verehrt wurden, zur Zeit seines Le- 
bens gehabt hatte, was seinem Kultus den besonderen 
Charakter, die auszeichnende Würdigung verlieh, sondern 
es waren die Verdienste, die er sich als Schutzheiliger und 
Schirmherr des spanischen Volkes erworben, es waren die 
Verdienste, welche dieses Volk und seine Herrscher sich 
in jahrhundertelangen Kriegen als Vorkämpfer der Christen- 
heit erworben hatten : Das war es, was die Päbste und 



1 Vergl. W. Lippert, Des Ritterordens v. Santiago Thätigkeit für das 
heilige Land. 



— i8 — 

mit ihnen die ganze Christenheit ehrte und anerkannte, indem 
sie die Wallfahrt nach Santiago für ganz besonders verdienst- 
lich, für ganz hervorragend gnadenreich ansah und erklärte. 

Diese Auffassungen, die unzweifelhaft für die Päbste 
wiederholt schwer ins Gewicht gefallen sind für die Be- 
gnadungen der Wallfahrtsstätte, sind nun allerdings den 
Pilgern selbst wohl nur selten zu vollem Bewusstsein ge- 
kommen, und zwar um so weniger, je weiter die Erfolge 
der christlichen Waffen den Lärm des Kriegsgetöses von 
der heiligen Stätte hinweg verdrängten. Im späteren Mittel- 
alter war es natürlich weit mehr die allgemeine Veräusser- 
lichung der christlichen Kirche, was die Wallfahrten zum 
heiligen Jakob gerade in der Zeit ihren Höhepunkt er- 
reichen liess, als der Krieg gegen den Erbfeind der Christen- 
heit auf spanischem Boden seinem Ende entgegenging, ja 
noch nachdem er bereits seit fast einem Menschenalter 
seine Endschaft gefunden hatte. Aber wie gerade damals 
der enge Bund zwischen Spanien und dem Pabstthum in 
der Verleihung des Titels eines «rey catolico» an den spa- 
nischen Herrscher seinen Ausdruck fand, so war auch die 
Gleichstellung der Wallfahrt nach Santiago mit der nach 
Rom und nach Jerusalem eine Anerkennung und Be- 
lohnung für den allein in Spanien fast ungeschwächt fort- 
lebenden Kreuzzugsgeist. 

Wenn die Franzosen besonders frühzeitig und beson- 
ders zahlreich nach Santiago gepilgert sind, so erklärt sich 
dies durch die nachbarliche Lage und die dynastischen 
Beziehungen. Aehnliche Motive bestanden für die Eng- 
länder, die ja über ein Jahrhundert hindurch einen be- 
deutenden Theil der an die Pyrenäen grenzenden süd- 
französischen Länder inne hatten, und immer wieder die 
Könige von Kastilien und Leon in ihre Kämpfe hinein- 
zuziehen wussten. 1 Weniger unmittelbar erkenntlich sind 



1 Rymer's Foedera enthalten eine grosse Menge von englischen Geleits- 
briefen für Santiago-Fahrer. 



— i 9 — 

die Anlässe, welche auch unsere deutschen Landsleute bewe- 
gen konnten, sich an den Pilgerfahrten zum heiligen Jakob 
hervorragend zu betheiligen. Und doch haben sie dieses 
seit den ältesten Zeiten gethan, und im Uebergange vom 
i5. zum 16. Jahrhunderte haben sie wahrscheinlich allen 
anderen Nationen in dieser Beziehung den Rang abge- 
laufen. 

Nach der legendarischen Tradition wäre der erste 
Deutsche, der zu dem Grabe des heiligen Jakob pilgerte, 
kein geringerer gewesen als Karl der Grosse. Die Chronik, 
die angeblich von dem Bischof Turpin verfasst sein soll, 
berichtet darüber, dass Karl, nachdem er die Sarazenen 
für den Ueberfall von Ronceval gezüchtigt hatte, den 
grössten Theil seines Heeres entliess, mit seiner unmittel- 
baren Begleitung aber nach Santiago zog und die Wall- 
fahrtsstätte besuchte. Die Christen, die er ihrem Glauben 
treu erfand, suchte er auf alle Weise zu fördern, die aber 
den Ungläubigen sich unterworfen, verfolgte er mit Feuer 
und Schwert. Dann berief er ein Concil der spanischen 
und französischen Bischöfe, und machte sie alle der Kirche 
des Heiligen botmässig. Auch hob er das Bisthum der 
zerstörten Iria auf, und übertrug es auf Compostela. 
Turpin selbst will bei dieser Gelegenheit am i. Juni auf 
Bitten Karls des Grossen die Kathedrale von Santiago in 
Gegenwart von 40 Bischöfen geweiht haben. 1 Die Tur- 
pin'sche Chronik ist ja trotz ihrer Unglaubwürdigkeit 
während des Mittelalters vielfach ausgeschrieben worden, 
und so ist mit anderen Nachrichten auch die Geschichte 
von Karls des Grossen Zug nach Santiago vielfach wieder- 
erzählt worden. Jetzt steht es wohl ziemlich fest, dass 
die angebliche Schrift des Rheimser Bischofs erst zu An- 
fang des 12. Jahrhunderts abgefasst ist, und zwar gehört 
zu den Quellen, aus denen ihr Verfasser geschöpft hat, 



1 Turpini Historia de vita Caroli Magni et Rolandi cpt. 19. 



20 — 

besonders auch jene Historia Compostellana, deren legen- 
darischer Charakter oben hervorgehoben worden ist. 1 
Historisch lässt sich auch nicht ein Wort dieser Ueber- 
lieferung begründen, schon desshalb nicht, weil die Gebeine 
des heiligen Jakob jedenfalls noch gar nicht aufgefunden 
waren, als Karl der Grosse seinen Straf- und Rachezug 
nach Spanien unternahm. 

Es sind nicht nur Jahrzehnte, sondern mindestens 
noch ein Jahrhundert ins Land gegangen, ehe wirklich 
ein Deutscher vor dem Altare des heiligen Jakob sein Gebet 
verrichtet hat. Die Gesandtschaft, die im Jahre 955 im 
Auftrage Otto's I. nach Cordoba zog, gedenkt nicht mit 
einem Worte des galicischen Heiligthums, obwohl ihr 
längerer unfreiwilliger Aufenthalt in Tortosa ihr recht 
wohl Zeit zu einem Abstecher nach Santiago gelassen 
hätte. 2 Auch in der ersten Hälfte des 11. Jahrhunderts 
wird noch kein deutscher Santiago-Pilger erwähnt ; erst 
um das Jahr 1080 soll Siegfried, Erzbischof von Mainz, 
eine Wallfahrt dahin unternommen haben. Auch in diesem 
Fall ist es nicht unzweifelhaft, ob er sein Ziel erreicht 
hat. Der Bischof war weltmüde geworden, und seine 
Wallfahrt war vielleicht nur ein Vorwand, um sich den 
schweren Pflichten seines Amtes zu entziehen. Denn als er, 
es ist nicht klar, ob auf dem Hin- oder Rückwege, in dem 
weltberühmten Kloster von Clugny anlangte, begehrte er, 
dort den Rest seiner Tage verbringen zu dürfen. Nur die 
dringenden Vorstellungen des dortigen Abtes vermochten 
es, ihn von diesem Vorhaben abzubringen, und zur Rück- 
kehr auf seinen Bischofssitz zu bewegen. 3 

Um dieselbe Zeit ist auch schon die erste deutsche 
Pilgerin nach Santiago gekommen. Die Gräfin Richardis 
von Sponheim stammte von dem Kärnthener Dynasten- 
hause derer von Lavant ab, und scheint mit ihrem Gemahle 



1 G. Paris, De Pseudo-Turpino. (Paris 1865.) 

9 Giesebrecht, Geschichte d. deut. Kaiserzeit. Bd. I. S. 504 ff. 

3 Monumenta Germaniae historica. Scriptores. 25. S. 524. 



— 21 



eine ausgesprochen religiöse Gesinnung getheilt zu haben. 
Graf Siegfried zog um io65 nach dem heiligen Lande, 
kehrte aber nicht in die Heimath zurück, da ihn der Tod 
auf dem Rückwege in Bulgarien überraschte. Da gelobte 
auch Richardis eine grosse Wallfahrt zu unternehmen : sie 
zog zum heiligen Jakob nach Galicien. Aber auch sie sah 
die Heimath nicht wieder; sie starb in Sponheim. Erst 
ihr Sohn, Engelbert von Sponheim, Hess die Gebeine seiner 
Eltern in die alte kärnthnische Heimath überführen, und 
über denselben das nachmals berühmte Benediktinerstift 
von Sankt Paul im Lavantthal errichten. ' 

Aus ungefähr derselben Zeit werden noch zwei Wall- 
fahrten erwähnt, die hier genannt zu werden verdienen. 
Die Auffindung der Gebeine der heiligen Märtyrer von 
Trier steht insofern mit den Santiago - Pilgerfahrten in 
Verbindung, dass Folbert angeblich auf einer solchen 
Wallfahrt begriffen war, als er, in Trier rastend, von den 
Traumgesichten verfolgt wurde, die der Anlass zu der 
Entdeckung wurden. Freilich kann man in diesem Falle 
sich des Eindrucks nicht erwehren, dass es wohl mehr 
die Analogie der wunderbaren Entdeckungen, als ein ernst- 
licher geschichtlicher Grund waren, welche dem Chronisten 
den Namen Santiago's in Erinnerung brachten. 2 

Unstreitig historisch ist die Wallfahrt des Grafen Balduin 
von Flandern, der in Begleitung des Bischofs Ingelram 
von Lille i. J. 1084 nach Santiago aufbrach. 3 Allein hier 
ensteht die andere Fr,age, ob wir Balduin den Deutschen 
zuzählen dürfen. Aus dem deutsch-französischen Grenz- 
gebiete, aus den Landen des alten Reiches von Arelat 
sind die Nachrichten über Pilgerfahrten nach Santiago be- 
sonders zahlreich. Ihre Anfänge gehen noch weiter in die 
sagenhaften Zeiten zurück, als die der Deutschen : die Frisia 



1 AeJschker, Geschichte Kärnthens. Bd. 1. S. 241 ff. 

2 Ib. Scriptores. 8. S. 221. 

3 Ib. Scriptores 24. S. 560. 575. 691. 



des Martinus Hamconius lässt den heiligen Evermarus 
nach Santiago wallfahrten, der schon unter den Pippinen 
gelebt, ja vor dem Jahre 700 geboren sein {soll.» Ausser- 
halb Spaniens hat es wohl kein Land gegeben, wo die 
Verehrung des heiligen Jakob so verbreitet war, als in den 
Niederlanden, und zwar schon zu einer Zeit, wo von einer 
politischen Verbindung beider Länder noch längst nicht zu 
denken war. Ob dieselbe mit den allerdings bis in sehr 
frühe Jahrhunderte zurückreichenden Handels-Beziehungen 
zwischen der spanischen Nordküste und den niederländi- 
schen Gestaden in Beziehung gebracht werden könne, 
muss ich dahingestellt lassen; sicher haben die Ereignisse 
des 12. Jahrhunderts zu deren Belebung viel beige- 
tragen. 

Erklärlich ist es, wenn auch aus burgundischen 
Landen frühzeitig und häufig Pilgerfahrten nach Santiago 
unternommen worden sind. Obwohl nicht unmittelbare 
Nachbarn der spanischen Lande haben doch die Grafen 
von Burgund schon im 10. Jahrhundert vielfache Bezieh- 
ungen zu den Königreichen jenseits der Pyrenäen gehabt; 
kein Fürstenhaus des übrigen Europa hat so oft seine 
Söhne zur Theilnahme an dem Kampfe gegen die Ungläu- 
bigen über die Pyrenäen entsandt, als das von Burgund ; 
und dass zwei seiner Prinzen, Raimund und Heinrich, mit 
den Töchtern Alfons, VI. vermählt, die Dynastie von 
Kastilien fortgesetzt, die von Portugal begründet haben, 
führte naturgemäss zu engeren Beziehungen mit den iberi- 
schen Reichen, als sie die entfernteren Lande deutscher 
Zunge aufzuweisen hatten. Aber die burgundischen Her- 
zöge des 11. und 12. Jahrhunderts, obwohl dem deutschen 
Reiche noch nicht völlig entfremdet, waren doch schon 
viel mehr Romanen als Germanen, und es wäre unrecht. 



1 Acta Sanctorum. Julii tom. VI. S. 35, 1. 



— 23 — 

sie unter die Zahl der deutschen Santiago-Pilger auf- 
zunehmen.' 

Die Wallfahrt aus deutschen Landen zum «fernen 
Sankt Jakob» war naturgemäss zu jenen Zeiten fast noch 
ausschliesslich den höchsten geistlichen und weltlichen 
Würdenträgern möglich. Sie führte durch so viele fremde 
Länder, die sich in den Zeiten eines unentwickelten Ver- 
kehres weit strenger gegen einander abschlössen, als in 
späteren Jahrhunderten; sie bedingte einen immerhin in 
jener Zeit nicht gewöhnlichen Schatz von Kenntnissen, 
sie erforderte selbst materielle Mittel in einem Umfange, 
wie sie nur die Bevorzugteren besassen, so dass sie, ab- 
gesehen von einzelnen besonders ausdauernden religiösen 
Schwärmern, die allen Fährnissen zum Trotz Leib und 
Leben daran setzten, ein so verdienstliches Werk zu voll- 
bringen, wohl nur von den Gliedern fürstlicher Familien 
oder von den reicheren Prälaten unternommen wurde. Es 
kommt dazu, dass naturgemäss auch unsere Quellen in 
der Hauptsache nur den Pilgerfahrten solcher Persönlich- 
keiten ihre Aufmerksamkeit zuwenden^ die im Vordergrunde 
des öffentlichen Interesses standen. Sie gedenken zwar 
auch einmal eines Bettlers, der in einem Kloster zu Mün- 
ster des Diebstahls verdächtigt, zur Strafe geschunden, und 
ins Wasser geworfen werden soll, durch die Vermittelung 
des heiligen Leodegarius aber gerettet und geheilt wird, 
und zum Danke gen Santiago pilgert; 2 oder einer Tob- 



1 Nur anmerkungsweise zähle ich auf, was mir von Santiago-Fahrten aus 
dem deutsch-französischen Grenzgebiete weiter bekannt geworden ist : es wall- 
fahrten dahin : 

1153. Nicolaus, Bischof v. Cambray. Mon. Germ. Hist. Scr. 16. S. 525. 
Vor 1172. Philipp, Herzog von Flandern. Mon. Germ. Hist. Scr. 27. S. 408. 
1192. Wilhelm, Erzbischof von Rheims. Mon. Germ. Hist. Scr. 25. S. 149. 
1220. Hugo. Bischof von Lüttich. Mon. Germ. Hist. Scr. 25. S. 134. 
1223. Johann, König von Jerusalem. Mon. Germ. Hist. Scr. 26. S. 470. 
ca. 1228. Gobert, Abt von Villers, Mon. Germ. Hist. Scr. 25. S. 227. 
1429. Die burgundische Hochzeitsgesandtschaft. Gachard. Coli, de doc. 
in<5dits. Bd. 2. S. 63. ff. 

ca. 1435. Jacques de Lannov. Tafur. Andancas. Bd. I. S. 258. 

2 Monumenta Germ. Hist. "2. S. 425. 



— H — 

süchtigen, die, aus Cöln gebürtig, von einem wunder- 
tätigen Heiligthum zum andern wallfahrtet, bis ihr am 
Schreine des heiligen Thomas a Bekett in einem nächt- 
lichen Gesichte ihre Heilung verkündet, ihr aber eine 
Wallfahrt nach Santiago als Dankesleistung auferlegt wird.» 
Von einer anderen Besessenen erzählen sie, dass sie lange 
Jahre vergeblich von allen Heiligen die Befreiung von 
ihren Leiden erfleht habe: weder der heilige Vater zu 
Rom, noch der heilige Jakobus zu Compostela konnte 
sie von den bösen Geistern erlösen, die von ihr Besitz 
ergriffen hatten. So kam sie auf ihren Irrfahrten nach 
Formbach, zur Zeit als Abt Heinrich dem Kloster vor- 
stand. (1179—96-) Dort endlich fand sie durch einen Tage 
lang fortgesetzten Exorcismus die Erlösung durch die 
Wunderkraft des heiligen Andreas. 2 Eine Dritte solche Un- 
glückliche scheint schon im Jahre 1 233 beinahe dieselbe 
Pilgerstrasse genommen zu haben, auf welcher sich nach- 
mals die Schaaren der deutschen Jakobsbrüder einher- 
bewegt haben. Ihr war an dem Altare des heiligen Jakob 
selbst Befreiung von den bösen Geistern zutheil geworden, 
von denen sie gequält wurde, wie uns aus Lausanne be- 
richtet wird, wohin sie auf dem Wege in ihre schwäbische 
Heimath gelangt war. 3 

Aber abgesehen von diesen mehr legendarischen Er- 
wähnungen, bei denen die Wallfahrt doch nur einen neben 
sächlichen Umstand bildet, sind es doch nur die Grossen 
der Erde, deren Santiagoreisen uns überliefert werden. 

Zunächst ist es wieder ein Erzbischof von Mainz, dem 
wir in Santiago begegnen. Konrad, Graf von Witteisbach 
und Domherr von Salzburg war auf Wunsch Kaiser 
Friedrichs I. im Jahre 1161 an Stelle der beiden Prälaten, 
die sich um den Bischofssitz stritten zum Erzbischof von 



> Ib. Scr. 27. S. 34. 

2 Ib. Scr. 10, 2. S. 1133. 

3 Ib. Scr. 24. S. 785. 



— 25 — 

Mainz erwählt worden. Allein diese kaiserliche Gunst 
blieb ihm nicht dauernd erhalten. Im Winter 1164/65 
unternahm Konrad eine Wallfahrt zum heiligen Jakob 
in Galicien, und auf dem Rückwege schloss er sich so eng 
an den Gegenpabst Alexander III. an, dass er, als der 
Kaiser sich diesem feindlich entgegenstellte, von Mainz 
fliehen, und den Rest seines Lebens an dem päbstlichen 
Hofe zubringen musste. l 

Eine wunderbare Geschichte wird von der Gräfin So- 
phia von Holland erzählt, die im Jahre 1176, auf ihrer 
dritten Wallfahrt in das gelobte Land zu Jerusalem ge- 
storben ist. Auch sie war einstens nach Santiago gewall- 
fahrtet; das Ziel ihrer Reise hatte sie zwar ohne Fährlich- 
keiten erreicht, auf dem Rückwege aber fiel sie mit ihren 
wenigen Begleitern in die Hände von Strassenräubern, die 
in Kastilien die Jakobsstrasse unsicher machten. Allein 
als die Räuber daran gingen, die Begleiter der frommen 
Dame mit Messern und Dolchen zu bearbeiten, machten 
sie die wunderbare Entdeckung, dass ihre schärfsten Waffen 
nicht imstande waren, die Bedrohten zu verletzen. Dieses 
Wunder, das dem Gebete der Gräfin zugeschrieben wurde, 
machte einen solchen Eindruck auf die Uebelthäter, dass 
sie ihr zu Füssen fielen, und ihre Verzeihung und ihre 
Fürbitte bei Gott erflehten. 2 

Mit den Deutschen, die im Mittelalter nach Santiago 
gepilgert sind, muss auch Heinrich der Löwe genannt 
werden. Er hatte es im Vertrauen auf seine gewaltige 
Macht gewagt, dem Kaiser den Gehorsam zu verweigern, 
und der über ihn gesprochenen Acht zu trotzen. Allein 
sein Stolz hatte ihm auf allen Seiten der Feinde zu viele 
zugezogen ; eins nach dem anderen fielen seine Herzog- 
tümer in die Gewalt Kaiser Friedrichs, und schliesslich 
verdankte er es nur der Intervention seines Schwieger- 



1 Böhmer, Regesta archiepiscoporum Maguntinensium. Bd. 2. S. 6 ff. 

2 Acta Sanctorum. Juli Bd. 6. S. 34. col. 2. 



— 26 — 

vaters, des Königs von England, dass ein Vergleich zu- 
stande kam. Darin musste er sich verpflichten, den Boden 
des Reiches nicht eher wieder zu betreten, bis der Kaiser 
es ihm gestatten werde. Da hat er denn Weib und Kind 
an den Hof König Heinrichs II. von England gebracht, 
er selbst aber hat eine Wallfahrt nach Santiago unter- 
nommen. 1 

Wenige Jahre später dürfen wir wohl die Wallfahrt 
Heinrichs von Supingen ansetzen. Obwohl damals noch 
Laie zeichnete sich Heinrich schon lange durch seinen 
frommen und religiösen Sinn aus, der ihn unter Anderem 
veranlasste, das Kreuz zu nehmen und Wallfahrten nach 
Rom und nach Santiago auszuführen. Nachdem er von 
dort zurückgekehrt war, trat er in das Kloster von March- 
thal ein, und wurde dort nach dem Tode des Probstes 
Meinhard zu dessen Nachfolger erwählt. Allein die welt- 
lichen Angelegenheiten, die ihm diese Stellung aufdrängte, 
waren ihm so zuwider, dass er schon nach einem Jahre die 
Würde niederlegte. 2 

Die nächste deutsche Pilgerreise, deren wir zu ge- 
denken haben, ist wieder etwas problematischer. Im Jahre 
1209 nämlich bestätigt der Rheingraf Wolfram mit seiner 
Gattin Guda, dass er dem Kloster zu Eberbach einen 
Hof zu Igelesheim zu seiner Seelen Seligkeit vermacht 
habe, und zwar weil er damals im Begriffe stand, mit seiner 
Gattin eine Pilgerreise nach Santiago anzutreten. Da diese 
Schenkung offenbar einige Jahre nach ihrer ersten Aus- 
fertigung ratificiert wird, so müsste man erwarten, dass 
der Rheingraf inzwischen seine Reise gemacht habe ; allein 
eben dies erscheint nach der Urkunde nicht ganz sicher, 
denn auch sie gedenkt nicht einer vollendeten, sondern 
nur einer beabsichtigten Pilgerfahrt. 3 



' Mon. Germ. Hist. Scr. XXVII. S. 104. 

2 Mon. Germ. Hist. Scr. XXIV. 673. 

3 Rössel, Urkkbuch d. Abtei Eberbach. I. S. 114. u. 141. 



— 2 7 — 

Wenn sich nun auch damals nur die grossen Herren 
den Luxus gestatten konnten, allein und auf eigene Kosten 
gen Santiago zu pilgern, so sind doch auch im 12 Jahr- 
hundert wiederholt schon die einfachsten und unbemittelt- 
sten Männer aus deutschen Gauen zum heiligen Jakob ge- 
wallfahrtet, nur nicht einzeln und auf ihre Kosten, sondern 
in Schaaren und, wenn man anachronistisch den Ausdruck 
gebrauchen darf: auf Staatskosten, und zwar bei Gelegen- 
heit der Kreuzzugsfahrten. Der erste Kreuzzug war wesent- 
lich auf dem Landwege unternommen worden ; allein er 
hatte die Ueberzeugung gezeitigt, dass auf diese Weise eine 
gewaltige Summe von Zeit und Kraft vergeudet werde, 
die dem eigentlichen Zwecke nicht unmittelbar zu Gute 
kam, und desshalb wurde für die späteren Kreuzfahrten 
vorwiegend der Seeweg in Aussicht genommen. Für die 
Oberdeutschen und für die östlicheren Reichsgebiete ward 
Venedig der fast ausschliesslich benutzte Ausgangshafen, 
die Niederdeutschen aber, und mit ihnen die Rheinländer, 
die durch ihren Handelsverkehr an den Weg zur Nordsee 
gewöhnt waren, nahmen bald auch für ihre Kreuzfahrten 
die Häfen der Rhein- Ems- und Weser- Mündungen zum 
Ausgangspunkte. An erfahrenen Seeleuten war kein Mangel, 
denn die Tradition der grossen Westfahrt hatte sich von 
den Normannen auf die Nordgermanen fortgepflanzt, und 
wir sehen deren geographische Kenntniss von den franzö- 
sischen, spanischen und mittelländischen Küsten mit ihren 
oft eigens erfundenen Namen unmittelbar in den Dienst 
unserer frühesten deutschen Westsee-Fahrer gestellt. 1 

So finden wir denn, dass im April 1147 eine grosse 
Flotte von Kreuzfahrern sich in Dartmouth versammelt, 
zu der unsere deutschen Landsleute neben den Engländern 
und Niederländern ein starkes Kontingent gestellt hatten, 
das sich schon rheinabwärts und über den Kanal zu 



1 Adam v. Bremen. Scholion 96. 



— 28 — 

Schiffe bewegt hatte. Die Annales Sancti Disibodi haben 
uns den originellen und anschaulichen Brief erhalten, in 
welchem Duodechinus von Loginstein dem Abte Cuno die 
Ereignisse der Fahrt bis zur Einnahme von Lissabon 
schildert. Nach achttägiger stürmischer Fahrt auf hoher 
See war ein Theil der Pilgerflotte endlich in den ersten 
Juni-Tagen in einen Hafen der spanischen Nordküste un- 
weit Vivero eingelaufen; die Pilger fanden es ganz natür- 
lich, dass sie von dort nach der Bucht von Tambre segel- 
ten, und alle gemeinsam hinauf pilgerten zu der Stadt des 
heiligen Jakob, um an dessen Altare feierlich das Pfingst- 
fest zu begehen. Erst dann nahmen sie ihren Kreuzzug 
wieder auf, den sie bekanntlich damit begannen, dass sie den 
Portugiesen behilflich waren, das feste Lissabon den Hän- 
den der Ungläubigen zu entreissen. 1 

Ganz analoge Vorgänge haben sich dann bei den 
nächsten Kreuzzügen noch mehrmals wiederholt. Die 
Kreuzfahrer-Schaaren, welche Richard Löwenherz von 
England und Philipp August von Frankreich dem auf 
dem Lande vorausgezogenen Friedrich Barbarossa über 
See zuführten, waren abermals durch Zuzüge aus Nieder- 
Deutschland beträchtlich verstärkt worden. Liessen sich 
nun auch diese Führer nicht so leicht von ihrem eigent- 
lichen Ziele ablenken und in den Kampf gegen die Un- 
gläubigen verwickeln, so machte doch auch dies Mal ein 
Theil der Flotte an der spanischen Nordküste Halt, um den 
Kreuzfahrern zur Wallfahrt nach Santiago Gelegenheit zu 
lassen. 2 

Etwas anders lagen die Verhältnisse bei dem Besuche, 
den Herzog Leopold von Oesterreich mit seinen Mannen 
dem Heiligthum in Galicien abstattete. Auch er hatte mit 
den Seinen das Kreuz genommen, um gegen Ungläubige 
zu fechten, aber nicht die Sarazenen im heiligen Lande, 



1 Monumenta Germaniae hist. Scr. XVII. S. 1" 

2 Ib. S. 796. 



— 2 9 — 

sondern die Ketzer in Südfrankreich, die Albigenser, soll- 
ten die Schärfe seines Schwertes fühlen. Allein als Her- 
zog Leopold mit seinem Heere auf dem Kampfplatze er- 
schien, war die Entscheidung schon gefallen und er fand 
keine Gelegenheit mehr, seinen Glaubenseifer durch Waf- 
fenthaten zu bekunden. Da entschloss er sich, um nicht 
ohne Waffenehre heimzukehren, die Pyrenäen zu über- 
steigen, und seine Schaaren dem Könige von Kastilien als 
Bundesgenossen gegen die Mauren zuzuführen. So haben 
unsere deutschen Landsleute geholfen, den Sieg bei Cala- 
trava zu erfechten. Ehe sie dann in die Heimath zurück- 
kehrten, haben sie auch noch Santiago de Compostela be- 
sucht, und gewiss hat mancher deutsche Kriegsmann dort 
einen Theil seiner Siegesbeute zu den Füssen des Heiligen 
niedergelegt. 1 

Dagegen nahm der Kreuzzug von 12 17 wieder einen 
ganz analogen Verlauf, wie derjenige von 1 147. Graf 
Wilhelm von Holland und Graf Georg von Wied hatten 
ihr Heer von Kreuzfahrern, Niederländer und Deutsche, 
bei Viaardingen versammelt, und segelten Ende Mai nach 
Dartmouth ab. Von da ward erst das Heiligthum des 
heiligen Matthäus, am Kap Finisterre besucht, dann lan- 
deten sie bei Coruna, um zum heiligen Jakob zu pilgern; 
es scheint hier schon ein ganz absichtliches Pilgern von 
einer Gnadenstätte zur andern gewesen zu sein. Endlich 
kamen sie nach Lissabon und Hessen sich dort, wie ihre 
Vorgänger, zur Theilnahme am Kampfe gegen die Un- 
gläubigen überreden, denen sie eine empfindliche Nieder- 
lage beibrachten und manchen festen Platz entrissen. 2 

Seitdem hat sich der Vorgang nicht mehr in dieser 
Form wiederholt wohl um desswillen, weil in Deutschland 
die Kreuzzugsbegeisterung wesentlich nachliess, die Spanier 
aber bald darauf den Mauren den ganzen Westen der 



1 Juritsch, Geschichte der Babenberger. S. 420. 

2 Monuraenta Germaniae hist. Scr. 17. S. 829. 



— 3o — 

iberischen Halbinsel entrissen. Deutsche Männer, Ritter 
und Söldner, haben den Spaniern noch oft im Kampfe 
gegen den Halbmond beigestanden, bis dessen letztes 
Bollwerk im Jahre 1491 fiel, und mancher, der heil und 
gesund aus dem Kriege zurückkehrte, wird gewiss deh- 
müthig nach Santiago gepilgert sein, ehe er in die Hei- 
math zurückkehrte. Aber in Schaaren und unter Führung 
deutscher Fürsten sind, wenigstens so weit unsere Quellen 
dies bekunden, deutsche Kreuzfahrer nicht wieder in dem 
galicischen Heiligthum erschienen. 

Bald darauf begegnen uns die Santiago-Fahrten in 
einem neuen Zusammenhange. Sehr frühzeitig sind 
Wallfahrten sowohl zu einem benachbarten Heilig- 
thume, als auch solche in weite Ferne, nach Rom, 
Jerusalem oder Santiago, als Kirchenstrafen verhängt 
worden. Weiterhin haben auch weltliche Gerichte zur 
Sühnung schwererer Vergehen solche angeordnet. Von den 
deutschen Gauen sind es allerdings wieder die niederländi- 
schen Grenzgebiete, von denen uns der Brauch am frühesten 
und am häufigsten überliefert ist. 1 Allein er hat sich aucn 
in rein deutschem Gebiete eingebürgert : als der Knappe 
Marquard von Westensee von lübischen Bürgern erschlagen 
worden war, bestimmt das für die Aburtheilung dieses 
Falles besonders gebildete Schiedsgericht im Jahre 1 354, 
dass der Rath zu Lübeck neben manchen anderen Sühne- 
veranstaltungen je einen Pilger nach Jerusalem, nach Rom, 
nach Santiago, nach Ridzemadun (?) und nach Aachen 
schicken soll. 2 



1 In niederländischen Quellen finde ich folgende Buss- u. Strafwallfahrten 
erwähnt: 

1326 Karl d. Schöne von Burgund befiehlt denen von Brügge u. Courtray 
100 Pilgerfahrten nach Santiago in Galicien u. 200 nach andern Orten. Gilliodts 
van Severen, Inventaire. Bd. II. S. 357 f. 

1391. Juli 27. Sohier Scace wird verurtheilt nach Santiago zu pilgern, zur 
Sühne des an Jean Dubos verübten friedbrüchigen Ueberfalles. Ib. Bd. III. S. 
208. 

1491. Mai 20. Francois de Wes wird zur Sühne des an Simon de Kienrue 
begangenen Todtschlags unter Anderem dazu verurtheilt, nach Santiago zu 
pilgern. Ib. Bd. 6 S. 355. 

2 Cod. dipl. Lubec. III p. 200. 



3; — 



Eine ganz ähnliche Entscheidung wird im Jahre 1369 
in Bremen gefällt. Bei dem Verrath der Stadt an den Erz- 
bischof im Jahre 1 366 hatten die Vertriebenen das Gelübde 
abgelegt, wenn sie in den Besitz der Stadt zurückgelangen 
sollten, alljährlich einen Pilger zum heiligen Jakob in 
Galicien zu entsenden. Allein nachdem der Friede herge- 
stellt war, fand der Magistrat diese Stipulation recht be- 
schwerlich, und wandte sich an den Pabst, um dessen 
Einwilligung zu einer Aenderung des Gelübdes zu erlangen, 
die dahin erfolgte, dass der Rath in der Hauptkirche dem 
heiligen Jakob eine Kapelle und einen Altar stiftete, zu 
dessen Unterhalt eine Summe gespendet wurde, die den 
Kosten der Wallfahrt annähernd entsprach. 1 

Die Hanseaten sind es ferner auch, die im Jahre 1 3g3 
bei Gelegenheit eines Friedensschlusses mit den Flämin- 
gern von diesen verlangen, dass sie je eine Anzahl von 
Pilgern nach Rom, nach Santiago und nach Jerusalem 
senden sollen. Nach Santiago sollten 16 Mann wallfahrten ;* 
wie weit dies erfüllt worden ist, vermag ich nicht anzu- 
geben, mir sind nur die Namen von fünf Pilgern bekannt, 
die aus diesem Anlasse auf Befehl des Raths zu Brügge 
die Wallfahrt -unternommen, und jeder 3 U Groschen zu 
diesem Zweck erhalten haben. 3 

Noch ein weiterer Fall einer Pilgerfahrt als Strafe 
kam im Jahre 1424/25 abermals auf hanseatischem Gebiete 
vor. In den Verhandlungen mit dem Könige Erich von 
Dänemark im Jahre 1416 hatten die lübischen Gesandten 
unterschiedliche Verpachtungen auf sich genommen, dar- 
unter auch diejenige einer Wallfahrt zu Unsrer Lieben 
Frauen zu Einsiedeln. Vermuthlich aber ist es dem Rathe 
nachträglich leid geworden, eine so beschwerliche Pilger- 
reise in 'das Binnenland hinein gelobt zu haben, und an 



1 Bremisches Urkundenbuch. Bd. 3. S. 312, 331 u. 382. 

2 Röhricht, Deutsche Pilgerreisen. S. 113. 

3 Giliiodts van Severen, Inventaire III. 256 



02 



Stelle von Einsiedeln wurde Santiago als Ziel der Wall- 
fahrt ausersehen. So müssen wir daraus schliessen, dass 
dieselben lübischen Gesandten, welche den Vertrag mit 
König Erich gemacht hatten, ein Paar Jahre später den 
Peter Hope um 220 lübische Mark anwarben, um in ihrem 
Namen die Fahrt gen Santiago anzutreten. Es scheint, 
dass Hope mit der Summe nicht zufrieden gewesen ist, 
denn in einer zweiten Urkunde erscheint dieselbe auf 
35o Mark erhöht; ob die Reise aber dann zur Ausführung 
gelangt ist, geht auch aus dieser nicht hervor. * 

Noch zwei ganz analoge Fälle werden aus dem fünf- 
zehnten Jahrhundert aus hanseatischem Gebiete erwähnt. Im 
Jahre 1447 war ein Kaufmann von Nieder-Wesel mit einer 
Ladung Wein nach Brügge gekommen, und hatte dieselbe 
in Gegenwart des «assyser» Johann von Nieuwenhofen 
löschen lassen. Im weiteren Verlaufe waren aber die vor- 
geschriebenen Formalitäten nicht korrekt beobachtet worden, 
und desshalb liess der von Nieuwenhofen den Hanseaten 
verhaften und trotz aller Proteste in das Gefängniss schlep- 
pen. Das war ein offenbarer Bruch der hanseatischen Pri- 
vilegien, und der «gemeine Kaufmann» nahm sich desshalb 
sehr ernstlich der Sache an, und verlangte, Johann von 
Nieuwenhofen solle nicht nur vor der Wet von Brügge 
dem deutschen Kaufmann Abbitte leisten, die Gefängniss- 
kosten ersetzen und den angerichteten Schaden vergüten, 
sondern auch bei 25 U grote Strafe binnen einem Jahre 
eine Wallfahrt zum heiligen Jakob in Galicien ausrichten. 
Erfolg scheint die hanseatische Forderung allerdings nicht 
gehabt zu haben, denn im Jahre 1449 fühlten sich die 
deutschen Kaufleute in Brügge veranlasst, bis auf weiteres 
alle geschäftlichen Beziehungen zu Nieuwenhofen und 
seinem Hause abzubrechen. 2 



» Codex dipl. Lubecensis. Bd. 5. S. 661 ff. Bd. 6. S. 602 u. 621. 
2 Hanse-Recesse. II, 3. S. 431. u. II, 7. S. 806. 



— 33 — 

Ein ähnlicher Fall wird zum Jahre 1476 aus Kampen 
berichtet. Drei Kampener Kaufleute hatten in Bergen, da 
gerade keine hanseatischen Schiffe zu haben waren, ihr Gut 
in ein holländisches Schiff geladen, obwohl dies zur Zeit 
durch hanseatische Anordnung streng verboten war. Darauf 
Hess sie der Rath von Kampen vor sich erfordern, und so 
lange von allem Verkehre mit der Kaufmannschaft aus- 
schliessen, bis sie um Gnade baten. Sehr anschaulich 
schildert das Dokument den Vorgang ihrer Begnadigung: 
«Der Kaufmann hat sie vor der ganzen Gemeinde drei Mal 
vor sich entboten, mit blossen Füssen, nackten Beinen, 
blossem Haupte, die Hosen um ihre Hüfte geschlungen, 
in ihren blossen Wämsern und so mussten sie den Kauf- 
mann um Gnade bitten. Der Kaufmann hat ihnen auf- 
erlegt, sie sollten um der vorgenannten Sache willen 
Bittfahrten ausrichten zu St. Jakob in Galicien, zum heili- 
gen Blute nach Wilsnack und zum heiligen Olaf nach 
Drontheim», doch sind ihnen die Bittfahrten nachträglich 
erlassen worden gegen eine Busse von 5o Bergener Gulden. 1 

Wenn der ursprüngliche Zweck solcher Anordnungen 
jedenfalls der war, dass der Schuldige durch eine demü- 
thige, mit allerlei Entbehrungen verknüpfte Wallfahrt sein 
Vergehen sühnen sollte, so ist doch schon sehr frühzeitig 
von der persönlichen Leistung der Busse abgesehen 
worden : in vielen Fällen wird nicht verlangt, dass die 
Wallfahrt gethan, sondern nur dass sie ausgerichtet wird. 
Es sollen Bettler geradezu ein Geschäft daraus gemacht 
haben, für andere Bussfahrten zu thun. Endlich wurde, 
wie der Kampener Vorgang lehrt, auch das nicht mehr 
als unerlässlich betrachtet : die Wallfahrt konnte mit einer 
Geldbusse abgelöst werden. Ob dort die 5o Bergener 
Gulden eine annähernde Schätzung der Bittfahrtskosten 
enthalten, mag zweifelhaft sein. Aus den Rechnungen von 



» Hanse-Recessc. II. 7. S. 603. 



- 3 4 - 

Brügge lässt sich ein Fall vom Jahre 1405/6 nachweisen, 
in welchem ein dortiger Tuchweber sich mit der Summe 
von 24 üb. par. von der Strafe einer Pilgerfahrt nach 
Santiago löst. * 

Wenn nun auch die Kosten einer wirklichen Wall- 
fahrt vielleicht noch nicht auf ein so bescheidenes Maass 
reduciert waren, so zeigt sich doch, dass schon im 14. 
Jahrhundert dieselben für die wohlhabenderen Bürger nicht 
mehr unerschwinglich waren. Auch diese Nachrichten 
stammen zunächst noch fast ausschliesslich aus hanseatischem 
Gebiete. In den Kreisen der niederdeutschen Seehandels- 
städte war man vertraut mit längeren überseeischen Fahrten, 
und was man häufig genug für irdischen Gewinn zu unter- 
nehmen gewohnt war, das that der Eine oder der Andere 
wohl auch einmal lediglich um seines Seelenheiles willen. 
Das älteste Zeugniss dafür stammt aus dem Jahre 1 3 1 7. 
Am Sonntage Quasimodogeniti dieses Jahres macht Volmar 
von Baumgarten (de Pomerio) zu Rostock sein Testament, 
weil er sich zu einer Pilgerfahrt nach Santiago aufmacht. 
Dass er ein ziemlich bemittelter Mann war, beweisen seine 
Legate, die sich auf mehrere hundert Mark (lüb.) in 
baarem Gelde, neben ausgedehntem Grundbesitz belaufen. 
Leider macht er aber keine Andeutung darüber, wie hoch 
er die Kosten seiner Reise schätzt. 2 

Ein ähnliches Dokument aus der Mitte des 14. Jahr- 
hunderts, das Datum fehlt, stammt aus Wismar. Der 
dortige Bürger Thiedeke Bernewater macht sein Testament, 
und bestimmt darin, dass dasjenige, was nach Auszahlung 
verschiedener Legate und Befriedigung aller seiner Gläu- 
biger von seinem Vermögen übrig bleibt, von den Stadt- 
pflegern zum Besten der Armen verwendet werden soll, 
mit dem Bedingniss, dass sie stets (semper) je einen Pil- 



1 Gilliodts van Severen, inventaire IV. S. 161. 
* Meklenburgiscb.es Urkundenbuch. VI. S. 264. 



— 35 — 

ger zum heiligen Jakob und einen nach Aachen schicken 
sollen. 1 

Von einer anderen Pilgerfahrt erfahren wir aus einem 
anderen sehr drolligen Dokumente, aus der Zeit um 1370. 
Ein ehrsamer lübischer Schustermeister, Johannes Bodde, 
hatte dem Ritter Vieregge wiederholt für sich und seine 
Leute Schuhwaaren geliefert, aber nicht immer für dieselben 
baare Zahlung erhalten können. Im Laufe der Zeit waren 
beide Parteien von Lübeck fortgezogen; der Ritter war als 
Hauptmann in schwedische Dienste getreten, und der ehr- 
same Schuhmacher fühlte sich auch zu Höherem berufen, 
als über dem Leisten zu sitzen. Er unternahm eine grosse 
Pilgerfahrt nach Rom und zum heiligen Jakob in Gali- 
cien, dann aber trat er in den Deutsch-Ritterorden und 
Hess sich in Elbing nieder, von wo aus er durch den 
Rath zu Lübeck seinen ritterlichen Schuldner mahnen 
Hess. Die höchst drollige Unterredung, mit welcher er die 
Anerkennung der Schuld von Seiten Vieregge's darstellt, 
gebe ich in der Anmerkung im Originaltext wieder. 2 

Von weiteren Santiago-Fahrten hören wir aus Preus- 
sischen Landen. Der Danziger Hermann von Rüden war 
in seiner Vaterstadt der Acht verfallen, und um sich aus 
derselben zu lösen, hat er im Jahre 1377 eine Wallfahrt 
nach Santiago unternommen, von der er in geistigem und 
körperlichem Sinne heil zurückgekehrt ist. 3 

Ein minder günstiges Geschick war einem anderen 
Preussen beschieden, der nach Santiago gefahren war. 



» Ib. XIII. S. 134. ,_ . . ,.. , . . „ 

s Do gink ich selber czu Viereckden. Do sprach ich: Vieregde, mir ist 
nicht me worden, wen syben guldyn. Do sprach her : myn lvber Hannus , wi 
vil ist man dir noch schuldik? Do sprach ich: ir Sit mir noch schuldik achte 
guldvn ir wist das wol, ich gink czue Rome vnd czu sente Jacob, daz ir mir 
do blib'it sechs guldin schuldik; nu hat ir syder genomen sent ich von 
Rome quam, also vil als vor nvne guldin, dez wart uch selber eyn nu par 
stvuüen vnd vier par nvderschu, dy stisen uer Knechte in den woytsac, vor 
mer so nomen uer knechte V par nuer stiuilen, do ir ken Sweden czoget, vnd 
nue schu doczu etc. - (6 Paar Stiefeln u. 9 Paar Schuh für 9 Gulden !) Mek- 

lenb. Urkbuch. XVI. S. 637. 

» Th. Hirsch, Danzigs Handel- u. Gewerbsgeschichte. S. 86. Anm. Zi. 



— 36 — 

Tideman Sticker war als Meister eines Schiffes, das dem 
Goswin Grote gehörte im Jahre 1378 von Danzig ausge- 
segelt, um nach Santiago in Galicien zu fahren. Er hatte 
verschiedene preussische und lübische Gefährten an Bord, 
und seine Reise galt wohl ebensosehr geschäftlichen als 
frommen Zwecken. Die Reisenden hatten ihr Ziel glücklich 
erreicht, und waren wohlbehalten bis in die Nähe des Kap 
Finisterre zurückgelangt; da wurden sie dort von engli- 
schen Freibeutern gesichtet, und in der folgenden Nacht 
überfallen. Tideman Sticker wurde am ärgsten misshandelt : 
nachdem die Räuber ihn niedergeschlagen, schnitten sie 
ihm die Finger ab, um sich seiner Ringe zu bemächtigen; 
dann warfen sie ihn ins Wasser. Er und drei seiner Be- 
gleiter blieben todt, die anderen kamen mit dem nackten 
Leben davon. Der eingeklagte Schaden belief sich allein 
für den Rheeder auf 1 5o 8 grote. 1 

Die See war damals durch den Krieg der Engländer 
und Franzosen lange Jahre hindurch für die Hanseaten 
sehr unsicher. Wurde doch 141g ihre ganze Westfahrt- 
Flotte vor La Rochelle genommen und geplündert. Den- 
noch dauerten die Wallfahrten nach Santiago fort. Zum 
Jahre 141 7 berichtet die Fortsetzung der Preussischen 
Chronik des Johann von Posilge : «Auch war dies Jahr 
eine grosse Fahrt zum Sankt Jakob zu Compostella von 
vielen Leuten aus manchen Ländern.» 2 Mir sind keine 
Namen bekannt geworden von solchen, die an der Fahrt 
von 141 7 theilgenommen haben; aus dem Jahre 1420 aber 
erzählt eine Danziger Quelle von einem ähnlichen Vor- 
gange. Jakob Lübbe war am Tage des heiligen Jakob im 
Jahre 1400 geboren, und das war ihm wohl ein besonderer 
Anlass, nachdem er das 20. Lebensjahr erreicht hatte, zu 
dem Grabe seines Schutzpatrones zu wallfahrten. Die günsti- 
gen Vermögensverhältnisse seiner Eltern hätten ihm wohl ge- 



1 Hanse-Recesse I. 3. S. 106 u. 192. 

2 Scriptores rerum Prussicarum. III. S. 372. 



- 3 7 - 

stattet, die Reise mit aller Bequemlichkeit an Bord eines 
guten Schiffes zu machen; mit Geld und mit Empfehlungs- 
briefen war er auf das Beste versehen. Er aber hielt den 
weiteren und beschwerlicheren Landweg für verdienst- 
licher. Auch war er nicht allein : der Priester Adrian von 
Marienburg, und dessen Schwester, die Nonne Gertraud 
machten die Wallfahrt in seiner Gesellschaft und es scheint, 
dass alle drei unversehrt und wohlbewahrt von der weiten 
Reise zurückgekehrt sind, i 

Von der äussersten Grenze des deutschen Sprachgebietes 
machte sich ein anderer Pilger zum heiligen Jakobus im 
Jahre 1429 auf. Ein gewisser Wilhelm von Reval hatte in 
höchster Sturmesnoth auf dem Meere das Gelübde abge- 
legt, eine Wallfahrt nach Rom und nach Santiago zu unter- 
nehmen, wenn sein Schiff glücklich in den Heimathhafen 
zurückkehren würde. Dieser Wunsch war erhört worden, 
und nun Hess er sich am Michaelistage von dem Revaler 
Diakon Detmar ein lateinisches Beglaubigungs- und Em- 
pfehlungs- Schreiben mitgeben auf seine weite Pilgerreise. 2 

Ein ähnlicher Fall wird aus dem Jahre 1455 wieder aus 
Meklenburg berichtet. Auch hier ist es ein Empfehlungs- 
brief in lateinischer Sprache, der uns von der Santiagofahrt 
Kunde giebt. Der Rostocker Dr. jur. Heinrich Bekelin, 
Professor an der Universität und Pfarrer zu Sankt Marien 
bescheinigt seinen Beichtkindern Hans und Matthias Hey- 
denrik, dass sie aus besonderer Devotion und um ihrer 
Sünden willen den Pilgerstab ergriffen haben, um zum 
heiligen Jakobus zw wallfahrten, und bittet alle christlichen 
Seelen den Beiden Schutz, Hülfe und Förderung zutheil 
werden zu lassen. 3 

Ob es gerade ausschliesslich religiöse Anlässe waren, 
welche für die Fahrt bestimmend waren, welche vier Ham- 



1 Scriptores rerum Prussicarum. IV. S. 694. 

2 Uv.-Esth.- u. Kurländisches Urkkbuch VIII. S 62. 

3 Meklenb. Jahrb. Bd. 43. S. 189. 



— 38 — 

* 

burger Orlogschiffe in Gesellschaft anderer hanseatischer 
Fahrzeuge.am 10. April 1473 von der Elbe aus nach Santiago 
antraten, lässt sich billig bezweifeln. Aber wenn wir nicht 
durch andere Zeugnisse hinlänglich davon unterrichtet wären, 
wie häufig unsere niederdeutschen Landsleute das spani- 
sche Heiligthum aufsuchten, so würde schon der Um- 
stand, dass sie — wie einst die Wikinger von einem 
Jakobslande sprachen — 'die Fahrt zur spanischen Nord- 
küste als eine solche nach Santiago bezeichneten, uns 
darauf hinweisen, welche bedeutende Rolle in der grossen 
hanseatischen Westfahrt die Aufsuchung des berühmten 
Wallfahrtsortes spielte. 1 

Ein besonderer Anlass hat es bewirkt, dass wir zum 
Jahr 1479 von mehr als einer Pilgerfahrt aus den nord- 
deutschen Seestädten nach Santiago hören. Es war die 
Zeit in welcher das spanische Heiligthum sich der be- 
sonderen Begünstigung der Päbste wieder zu erfreuen 
begann: im Jahre 1479 war ^ ur a ll e > die zu dem Grabe des 
Apostels pilgern würden, ein besonders reicher Ablass be- 
willigt, was unsere Quelle so ausdrückt, es sei damals zu 
Santiago ein «goldenes Jahr» ein Jubiläumsjahr gewesen. 
Diese Botschaft war es, welche den Danziger Kaufmann 
Christoph Beyer veranlasste, sich in der Charwoche mit 
Kleiss Voss auf die Fahrt zu machen, um der besonderen 
damit verbundenen Ablässe theilhaftig zu werden. 2 Gewiss 
ist es nur ein Zufall, dass uns gerade nur die Namen diesd- 
beiden preussischen Pilger überliefert werden ; viele andere 
unserer Landsleute mögen demselben frommen Motive in 
die Ferne gefolgt sein. Das können wir mindestens noch 
von Einem derselben nachweisen. Der Lübecker, «Krämer? 
Hinrich Dunkelgud ist um dieselbe Zeit nach Santiago ge- 
fahren, und auch er erzählt uns wenigstens von einem Lands- 



1 Scriptores rerum Prussicarum. Bd. IV. S. 736. 
a Ib. Bd. IV. S. 743 u. Bd. V. S. 440. 



- 3 9 - 

mann, dem Hans Sledorn, der die Reise mit ihm gemacht 
hat. Sein Bericht ergänzt in bezeichnender Weise die Notiz 
von den Hamburger Orlog-Schiffen, die nach Santiago ge- 
segelt waren, denn auch bei Dunkelguds Reise sind religiöse 
und geschäftliche Motive, wie dies aus seinem auf uns 
gekommenen Geheimbuche hervorgeht, auf das Engste mit 
einander verwoben. Er nahm den Seeweg über Brügge, 
und obwohl er nicht nur dort eine Zeit lang der Geschäfte 
halber verweilte, sondern sogar aus solchem Anlasse nicht 
unbeträchtliche Abstecher von dem geraden Wege machte, 
hat seine Wallfahrt doch noch nicht fünf Monate gedauert: 
am 2. Februar ist er von Lübeck, nach Mitte März von 
Sluys aufgebrochen, und bereits am 21. Juli ist er in der 
Heimath wieder angelangt. 1 

Wenn wir bei dem Jahre 1484 schon wieder in einer 
preussischen Chronik angemerkt finden, dass zu Santiago 
«goldenes Jahr» gewesen sei, so dürfen wir mit Zu- 
versicht darauf rechnen, dass auch diesmal Landsleute des 
Chronisten die Wallfahrt unternommen haben. Deren 
Namen nennt freilich weder er, noch finden sich solche 
in anderen Quellen angemerkt. 2 

Dann hat im Jahre 1498 der Herzog Balthasar von 
Meklenburg eine Pilgerreise nach Santiago unternommen, 
derselbe, über dessen Wallfahrt nach Jerusalem wir durch 
umfängliche Aufzeichnungen so gut unterrichtet sind. 
Eigentümlicher" Weise haben sich solche von der spani- 
schen Reise des Herzogs nicht einmal in den Rechnungs- 
büchern ausfindig machen lassen. Trotzdem dürfen wir 
an der Thatsächliclikeit seiner Santiago-Fahrt nicht zwei- 
feln, denn es wird wiederholt in hanseatischen Urkunden 
seiner Abwesenheit Erwähnung gethan. 3 



1 Mantels, Beiträge zur lüb.-hans. Geschichte. S. 353 ff. 

2 Scriptores rerum Prussicarum. Bd. 4. S. 752. 
» Hanse-Recesse. Abth. 3, Bd 4. S. 78. 



— 40 — 

Aus späterer Zeit ist mir nur noch eine Pilgerfahrt 
aus Niederdeutschland zum heiligen Jakob bekannt. Im 
März i5o3 befindet sich der Lübecker Kaufmann Her- 
mann Stegmann unterwegs auf einer solchen Pilgerreise. 1 
Allein es wäre verkehrt, aus dem Mangel bezüglicher 
Nachrichten schliessen zu wollen, dass die Wallfahrten 
aus niederdeutschen Landen abgenommen hätten. Zu- 
nächst ist wohl der Grund für das Ausbleiben weiterer 
Erwähnungen darin zu suchen, dass die Santiago-Fahrten 
so sehr etwas Alltägliches geworden waren, dass man es nicht 
mehr der Mühe werth erachtete, ihrer zu gedenken. Dass 
sie noch Jahre lang in gleichem Umfange andauerten wie 
früher, dafür spricht der Umstand, dass auch in nieder- 
deutscher Sprache ein Santiago- Pilger- Buch im Jahre 
1 5 1 8 gedruckt worden ist. Obwohl dieses angeblich den 
Weg von Braunschweig aus und bis wieder dahin zurück 
schildert, so vermuthe ich doch, dass es nichts weiter ist, 
als eine niederdeutsche Redaktion ebendesselben hoch- 
deutschen Pilgerbuches, von dem sogleich die Rede sein 
wird. 2 

Für die Niederdeutschen hatte die Santiago-Fahrt einen 
wesentlich anderen Charakter als für ihre hochdeutschen 
Landsleute. Sie waren von den burgundischen Niederlan- 
den her damit bekannt geworden : die Handelsunternehmun- 
gen führten die Hanseaten Jahr für Jahr in die unmittelbare 
Nähe des Heiligthumes, und die Seefahrt machte die Pil- 
gerreise ziemlich bequem und wenig zeitraubend. Man 
würde aber sehr irre gehen, wenn man desshalb annehmen 
wollte, dass von unseren Landsleuten ausschliesslich oder 
auch nur vorwiegend die Niederdeutschen zum heiligen 
Jakob gewallfahrtet hätten ; im Gegentheil, um die Wende 
vom i5. zum 16. Jahrhundert scheinen vielmehr die Mit- 



1 Hanse-Recesse Abthl. 3, Bd. 4. S. 529. 

2 Der von Röhricht erwähnte Druck: De overen ende medelen Straten 
von Brunswygk tho Sünte Jakob in Galicien, Brunswygk 1518, 8° ist anschei- 
nend unwiederbringlich verschollen. 



— 4i — 

tel- und Oberdeutschen bei weitem das grösste Kontingent 
zu den Santiago-Pilgern gestellt zu haben. 

Das hat sich allerdings herausgestellt, dass vor dem i5. 
Jahrhundert nur ganz vereinzelt einmal Pilgerreisen aus Ober- 
deutschland nachdem spanischen Heiligthume unternommen 
worden sind. Die wenigen, die wir zu erwähnen hatten, ge- 
hörten der Kreuzzugs-Periode an. Nach dieser aber trat für 
Spanien wieder eine Periode der Vereinsamung ein, aus der 
es erst zu Anfang des i5. Jahrhunderts wieder heraustrat, 
als die kirchlichen Angelegenheiten einen lebhafteren Ver- 
kehr und einen engeren Zusammenschluss aller christlichen 
Staaten nothwendig machten. Die Konzilien von Konstanz 
und von Basel haben zuerst wieder häufiger die Spanier 
über die Pyrenäen zu uns geführt, und es lässt sich auf 
allen Gebieten verfolgen, wie damit unseren Landsleuten 
der Anlass gegeben wurde, ihre Aufmerksamkeit wieder 
mehr der iberischen Halbinse-1 zuzulenken, die sie seit 
dem Ausgange der Staufenzeit mehr oder weniger verges- 
sen hatten. Damals sind deutsche Kaufleute zuerst in grös- 
serer Anzahl von den oberdeutschen Städten nach Barcelona 
gezogen, und haben sich dort Bevorzugungen zu erringen 
gewusst, wie sie keiner anderen Nation zutheil geworden 
sind. Damals haben ganze Schaaren deutscher Ritter 
den Zug in die Ferne unternommen, um sich im Schein- 
kampfe des Tournieres oder in ernstem Waffengange gegen 
die Ungläubigen die Insigniender Ritterorden zu verdienen, 
die wetteifernd von den Königen von Aragon, von Navarra, 
von Kastilien und von' Portugal zur Auszeichnung ritter- 
licher Tugenden gestiftet wurden. Wie sollte da nicht auch 
oft das Heiligthum des Apostels aufgesucht worden sein, das 
schon damals eine der bekanntesten und gnadenreichsten 
Wallfahrtsstätten der Christenheit war? 

Das erste Mal, wo eine Santiago-Fahrt in oberdeut- 
schen Quellen erwähnt wird, gehört schon dem Jahre [397 
an. Damals bestimmt Bruno von Rappoltstein in seinem 
Testamente, dass seine Erben um seines Seelenheiles 



— 4 2 — 

willen eine Anzahl Wallfahrten ausrichten sollen. Da 
erscheint an erster Stelle Santiago in Galicien ; daneben 
Heiligthümer besonders in Südfrankreich. i 

Die Santiago-Pilgerfahrt scheint dann in seiner 
Familie üblich geworden zu sein. Caspar von Rappolt- 
stein, der um das Jahr 1457 gestorben sein soll, lag 
auf Sankt Jakobs Strasse «zu der Kronen» begraben. 2 
Unter der «Krone» kann in diesem Zusammenhange 
ebensowohl La Coruna als Logrono verstanden werden, 
je nachdem Caspar seine Wallfahrt rheinabwärts und 
von den Niederlanden aus zu Schiff, oder aber durch Süd- 
frankreich und über die Pyrenäen, auf der sogenannten 
oberen Strasse, gemacht hat. Ich halte die letztere Annahme 
desshaib für die wahrscheinlichere, weil man gemeinig- 
lich nicht in Verbindung mit der Meerfahrt von einer 
Jakobsstrasse sprach. 

Um 1430 werden die Santiago-Fahrten aus oberdeut- 
schen Landen ausserordentlich zahlreich. Den Reigen er- 
öffnet der Nürnberger Patricier Peter Rieter. Er wallfahr- 
tete im Jahre 1428 dorthin mit der Bequemlichkeit, die 
ihm seine Verhältnisse gestatteten, d. h. er machte den 
Weg zu Pferde und Hess sich von einem berittenen Knecht 
begleiten. In der Kathedrale von Santiago stiftete er ein 
ansehnliches Gemälde, das im Chore aufgehangen wurde; 
auf dem Rückwege besuchte er auch den Montserrat, zog 
von Ober-Italien nach Rom hinunter, und hielt sich dort 
volle vier Wochen auf. So kam es dass ihn die Reise die, 
für die damalige Zeit recht ansehnliche Summe von 25o 
Dukaten kostete. 3 

Schon der Bericht über diese Reise erweckt den An- 
schein, als ob es mindestens ebenso sehr die Lust am 
Reisen, der Wunsch fremde Länder und Menschen zu 



1 Rappoltsteinisches Urkundenbuch. Bd. 3. S. 555 j 6. 

* Ebda. Bd. 4. S. 601. u. Bd. 5. S. 571. 

3 Bibliothek des lit. Vereins Bd. 168. S. 9. 



- 4 3 - 

sehen, als ein religiöses ßedürfniss gewesen ist, was unseren 
Landsmann in die Ferne trieb. Unzweifelhaft aber waren 
solche Motive ausschlaggebend für diejenigen Deutschen, die 
wir demnächst in Santiago antreffen. Das Geschlecht der 
Grafen von Cilli in Kärnthen war gegen das Ende des 14. 
Jahrhunderts rasch emporgeblüht und hatte durch die Be- 
günstigung, deren es sich von Seiten der deutschen Kaiser 
seit Ludwig dem Bayern zu erfreuen hatte, eine führende 
Stellung erlangt. Ihren Höhepunkt erreichten diese Be- 
günstigungen in den ersten Jahrzehntendes 1 5. Jahrhunderts, 
als König Sigismund sich in zweiter Ehe mit Barbara, der 
Tochter des Grafen Hermann von Cilli, vermählte. Bald 
darauf aber drohte der Mannesstamm der Grafen schon 
einmal auszusterben; nur auf einem Neffen der Königin, 
Ulrich IL, beruhte die Hoffnung, das Geschlecht fortzu- 
pflanzen. Es ist desshalb nicht zu verwundern, wenn Graf 
Ulrich eine vielumworbene, vielbeachtete Persönlichkeit 
wurde. Dieser Graf Ulrich nun hat im Jahre 1430 mit 
einem grossen Gefolge von Rittern und Knappen einen 
Zug nach Spanien unternommen, der ein solches Aufsehen 
erregte, dass selbst die spanischen Chronisten seiner ge- 
denken und dass man sich noch lange Jahre nachher seiner 
erinnerte. Auffallender Weise enthält die Chronik der 
Grafen von Cilli kein Wort darüber, so dass wir weder 
den Anlass zu der Fahrt noch den Termin des Aufbruchs 
näher bestimmen können. Der Grossvater, Graf Hermann, 
spricht gelegentlich in einem Dokumente von seinem Enkel 
der «um Ritterschaft» nach Granada gefahren sei, * und dass 
die Reise thatsächlich mit der damals aufgekommenen Mode 
der (weltlichen) Ritterorden in enger Beziehung steht, das 
wird auch durch die weiteren Nachrichten bestätigt, die 
wir von dieser Reise hören. Im Staatsarchive von Aragon 
zu Barcelona habe ich kürzlich die Urkunde aufgefunden-, 



Liv.-Esth. u. Kurland. Urkundenbuch. Bd. 8. S. 125. 



— 44 — 

durch welche König Alfons V. dem Grafen von Cilli die 
Insignien seines Ordens amprisiae stolae et jarrae 1 verleiht. 
Sie ist datiert aus Segorbe vom 21. März 1430. Mit der 
gleichen Auszeichnung wurden am selben Tage noch i3 
Begleiter des Grafen bedacht; ihre Namen sind zum Theil 
arg verunstaltet, und darum schlecht zu entziffern ; ich 
habe gelesen: Franz, Graf von Barbavia (?), Georg Tam- 
pech (?), Johann Ungnad, Georg Saiorer (?), Warmund 
Starnberger, Jobst Helfenberger, Wilhelm von Stein, 
Johann Welsberger, Bernhard Sachs, Opitz von Seydlitz, 
Georg Colniczer (?) Johann Stanyer (?) und Otto von 
Rathmannsdorf. 

Um die Pringstzeit langte der Graf mit seinem Gefolge, 
60 Pferde stark, zu Hamusco am Hofe König Johann's II. 
von Kastilien an, und hier wird als das eigentliche Ziel 
der Reise Santiago angegeben. Hamusco liegt ja auch für 
den von Segorbe kommenden Reisenden am Wege. Auch 
hier wurde am Hofe für einige Tage Rast gemacht, aber 
der Ordenssegen fiel nicht ganz so reichlich aus, als zu 
Segorbe. Nur 4 seiner Begleiter theilten mit Graf Ulrich 
die Ehre, mit den Insignien des Escama-Ordens geschmückt 

zu werden. 2 

Auffallend ist es, dass in der Liste der Decorierten 
der Name eines Mannes fehlt, dessen gleichzeitige An- 
wesenheit durch einen anderen Bericht verbürgt wird, und 
dessen Persönlichkeit schon damals eine solche Bedeutung 
erlangt hatte, dass man sich wundert, ihn nicht unter den 
Bevorzugten zu finden. Pedro Tafur, jener kastilische 
Edelmann, der in dem Jahre 1436 eine ähnliche Reise 
«um Ritterschaft» fast durch die ganze bekannte Welt 
unternommen hat, erzählt uns, dass Caspar Schlick, der 
allmächtige Kanzler der beiden römischen Könige Sigis- 



1 Der Orden de las azucenas, der Lilien, oder de la jarra, vom Kruge, 
war der erste aragonische Ritterorden, gestiftet i. J. 1403. 

2 Cronica de D. Juan II hei Rosell. Cronicas. Bd. 2. b. 4ö_. 



- 4 5 - 

mund und Friedrich III. gleichfalls unter den deutschen Rit- 
tern gewesen sei, die auf der Pilgerfahrt zum heiligen Jakob 
1430 das Pfingstfest zu Hamusco am Hofe seines Königs 
gefeiert hätten. Diese Angabe, die mit der der Chronik Juan's 
II. so genau übereinstimmt, wird um so weniger auf einem 
Irrthume beruhen, als Tafur sich, indem er dies erzählt, 
auf die Erneuerung alter Anknüpfungen beruft. J 

Derselbe Tafur erzählt uns noch von zwei anderen 
Persönlichkeiten, deren Bekanntschaft ihm um deswillen 
interessant erschien, weil auch sie die Fahrt nach Santiago 
gemacht hatten, er also mit ihnen von seiner Heimath 
sich unterhalten konnte. Die eine war eine Aebtissin, die 
er in der Nähe von Brügge wieder traf; sie hat den frem- 
den Ritter zu sich zu Tische geladen, und mit einem aus- 
gesuchten Mahle bewirthet ; sie scheint also auch zu der 
Sorte von Klosterfrauen gehört zu haben, denen der Rei- 
sende nicht eben das glänzendste Zeugniss für ihren geist- 
lichen Lebenswandel ausstellt. 2 

Der andere erscheint bei Tafur unter dem Namen 
eines Grafen von Hanesbergue, und sein Schloss soll gegen- 
über von Coblenz am Rhein gelegen haben. Vielleicht 
ist es ein Graf von Johannisberg gewesen. Dieser war auf 
seiner Pilgerfahrt gen Santiago ganz besonders vom Un- 
glück verfolgt worden. Als er durch Burgos kam, war er 
dortvon den spanischen Behörden in Haft genommen worden, 
um dafür Vergeltung zu üben, dass zwei Burgaleser Kauf- 
leute damals in Deutschland festgehalten worden waren. 
Er konnte nur dadurch seine Auslösung erreichen, dass 
er die Freigabe der verhafteten Kaufleute in Deutschland 
durchsetzte. Aber auch so kam er noch nicht ohne Fähr- 
lichkeiten heim. Zwar wurde er in Santiago und auf dem 
Rückwege in Spanien nicht behelligt, in Südfrankreich 
aber fiel er in die Hände des Rodrigo de Villandrando, und 



1 Tafur, Viajes v Andan^as. Bd. 2. S. 553. 
a Ebda Bd. 1. S. 250. 



- 46 - 

musste dort noch einmal erhebliche Opfer bringen, um 
seine Freiheit zurückzuerlangen. Tafur fürchtete denn 
auch, von ihm eine schlechte Behandlung zu erfahren, 
und wich von der Landstrasse ab, um an seinem Schlosse 
unbehelligt vorüberzukommen. Trotzdem erhielt er von 
dem Grafen, wie er vermuthet auf einen Wink vom kaiser- 
lichen Hofe, eine freundliche Einladung, der er doch nicht 
zu folgen wagte. 1 

Noch ein deutscher Pilger wird aus denselben Jahren 
angeführt. Jobst Keller von Augsburg soll sich auch im 
Jahre 1430 aufgemacht haben, um das Heiligthum des 
Apostels aufzusuchen. Allein es gelang ihm damals nicht, 
es zu erreichen ; unsere Quelle sagt : er konnte es nicht 
finden. Im Jahre 1433 aber wiederholte er mit grösserer 
Beharrlichkeit den Versuch, und wenn er auch volle fünf 
Monate dazu brauchte und viel Ungemach erleiden musste, 
so hatte er doch die Genugthuung, sein Ziel dies Mal zu 
erreichen. 2 

Weit mehr war ein anderer Landsmann vom Schick- 
sal begünstigt, der wenige Jahre später nach Santiago pil- 
gerte. Jobst Piintzing von Nürnberg trat im Jahre 1436 
seine Wallfahrt an, deren nähere Umstände nicht erzählt 
werden ; er soll aber insgesammt nur 7 Wochen zu der- 
selben bedurft haben. 3 

Bald darauf fand abermals eine grössere Fürstenfahrt 
nach Spanien statt, auf welcher gleichfalls zu einem Be- 
suche Santiago's Gelegenheit genommen wurde. Die Ver- 
lobung der Herzogin Anna von Cleve mit dem unglück- 
lichen Prinzen und Titular-Könige von Navarra D. Carlos 
de Viana war am burgundischen Hofe durch die Vermit- 
telung Herzog Philipps des Guten zustande gekommen. 
Im Jahre 1438 erhielt nun deren Bruder, Herzog Johann, 



1 Tafur, Viajes y Andancas. Bd. 1. S. 239. 

ä Vrgl. Hormayrs Taschenbuch 1837. S. 170. 

3 Röhricht u. Meissner, Deut. Pilgerreisen. S. 95. 



— 47 — 

den Auftrag die Schwester dem königlichen Bräutigam 
zuzuführen. Mit einem Gefolge von 70 Edelleuten und 
Knappen, mit fast 200 Pferden zogen die fürstlichen Ge- 
schwister zunächst nach Sluys, und schifften sich dort 
ein. In welchem Hafen von Biscaya sie gelandet seien, 
erzählt die Chronik nicht ; aber erst sechs Wochen, nach- 
dem sie von Sluys aufgebrochen, langten sie zu Valladolid 
an, wo unter dem Schutze des Königs von Kastilien die 
Vermählung mit mehrtägigen Festlichkeiten gefeiert wurde. 
Dann nahm Herzog Johann .von der jungen Königin Ab- 
schied, und ritt mit seinen Begleitern nach Santiago. 
Unterwegs stattete er dem kastilischen Hofe einen erneuten 
Besuch in Burgos ab; seinen Rückweg nahm er dann 
durch Navarra und Aragon gen Barcelona, und von da 
auf der grossen Handelsstrasse, die ihn durch Südfrank- 
reich und Savoyen zum Rheine und in die Heimath zu- 
rückführte. J 

Zufällig hören wir aus dem nächsten Jahre von einem 
deutschen Landsmann, der Gelegenheit fand, der jungen 
Königin in der Fremde seine Aufwartung zu machen. In den 
Aufzeichnungen, die er von seinen Reiseerlebnissen hinter- 
lassen hat, nennt er sich nicht; 2 wir wissen aber jetzt, dass es 
Sebald Ilsung von Augsburg war, und es scheint dass er 



1 Schuren, Clevische Chronik, S. 147. 

2 Seit Waitz im Neuen Archiv f. alt. deutsch. Geschichtskunde Bd. IV, 
S. 350 auf die Handschrift des Britischen Museums Nr. 14 326 aufmerksam ge- 
macht hat, ist wiederholt, zuletzt noch von Th. Hampe in den Mittheilungen 
aus dem german. NationalrMuseum 1896, S. 63, Anm. 5, der Wunsch nach deren 
Veröffentlichung ausgesprochen worden. Es scheint demnach in Deutschland 
vollkommen unbekannt geblieben zu sein, dass i. J. 1883 eine von E(milia) 
G(ayangos) R(iario) besorgte spanische Uebersetzung dieser Handschrift er- 
schienen ist unter dem Titel : Viaje de Espaüa por un anonimo (1446-8). Tra- 
ducido directamente del Aleman por E. G. R. Sie entbehrt allerdings des 
sprachlichen Interesses, welches das Original besitzen könnte, ersetzt es aber 
sachlich vollständig, insofern es sogar die bildlichen Darstellungen nach photo- 
graphischen Aufnahmen (in allerdings ziemlich mangelhaftem Holzschnitt) re- 
produciert. Die Veröffentlichung geschah zu einem wohlthätigen Zwecke, und 
das Buch ist allerdings nie in den Handel gelangt. Ein Exemplar davon ist 
aber jetzt auf der Kgl. oft". Bibliothek zu Dresden. Dass die Hdschr. des Brit. 
Mus. mit dem Reiseberichte Usungs identisch ist, ergiebt sich aus dem Ver- 
gleich der von Farinelli in Rev. crit. de hist. y lit. III, S. 163 gegebenen Proben 
mit dem span. Texte des Viaje de un anonimo. 



- 4 8 - 

seine Reise, wenn nicht unmittelbar im Auftrage, so doch 
mit besonderen Empfehlungen des Herzogs von Savoyen 
gemacht hat, der ihm zu diesem Zwecke einen eigenen 
Diener zur Begleitung mitgab. Der Zweck seiner Reise 
muss in einer oder der anderen Weise mit den kirchlichen 
Angelegenheiten zusammengehangen haben — die Heraus- 
geberin vermuthet, dass er im Interesse des schismatischen 
Pabstes Felix V., vorher Herzogs von Savoyen gereist sei 

— wenigstens sehen wir ihn beständig bemüht, die spani- 
schen Prälaten aufzusuchen. Dass er unter solchen Um- 
ständen an Santiago nicht vorbeiging, versteht sich von 
selbst. Er kam dahin über Barcelona, Montserrat, Tortosa 

— hier schmückte ihn die Königin von Aragon eigen- 
händig mit dem Lilien-Orden — über Zaragoza, nach 
Olite — hier war es, wo er der Königin von Navarra 
seine Ehrerbietung erwies, die sich lange bitten Hess, ehe 
sie sich entschloss, deutsch mit ihm zu sprechen — dann 
nach Burgos, und von dort machte er die Wallfahrt zum 
heiligen Jakob in der Gesellschaft eines Landsmannes, 
Georg Deringer. Auch traf er in Santiago selbst noch einen 
anderen Deutschen, dessen Namen er, wie den eigenen, 
verschweigt, der ihm aber ausführlich von Portugal und 
von dem maurischen Königreiche Granada aus eigener 
Anschauung zu erzählen wusste. Dem Heiligthum von 
Santiago widmet er mehrere Seiten seiner Schilderung, 
und illustriert dieselbe sogar durch mehrere Abbildungen, 
deren eine das Innere des Heiligthums, eine andere die 
steinerne Barke darstellt. Den Rückweg nahm Ilsung auf 
der sogenannten Niederen Strasse, die ihn durch die west- 
lichen Pyrenäenpässe nach Frankreich und zum Herzog 
von Savoyen zurückführte. 

Wenn uns in den nächsten 20 Jahren kein Name 
eines deutschen Santiago-Fahrers überliefert wird, so brau- 
chen wir desshalb nicht anzunehmen, dass die Pilgerreisen 
in Abnahme gekommen seien. Gerade damals bestand 
fortgesetzt ein lebhafter Handelsverkehr zwischen den 



— 49 — 

oberdeutschen Städten und der iberischen Halbinsel, und 
es müsste merkwürdig zugegangen sein, wenn nicht einer 
oder der andere Geschäfts-Reisende die Gelegenheit zum 
Besuche des weltberühmten Heiligthumes benutzt haben 

sollte. 

Im Jahre 1457 stattete Georg von Ehingen dem 
Grabe des Apostels einen flüchtigen Besuch ab. Er war 
von Südfrankreich nach Kastilien geeilt auf das Gerücht, 
dass ein grosser Herreszug gegen die Mauren beabsichtigt 
werde ; als er aber in Navarra von dessen Vertagung ver- 
nahm, zog er zunächst über Burgos nach Santiago, stieg 
aber dann nach Corufia hinab, und schiffte sich nach 
Lissabon ein. In portugiesischen Diensten hat er dann 
gegen die Ungläubigen in Afrika gekämpft. » 

Im Jahre 1462 folgte Sebald Rieter den Spuren seines 
Vaters auch nach Santiago. Schon von Nürnberg aus hatte 
sich ihm sein Schwager Axel von Liechtenstein ange- 
schlossen; in Genf stiessen noch Hans Ortolff, Ulrich 
Haller und Erhart Pessler zu ihnen, so dass sie mit den 
Knechten 10 Pferde stark durch das Land zogen. Geleits- 
und Empfehlungsbriefe des Herzogs von Bayern, des 
Herzogs von Sachsen und des Bischofs von Würzburg 
ebneten ihnen die Wege ; auch ermangelten sie nicht, sich 
an jedem fremden Hofe, den sie besuchten, Empfehlungen 
an den nächsten mitgeben zu lassen. So reisten sie trotz 
kriegerischer Verwickelungen zwischen Frankreich, Kasti- 
lien und Aragon, sicher, oft sogar von königlichen Herol- 
den begleitet hinein und heraus. Von ihnen erfahren wir, 
dass es Brauch bei den edlen Herren war, ihre Wappen, 
auf Pergament gemalt, im Chore der Kathedrale zu Santia- 
go aufzuhängen; auch Hess Sebald Rieter das 1428 von 
seinem Vater gestiftete Bild im Chore erneuern und dadurch 
erweitern, dass er die Portraits aller Familien-Angehörigen 



1 Itinerarium d. i. hist. Beschreibung- weil. Hn. G. v. E. raisens nach der 
Ritterschaft. (Augsburg 1600). Bl. D. 



— 5o — 

darauf anbringen Hess. Die Reise dauerte 35 Wochen, 
und kostete den Sebald Rieter allein 400 Gulden, wie er 
uns in eigenen Aufzeichnungen berichtet. Er giebt übrigens 
auch für seinen ganzen Weg die Entfernungen an. * 

Wenige Jahre später hat der böhmische Ritter Leo von 
Rozmital seine Reise durch Spanien gemacht, über die 
zwei verschiedene Berichte auf uns gekommen sind. Wenn 
aber Rieter mit dem ausgesprochenen Zwecke auszog, um 
seines Seelenheiles willen das Grab des Apostels aufzu- 
suchen, so war für Rozmital der Besuch in Santiago nur 
eine Episode seiner Fahrt, die er fast ausschliesslich zu 
dem Zwecke unternommen hatte, um fremde Länder und 
Völker kennen zu lernen. Er ist denn auch weiter in 
Spanien und Portugal herumgekommen, als einer seiner 
Vorgänger, selbst das maurische Königreich von Granada 
hat er besucht, und von den herkömmlichen Pilgerpfaden 
ist er vielfach und beträchtlich abgewichen. 5 

Nun würde man aber sehr irre gehen, wenn man an- 
nehmen wollte, dass solche Herrenfahrten die Mehrzahl der 
deutschen Pilgerreisen nach Santiago ausgemacht hätten. Es 
ist sehr begreiflich, dass Aufzeichnungen sich im Wesent- 
lichen nur von solchen erhalten haben. Die grossen Herren 
konnten sich den Luxus leisten, sich einen schriftgewand- 
ten Reisemarschall mitzunehmen, oder waren doch selbst 
so weit der Feder mächtig, dass sie uns eine kurze Notiz 
oder einen Eintrag in ihre Geschäftsbücher über ihren 
Aufenthalt in Santiago hinterlassen haben. Dass solche 
Wallfahrer aber nur die bevorzugte Minderheit waren, 
dass mit und neben ihnen eine weit grössere Anzahl von 
armen Schluckern die Pilgerfahrt machte, die sich schlecht 
und recht von einem Orte zum andern durchschlugen und 



1 Röhricht und Meissner, Reisebuch der Familie Rieter. (Bibl. d. lit. Ver. 
Nr. 168) S. 10—14. 

» Des böhm. Herrn L. v. R. Ritter-Hof u. Pilgerreise. Beschrieben von 
zweien seiner Begleiter. (Bibl. d. lit. Ver. Bd. 7.) 



— 5i — 

durchbettelten, bis es ihnen gelang das Heiligthum zu er- 
reichen, durch dessen Besuch sie ein Gott gefälliges Werk 
zu thun und Vergebung für ihre Sünden zu erlangen hofften, 
dafür giebt es wenigstens aus dem Ende des i5. und An- 
fang des 16. Jahrhunderts vielfache Beweise. 

Das Kloster Ilsenburg, unfern von Wernigerode am 
Harze gelegen, stand doch gewiss nicht an einer Strasse, 
auf der man einen sonderlich lebhaften Verkehr von Wall- 
fahrern zu dem fernen heiligen Jakob in Galicien ver- 
muthen sollte. Und doch hielt man es dort für der Mühe 
Werth, in ein zwischen den Jahren 148 1 und 1 5 1 6 geführtes 
Formular-Buch das Modell eines Reisepasses nach Santiago 
einzutragen, welcher in dieser Zeit für die Brüder Hein- 
rich und Hans Peters ausgestellt worden war. 1 Und die 
Rechnungen desselben Klosters ergeben, dass im Jahre 
1 5 14(1 5 drei verschiedene und im Jahre i52o abermals 
ein Santiago-Pilger daselbst vorsprachen, und mit Almosen 
unterstützt wurden. 2 

Auch Felix Fabri, der Verfasser des vielgenannten 
Evagatorium hat seine Pilgerfahrt nach Compostela jeden- 
falls als armer Jakobsbruder zu Fusse, und unter Inan- 
spruchnahme der öffentlichen Mildthätigkeit ausgeführt. 
Das ist jedenfalls der Grund, warum er dieser Reise nur 
flüchtig gedenkt, während er seine Jerusalemfahrt recht 
eingehend und ausführlich geschildert hat. 3 So erfahren 
wir denn von ihm auch nur bei Gelegenheit seines Zu- 
sammentreffens mit Smassmann von Rappoltstein in Spoleto, 
dass dieser als der ^dritte seines Hauses, gleichfalls das 
Grab des Apostels besucht hatte. Smassmann hatte die Reise 
in Begleitung seines Neffen, des Junkers Wilhelm von 
Rappoltstein unternommen, und traf im November 1493 
wieder in der Heimath ein.* 



1 Jacobs, Urkbuch. des Klosters Ilsenburg. Bd. 2, S. 97. 
3 Ib. Bd. 2, S. 438. , , , 

3 Evagatorium in terrae sanctae, Arabiae et Aegypti peregrinationem. 
Bibl. d. lit. Vereins Bd. 2—4. 

* Rappoltsteinisches Urkundenbuch. Bd. 5, S. 453. 



— 52 — 

Dafür, dass er uns die Santiago-Fahrt nicht eingehender 
geschildert, hat Felix Fabri uns in einer ganz eigenartigen 
Weise entschädigt, indem er einen Traktat abgefasst hat 
unter dem Titel: die Geistliche Pilgerfahrt, und darin 
widmet er auch der Jakobsfahrt eine gebührende Berück- 
sichtigung. 1 Es sei ja nicht jedem vergönnt und möglich, 
die fernen Heilsstätten selbst zu besuchen; desshalb habe er 
denen, die im Geiste mit ihm pilgern wollten, dies Buch 
verfasst, dessen frommes Studium und gewissenhafte Be- 
folgung einen Gottesdienst in sich schliesse, der an Ver- 
dienstlichkeit einer wirklichen Wallfahrt nicht nachstehe. 
Und nun lässt er seine «Sions-Pilger» in einzelnen Ab- 
schnitten die drei grossen Wallfahrten gen Rom, Jerusalem 
und Santiago machen, weist sie an, wie sie sich mit Beichte 
und Gebet zu rüsten haben, und führt sie, wenn auch 
manchmal abenteuerlich genug, zu allen den heiligen 
Stätten, die an den betreffenden Wallfahrtsstrassen liegen. 
Die Santiago-Reise geht von Ulm und der dortigen Sankt 
Jakobskirche aus und erreicht ihr Ziel in 38 Tagereisen. 
Als eine Probe lasse ich nun folgen, was er von dort er- 
zählt: «Da gand sy in die kirchen an das ort da der hailig 
apostel jacobus leit und singen die an. o beate Jacobe und 
das rf. ecce ego mitto und empfahen da ablas und also 
schickent sich die pilgrim mit beicht und andern, dass sy 
morgens zu sacrament migent mit andacht gan und wachen 
die nacht by Sant Jacob. Die 39. tagraiss ist also : frie 
singen die syon pilgrim mess von S. Jacob und under dem 
ampt gand sy zu dem hailigen sacrament und darnach 
dingen sy ain schiff und faren uff daz mer hinus, da ist 
ain insel Sant Michels und aini Sant Marie und aini Jhesu 
Christi und aine von S. jergen und aine S. andrea ; die 
inseien besuchen die pilgrim vil tag, daz dem syon pilgrin 
ain tagraiss ist, und finden da uff dem land des mers vil 



1 Die noch ungedruckte Hdschr. befindet sich in der Bibliothek des Kgl. 
Museums in Berlin. 



— 53 — 

seltzner muscheln, gross und klain, die nemen sie an ir hiet 
und mentel, as den Jacobs pilgrin tund und beleiben by 
S. michel die nacht. Hinder dene inseln ist kain weit me, 
denn eitel wasser, dem niemen kain end mag kumen. 
Darum heisset das land finis terre, end der weit, aber die 
ainfeltigen leyen, die nit latin verstand, mainen, das finis- 
terre haiss der vinster stern». 

Zwei andere deutsche Pilger, die auch in den achtziger 
Jahren des i5. Jahrhunderts das Heiligthum besucht haben, 
gehören wieder den bemittelteren Ständen an. 

Daniel Kaufmann war ein Handelsherr aus St. Gallen, 
und hatte für seine Zeit ein grosses Stück Welt gesehen; 
er war in England, Frankreich, Spanien und Portugal ge- 
wesen, und im Jahre 149 1 traf ihn Dietrich von Schachten 
in Neapel. Diesem, der selbst auf einer Wallfahrt nach 
dem heiligen Lande begriffen war, erzählte er dann von 
seinen Reisen, und dass er auch zu dem Grabe des Apos- 
tels Jakobus nach Compostela gepilgert sei. 1 

Noch umfänglicher fast sind die Reisen des Nikolaus 
von Popplau gewesen, der, nachdem er fast die ganze da- 
mals bekannte Welt durchstreift hatte, auf der Heimreise 
aus dem gelobten Land in Alexandria vom Tode über- 
rascht wurde. Er war der rechte Typus eines fahrenden 
Ritters, aber nicht in dem höheren Sinne des Wortes, wie 
ein Ehingen oder Rozmital, sondern mehr eine Natur nach 
der Art des Don-Quixote, den nicht die Wissbegierde, 
sondern die Vorliebe für das Abenteuerliche in die Welt 
hinaustrieb. Die Fahrt nach Santiago hat er von den 
Niederlanden aus ixx Schiffe gemacht, das Grab des Apos- 
tels im Juli 1484 besucht, sich aber dort nicht lange auf- 
gehalten, sondern nach Besichtigung der Heiligthümer von 
Santiago, el Padron und Finis terrae seine Abenteuerfahrt 
nach Portugal fortgesetzt. 2 



1 Röhricht und Meissner, Deutsche Pilgerreisen. S. 224. 

2 Liske, F. J. Viajes de extranjeros por Espaiia y Portugal p. 15 ff. 



- 5 4 - 

Zeigen uns schon die vielen Namen von Jakobspilgern, 
wie weit die Sitte, nach Santiago zu wallfahrten in Deutsch- 
land verbreitet war, so geben sie uns doch immerhin nur 
einen geringen Bruchtheil derer bekannt, die die Reise unter- 
nommen haben. Das dürfen wir daraus schliessen, dass 
die Santiago-Wallfahrt in der deutschen volkstümlichen 
Litteratur besonders im Ausgange des i5. Jahrhunderts 
eine bedeutende Rolle spielt. 

Aus dem Volksmunde stammen, und auf die ärmlichen 
Verhältnisse der Bettelpilger weisen die Santiago-Pilger- 
lieder hin, die Unland in seinen Volksliedern aufgezeichnet 
und allgemein bekannt gemacht hat. Ihre Sprache lässt 
darauf schliessen, dass auch sie in Oberdeutschland an der 
Grenze zwischen dem i5. und 16. Jahrhundert entstanden 
sind. Es fehlt auch in der mittelhochdeutschen ritterlichen 
Dichtung nicht gänzlich an Hinweisen auf Pilgerfahrten, 
die von deutschen Landen aus nach Santiago de Compos- 
tela unternommen worden sind. Volksthümlich im weites- 
ten Sinne aber sind sie in unserem Vaterlande erst im 
Ausgange des i5. Jahrhunderts geworden, und der sicherste 
Beweis dafür ist die ausserordentlich weite Verbreitung, 
welche das Pilgerbuch gefunden hat, welches hiermit neu 
herausgegeben wird. 

Das Büchlein nennt sich «Die Wallfahrt und Strasse 
zu Sant Jakob» und ist nicht mit Unrecht als ein «Bädecker 
für St. Jakobs-Pilger» bezeichnet [worden, denn es enthält 
thatsächlich eine genaue Beschreibung des einzuhaltenden 
Weges. Ein ähnliches Handbuch war schon einmal einige 
Jahrhunderte früher verfasst worden. Unter den fremden 
Wallfahrern, welche für das Heiligthum von Santiago eine 
besondere Bedeutung erlangt haben, spielt der Vlamländer 
Aymeric Picaud eine ganz besondere Rolle. Wie jeder 
Pilger, der sich dem Grabe des Apostels nahte, hatte auch 
Aymeric, als er um das Jahr i 140 mit seiner Begleiterin 
Girberga von Vezelay-le-Vieux nach Galicien pilgerte, ein 
Geschenk auserwählt, um ein dauerndes Andenken an seine 



— 55 — 

Pilgerfahrt zu hinterlassen. Es war dies ein kostbar ge- 
bundenes, reich mit künstlerischen Miniaturen ausgestattetes 
Buch, in welchem die Geschichte des Heiligthums und die 
Wunder des Apostels in 4 Büchern ausführlich beschrieben 
waren. 1 Aus den ersten Büchern haben alle die Hagio- 
graphen geschöpft, die sich mit dem Grabmal des Apostels 
Jakobus eingehender beschäftigt haben, dagegen galt das 
4. (letzte) Buch seit Jahrhunderten für verloren, bis es dem 
unermüdlichen Eifer des Pater Fidel Fita S. J. gelang, 
dasselbe wieder zu entdecken. 2 Dabei hat sich nun heraus- 
gestellt, dass dieser Theil des Codex eine genaue Anweis- 
ung besonders für französische Pilger berechnet, enthielt, 
auf welchen Wegen und in welcher Zeit sie zu dem Grabe 
des Apostels gelangen konnten. Eine weite Verbreitung 
kann allerdings dieser älteste «Bädecker für Santiago» nicht 
gefunden haben, sonst hätte ja der Inhalt des Codex nicht 
bis auf unsere Tage unbekannt bleiben können. Es scheint 
nicht, dass Abschriften oder Nachahmungen davon in 
Frankreich verbreitet gewesen sind, obwohl bekanntlich in 
verschiedenen französischen Städten alte und zahlreiche 
Brüderschaften von Santiago-Pilgern bestanden haben.3 
Interessant aber ist der Umstand, dass schon in diesem 
alten Denkmal vielfach dieselben Orte als Stationen der 
Pilgerreise erwähnt werden, die wir in unserem deutschen 
Wallfahrtsbuche wieder genannt finden, dass also die 
«Strasse zu St. Jakob» thatsächlich seit Jahrhunderten eine 
feststehende gewesen ist. 

Das deutsche Pilgerbuch nennt zwar auf dem Titel in 
keiner der verschiedenen Ausgaben einen Verfasser, es 



1 Ich sehe hier absichtlich von der über die Echtheit der Handschrift 
geführten gelehrten Controverse als unwesentlich für meinen Gegenstand ab. 
Es genügt mir, dass wir es unzweifelhaft mit einer Handschrift des 12. Jhdts. 
zu thun haben. 

* F. Fita et J. Vinson. Le Codex de Saint-Tacques-de-Compostelle. Livre 
IV. Paris 1882. 

3 Vergl. den interessanten Artikel von H. Bordier, La ConfnJrie des p6- 
lerins de S. Jacques in McSmoires de la soc. de l'hist. de Paris. Bd. I, S. 186 ff. 
II, S. 330 ff. 



— 56 — 



beginnt aber in allen übereinstimmend mit den Worten: 

Ich, Hermannus künig von vach 
sein Verfasser war also ein gewisser Hermann Künig oder 

föie ftrafj öno mrilen 

3wfant 3aeob x>$x>nb fninvMüß 

$cttgM% crfaren fitit>|fn 

tnbifemPuc$lüt* 




Titelblatt der Ausgabe Strassburg s. a. 

König. Es giebt eine Reihe von Ortschaften' des Namens 
Vach, sämmtlich • in oberdeutschem Gebiete gelegen, aber 
auch sämmtlich gleichmässig unbedeutend, so dass es schwer 
hält zu entscheiden, welches von ihnen die Heimath un- 



- 5 7 - 

seres Dichters ist. Alle späteren Drucke enthalten über 
seine Person nichts weiter als die erste Zeile ; ausschliess- 
lich die unserer Reproduction zu Grunde gelegte Ausgabe 
enthält nach dem Schlüsse des eigentlichen Werkes die 
weiteren Zeilen : 

Ich Hermannus künig ordens der mergenknecht 

Hab gedieht diss buchelyn recht 

Das dan heist sant Jacobs strass 

Got wolle mich nymmer gesterben lass 

Ich solt dan ewiglichen by im blieben 

Als man schryb M. cccc. vnnd xcv ist ess geschryben 

Vff den tag der heyligen frawen sant Annen 

Gott wolle vns behüten vor den ewigen banden Amen. 
Diese Verse waren insofern eine werthvolle Entdeckung, 
als man bisher nur zwei datierte Abdrucke von dem Pil- 
gerbuche des Hermann Künig kannte, deren einer zu 
Nürnberg bei Jobst Gutknecht im Jahre i520, der andere 
zu Leipzig, ohne Angabe des Druckers im Jahre 1 52 1 ge- 
druckt ist. Nun kannte man zwar noch drei Ausgaben 
— abgesehen von der im Jahre 1 5 1 8 in Braunschweig 
herausgekommenen niederdeutschen Version, wenn anders 
dies nicht etwa ein unabhängiges Erzeugniss ist — denen 
es an einer Datierung gebricht. Die eine von diesen zeigt 
denselben Titelholzschnitt wie die Nürnberger Ausgabe, 
und stimmt auch sonst so weit mit dieser überein, dass 
man sie örtlich und zeitlich in deren Nähe wird bringen 
dürfen. Eine andere dieser undatierten Ausgaben nennt 
wenigstens als Druckort Strassburg, und wenn sie auch 
dialektisch nicht ganz mit der reproducierten Ausgabe 
übereinstimmt, auch der Schlusszeilen entbehrt, so steht 
sie doch von den erwähnten Drucken unbedingt unserer 
Ausgabe am nächsten. 

Dass auch diese nicht allzufern von Strassburg ent- 
standen sein muss, darauf lässt schon die Sprache schliessen. 
Jede der späteren Ausgaben hat die Wortformen ihrem 
Heimathsdialekte angepasst; aber schon als ich die Leip- 



- 58 — 

ziger Ausgabe kennen lernte, auf die ich zuerst durch die 
Güte des Herrn Dr. Hoffmeister in Rostock aufmerksam 



warbeit gan^ etfareru 




Titeblatt der undatierten Nürnberger Ausgabe. 



gemacht wurde, fiel es mir auf, dass die Reime vielfach 
auf eine Vorlage hinwiesen, in welcher Buchlin für Büch- 
lein u. s. w. gestanden haben musste. Unsere Ausgabe 
hat denn auch vollständig diese Vermuthungen bestätigt, 



- 5 9 - 

und zeigt uns einen Lautstand, der auf die Lande unfern 
der schweizerischen Grenze, in Baden oder im Elsass, als 
Heimath des Verfassers hinweist. Unter solchen Umstän- 
den dürfen wir denn auch wohl das erwähnen, dass die, 
in dem von uns reproducierten Texte verwendeten Typen 
mit denen vollkommen übereinzustimmen scheinen, welche 
der Strassburger Drucker Matthias Hupfuff angewendet hat, 
dessen Thätigkeit an diesem Orte sich von 1496 bis über 
das Jahr 1 5oo hinaus verfolgen lässt. 

Nach dem Vorhergesagten glaube ich also die chrono- 
logische Reihenfolge der Ausgaben, die mir bekannt ge- 
worden sind, so aufstellen zu dürfen : 

1. Die reproducierte Ausgabe; unmittelbar nach der 
Abfassung des Gedichtes zu Strassburg von Matthias Hupfuff 

gedruckt. 

2. Die undatierte Strassburger Ausgabe ; vielleicht aus 
derselben Druckerei. 

3. Die undatierte Nürnberger Ausgabe; ich halte diese 
nach Typen und sonstigen typographischen Eigenthümlich- 
keiten für älter als : 

4. Die Ausgabe Nürnberg, Jobst Gutknecht, i52o; und 
endlich: 

5. die Leipziger Ausgabe von i52i. 

Zwischen 2 und 3 oder zwischen 3 und 4 würde ev. 
die niederdeutsche Ausgabe ihren Platz zu finden haben, 
wenn auch sie nur eine Uebertragung von Hermann Künigs 
Buch ist. 

Nach seiner eigenen Angabe war Hermann Künig 
Mönch des Serviten-Ordens, (mergenknecht = Marien- 
knecht, servi b. Mariae,) und dass er als Ordensbruder 
selbst die Wallfahrt zum heiligen Jakob gemacht hat, geht 
aus dem Texte seiner Dichtung deutlich hervor, obwohl 
er in derselben durchaus vermeidet, auf irgend welche 
persönlichen Erfahrungen einzugehen, und sich darauf 
beschränkt, den freundschaftlichen Rathgeber vorzustellen. 
Als Schriftsteller ist er im Uebrigen eine völlig unbe- 



— 6o — 



m (träfe tm& 

tntpktmufant Darob 

aufivnb ein in vc&ttytytQan% trfam 
ftn&eflt* in öyfcm Guc^levrc 




Titelblatt der Ausgabe Leipzig 1521. 



— 6i — 

kannte Persönlichkeit, und das nimmt uns nicht Wun- 
der, wenn wir das Erzeugniss seiner Müsse vom ästhe- 
tischen Standpunkte aus betrachten. Obwohl es in ge- 
reimten vierfüssigen Verszeilen geschrieben ist, thut man 
ihm doch beinahe Unrecht, wenn man es als Dichtung 
bezeichnet, denn sowohl mit den Reimen als den Vers- 
füssen nimmt es der Verfasser sehr wenig genau. Er er- 
weckt die Empfindung, als habe er die Versform über- 
haupt nur desshalb gewählt, um den äusserst spröden, um 
nicht zu sagen langweiligen Stoff in eine Form zu giessen, 
die es erleichtert, ihn im Gedächtniss zu bewahren. Er 
erhebt sich nirgends zu einem poetischeren Schwünge, auch 
nicht in den zahlreich eingestreuten Anrufungen an Gott, 
die Jungfrau und die Heiligen; vielmehr behandelt er seine 
Aufgabe fast formelhaft, indem er gewissenhaft die Ent- 
fernungen von Ort zu Ort, die Wegkreuzungen, die Fluss- 
übergänge und die Gelegenheiten verzeichnet, wo der 
Pilger auf eine freundliche Aufnahme oder auf eine Unter- 
stützung zu seiner Reise rechnen darf. 

Von den Reisevorbereitungen erwähnt unser Autor 
nur die Anrufung Gottes und der heiligen Jungfrau, die 
ihn auf seinem Wege gnädig behüten sollen. Wir wissen 
aber aus anderen Quellen, dass diese nicht ganz so ein- 
fach zu sein pflegten. Die äussere Ausrüstung der Pilger 
mochte allerdings wohl nicht verschieden sein, gleichviel 
welche von den entfernteren Heilthumsstätten aufgesucht 
werden sollten. Das Lied der Jakobsbrüder schildert sie 
folgendermassen 1 : ' 

zwai par schuch der darf er wol 
ein schüssel bei der flaschen 
Ein braiten hut den sol er han 
und an mantel sol er nit gan 



i Uhland, Volkslieder. Bd. 2. S. 798. 



— 62 — 

mit leder wol besezet 

es schnei oder regn oder wähe der wint 

dass in die luft nicht nezet. 

Sack und stab ist auch darbei etc. 



Auch Hermannus Künig gedenkt gelegentlich dieser 
unentbehrlichen Ausrüstungsstücke, nämlich da, wo er den 
Pilger ermahnt, sich wohl vorzusehen, damit ihn nicht 
Noth und Tod überraschen in den öden Strecken zwischen 
Capetang und Cabezac und dann besonders in der «Bar- 
deweschen Haide» d. h. den Landes. Hier ist es auch, 
wo er auf die zahlreichen Pilgergräber hinweist, die man 
entlang der Pilgerstrasse und besonders in ihren unwirk- 
licheren Theilen rindet. Die Möglichkeit eines plötzlichen 
Todes bildet denn auch fast überall einen Gegenstand der 
Erwägung für diejenigen, die sich zur Wallfahrt rüsteten. 
Wer den Seinen etwas zu hinterlassen hatte, machte sich 
nicht leicht auf den Weg, ohne zuvor sein Haus zu be- 
stellen. Aber auch damit waren die üblichen Reisevox - - 
bereitungen nicht abgeschlossen. Einen wesentlichen Ge- 
genstand derselben bildete die Frage der Beichte. Da der 
Pilger einen grossen Theil der Reise durch Länder zurück- 
zulegen hatte, wo man seine Sprache so wenig verstand, 
als er diejenige des Landes, genügte es für ihn noch 
nicht, dass ihm sein Beichtvater die Erlaubniss gab, an 
beliebiger anderer Stätte die Vergebung seiner Sünden nach- 
zusuchen ; er bedurfte dazu noch der Ermächtigung, so 
lange sein Unrecht überhaupt ungebeichtet mit sich herum 
zu tragen, bis er einen Beichtvater fand, der seine Sprache 
verstand. Für die deutschen Pilger war dies, wenn sie 
die Schweiz verlassen hatten, meist erst wieder zu Santiago 
der Fall. An diesem internationalen Wallfahrtsorte fehlte 
es selten an einem Beichtiger, der auch des Deutschen so- 
weit mächtig war, um neben der General-Absolution, wie 
sie für die Wallfahrer durch den Besuch der heiligen Stätte 



— 63 — 

erlangt wurde, sie auch im Einzelnen von den Bekümmer- 
nissen loszusprechen, die sie drücken mochten. 

Der von dem Beichtvater ausgestellte Wallfahrtsbrief 
enthielt gemeiniglich zugleich eine Empfehlung des Pilgers 
an alle geistlichen Stätten, bei denen er vorsprechen würde. 
Für den gemeinen Mann war dies wohl der einzige «Fürder- 
brief», den er mit auf seine Reise nehmen konnte ; wer aber 
irgend Beziehungen zu einem hohen Magistrate oder zu 
geistlichen und weltlichen Fürsten hatte, der verfehlte nicht 
leicht, sich noch besonders durch diese an die entsprechen- 
den gesellschatflichen Kategorien der Länder und Staaten 
empfehlen zu lassen, die auf der Fahrt berührt werden 
sollten. Wie dann solche Empfehlungen von Etappe zu 
Etappe weiter gegeben wurden, ist in einzelnen Fällen 
schon erwähnt worden. 

Nach der kurzen Einleitung geht Hermannus dazu 
über, die «Strasse» selbst zu beschreiben. 

Dass er die Eintheilung der Reise erst jenseits der deut- 
schen Grenzen zu berichten beginnt, kann uns bei ihm, 
der der Grenze so nahe lebte, am wenigsten verwundern; 
übrigens theilt seine Darstellung diese Eigenthümlichkeit 
mit fast allen anderen Berichten über Santiagofahrten, die 
in der unmittelbaren Nähe der Heimath meist ganz von 
Angabe der Etappen absehen, diese nur in grösseren Ab- 
schnitten angeben, so lange die Reise sich in einigermassen 
bekannten Bahnen bewegt, aber ganz ins Einzelne die Tage- 
reisen und oft noch die passierten Ortschaften nennen, 
wenn sie in die fernen, wenig bekannten südfranzösischen 
und spanischen Gegenden kommen, in die eigentlich so- 
genannte Pilgerstrasse einmünden. 

Unser Autor schickt seine Pilger zunächst zu Unsrer 
Lieben Frauen von Einsiedeln. Diese Wallfahrtsstätte 
wurde vielfach zum Ausgangspunkt der Pilgerfahrten ge- 
nommen. Auch Sebald Rieter hat seine Wallfahrt dort 
begonnen, und ein Gleiches wissen wir von einigen spä- 
teren Santiago-Pilgern. Von da geht die Reise über Luzern 



- 64 - 

— dessen lange Brücke erwähnt wird — um den Pilatus 
herum, den der Autor irrthümlicher Weise rechts liegen 
lüsst. Damit käme er aber auf den Brünig zu, statt, wie 
er weiterhin angiebt, über Bern nach Freiburg, Romont, 
Lausanne. Selten unterlässt es der Dichter, der Reliquien 
zu gedenken, die in den von der Reise berührten Ortschaf- 
ten verehrt werden ; aber ebenso gewissenhaft registriert er 
die Uebergänge über die Landesgrenzen, mit ihren unver- 
meidlichen Zollscherereien. Der erste solche Punkt liegt 
zwischen Morsel uud Rol, wo er aus eidgenössischen 
Landen auf savoyisches Gebiet übertritt. Bis nach Genf 
nennt er die Städte Neuss, Coppet, Wase (?). In Genf em- 
fiehlt er dem Reisenden besonders das deutsche Wirths- 
haus des Peter von Freiburg, welches vorwiegend eine 
Herberge für die Jakobsbrüder gewesen zu sein scheint: 
das Bild des Heiligen ziert die Wirthsstube und dessen Ka- 
pelle steht gleich daneben. Diese Empfehlung findet sich 
übrigens mit denselben Worten auch in allen späteren 
Ausgaben , obwohl es mindestens doch recht zweifelhaft 
erscheinen muss, ob der biedere Peter von Freiburg noch 
immer Herbergsvater war, 25 Jahre nachdem Hermann 
Künig bei ihm eingekehrt war. 

So hat der Verfasser öfter einmal in sein Itinerar 
Bemerkungen eingestreut, die beweisen, dass er mit 
offenen Augen gereist ist. Nachdem er Rumilly pas- 
siert hat, kommt er nach Aix-les-Bains, dessen Wildbad 
er nicht übergeht ; weiter über Chambery, Les Echelles 
und Voiron nach Arbons, wo er der Kamm-Fabrikation 
gedenkt; endlich über Vinay und St. Marcellin nach St. 
Antoine de Piedmont, wo die zweite Landesgrenze erreicht 
wird zwischen Savoyen und Frankreich. Hier ist abermals 
ein deutscher Gastwirth angesessen, dessen Hülfe beson- 
ders bei dem Geldwechseln anempfohlen wird, um sich 
gegen die Bübereien der Welschen zu schützen. In Saint 
Antoine sind die ersten ioo Meilen von Einsiedeln aus 
überwunden. 



— 65 — 

Weiter geht der Weg das Thal der Isere hinunter über 
Romans nachValence und folgt der Rhone auf dem linken Ufer 
über Livron — er empfiehlt die dortige Fähre zu vermeiden, 
wegen ihrer Kostspieligkeit — Loriol, Montelimar, Chateau- 
neuf du Rhone, Donzere, Pierrelatte, La Palude zum 
Pont Saint Esprit, über dessen steinerne Brücke man ohne 
Zoll zu zahlen gehen kann. Bis Nismes nennt er weitere 
6 Stationen: Trebis (?) Bagnols, Le Pin, Valabris, und 
Uzes. 

Hier gedenkt er zum zweiten Male eines für die Pil- 
ger zugänglichen Hospitals, — das erste erwähnt er in 
Romans, — und wir ersehen auch aus dem alten Codex 
des Aymeric Picaud, dass der Verfasser sich auf der ersten, 
der vier dort erwähnten französischen Pilgerstrassen be- 
wegt. Von Uzes aus geht der Weg über die Berge, auf 
schlechten Pfaden, — man soll sich zuvor die Schuh 
flicken lassen, räth er — nach Nismes ; neben dem schie- 
fen Thurm gedenkt er besonders des dortigen Augustiner- 
Klosters, wo der Pilger auf eine Gabe rechnen kann. Da- 
gegen ist in Montpellier, das auf dem Umwege über Aigues 
Mortes erreicht wird, schlecht für die Wallfahrer ge- 
sorgt. Es giebt zwar auch dort ein Hospital für die Pilger, 
allein der «Spittelmeister» ist ein geschworener Feind der 
Deutschen und nach seinem Beispiele lassen es sich auch 
die Kapunen, die Welschen, angelegen sein, die armen 
Pilger zu verhöhnen. 

Darnach geht es weiter über Gigeau, Loupian, und 
St. Thibery nach Bezleres, dort über den Orb nach Cape- 
stang; von hier aber beginnt die Einöde. Bis Cabezac 
findet man auf 8 Meilen nur ein Paar ärmliche Wirths- 
häuser, und auf Mildthätigkeit darf der Wallfahrer in ihnen 
nicht rechnen. Erst von Ulmes (?) führt die Strasse wieder 
durch dichter bevölkerte Gegenden, an Marseillette und 
Trebes vorbei nach Carcassone, wo wieder einmal ein 
Hospital den Pilger aufnimmt. Von Carcassone, oder rich- 
tiger schon von Marseillette an folgt die Pilgerstrasse, wie 

5 



— 66 — 

Künig sie beschreibt, der Bodensenkung, die nachmals 
zur Anlage des Canal du midi benutzt worden ist. Sie be- 
rührt die Orte Villepinte, Villefranche, Castelnaudary — 
die Knoblauchstadt zubenannt, mit einem Pilger-Hospital 
— Armeto (?), Fasesio (?), Montgiscard, Castanet — aber- 
mals mit einem Spital — und mündet endlich in Toulouse. 
Toulouse war mit seinen vielen Reliquien selbst eine 
Wallfahrtsstadt und für den Santiago-Pilger desshalb von 
besonderem Interesse, weil es gleichfalls den Anspruch er- 
hob, unter den Reliquien von 6 Aposteln die Gebeine des 
heiligen Jakobus zu besitzen. Es herrschte eine bittere 
Eifersucht in dieser Beziehung zwischen Toulouse und 
Santiago, erbitteter aber noch an letzterer Stätte als in 
der französischen Stadt. Davon erzählt uns ein anderer 
deutscher Wallfahrer eine erbauliche Geschichte. Arnold 
von Harff erlaubte sich zu Santiago gegenüber seinem 
Führer unter Berufung auf das, was ihm in Toulouse ge- 
zeigt worden war, Zweifel daran zu äussern, dass die Ge- 
beine des heiligen Jakob vollständig daselbst vorhanden 
seien, und bat desshalb, dass ihm dieselben gezeigt wer- 
den möchten. Er erreichte aber seine Absicht keineswegs, 
sondern der Führer wies ihn mit der Behauptung ab, dass 
derjenige, welcher den Leib des Apostels erblicke ohne 
voll von gläubiger Ueberzeugung durchdrungen zu sein, 
unrettbar einem rasenden Wahnsinn anheimfalle, von dem 
es keine Heilung gebe. 

Von da an werden die Pilger-Hospitale immer zahl- 
reicher ; Künig kritisiert sie bald als gut, bald als schlecht; 
es findet sich aber fast alle Tagereisen weit ein solches 
und manchmal sogar mehrere an einem Orte. Die Pilger- 
strasse geht jetzt bergauf und bergab über die zahlreichen 
Zuflüsse der Garonne und des Adour, die von den Pyre- 
näen herabkommen, und berührt nach einander L'Isle 
Jourdain, Gimont, Aubiel, Auch, Barran, Isle de Noe, 
Montesquiou, Marsiac und Maubourget. Von da an geht 
der Weg durch das berüchtigte «Armer-Jacken-Land», 



- 67 - 

(Armagnac), das erst bei Roncevalles sein Ende findet. 
Gleich hinter Maubourget kommt man in ein Dorf, das 
dem Verfasser wegen seiner umfänglichen Töpfer-Industrie 
bemerkenswert!! erscheint ; den Namen nennt er nicht, 
es ist wohl Nouilhan gemeint. Auch hier muss man viel 
Berge auf- und absteigen, und Gebirge, Wald und Haide, 
einsam und beschwerlich, trennen von jetzt ab alle die 
einzelnen Rastpunkte : Morlaas, Arthez, Orthez, Sauve- 
terre, Saint Palais und S. Jean Pied-de-Port. Hinter 
Sauveterre betritt der Pilger den Boden von Navarra, und 
muss natürlich Zoll geben und sein Geld verwechseln. 
Weiterhin findet er wiederholt nur einzelne Klöster oder 
Spitäler, allenfalls ein Wirthshaus zwischen den weit von 
einander entfernt gelegenen Ortschaften. Von S. Jean steigt 
die Strasse den eigentlichen Pyrenäenpass hinauf — ein 
Dörfchen, in welchem Schuhnägel fabriziert werden, bie- 
tet eine passende Gelegenheit, das Schuhwerk für die 
Bergwanderung zuzurüsten — auf dessen Höhe das Klo- 
ster Roncevalles liegt. Von da bis Pampelona geht es 
wieder 6 Meilen bergab, und nur ein einziges Hospiz 
bietet dem Pilger auf dem weiten Wege eine Zuflucht. 

In Pampelona hält der König von Navarra Hof; den 
Text unseres Autors könnte man so verstehen, als seien 
die königliche Residenzstadt und Pampelona zwei ver- 
schiedene Orte; aber die Angaben, die er über die Hospi- 
täler macht, lassen erkennen, dass es nur eine durch den 
Reim hervorgerufene Unbeholfenheit des Ausdrucks ist, 
welche die missverständliche Auslegung ermöglicht. An 
wohlthätigen Stiftungen ist hier kein Mangel; bei der 
Domkirche werden 12 Pilger beköstigt; bei Unsrer Lieben 
Frauen und bei S. Maria Magdalena sind zwei Hospitale, 
vor und hinter der Stadt in geringer Entfernung liegen 
weitere zwei, und ein drittes auf halbem Wege nach 
Puente Reina. 

An diesem Punkte vereinigen sich, nach dem Itinerar 
des Aymeric Picaud die vier französischen Pilgerstrassen, 



— 68 — 

von denen die unsere die erste ist, und mit geringfügigen 
Abweichungen stimmen von hier bis Santiago alle uns 
überlieferten Reiseberichte überein. Das erklärt sich 
sehr einfach dadurch, dass die Herrscher der spanischen 
Königreiche schon seit dem 12. Jahrhundert, wenn nicht 
noch früher, längs dieser Strasse Vorkehrungen für die 
Unterkunft der Wallfahrer zu treffen und für Unter- 
haltung der Strasse selbst zu sorgen begonnen hatten. Die 
Strasse ist übrigens noch bei weitem älter, denn sie folgt 
genau der alten Römerstrasse, deren Reste an verschie- 
denen Stellen wieder aufgedeckt worden sind.i 

Eine auffallende Eigenthümlichkeit unsres Pilgerbuches 
ist es, dass es auf spanischem Boden wesentlich sparsamer 
ist mit Angabe der Stationen, die, so lange sich die 
Reise durch Südfrankreich bewegte, selten mehr als 2—3 
Meilen von einander entfernt waren. Dass sich darin eine 
vergleichsweise erheblich dünnere Bevölkerung dieser Lan- 
destheile wiederspiegelt, wird nicht in Abrede gestellt 
werden können, obgleich der Verfasser nur selten Anlass 
nimmt, über Einsamkeit und Oede zu klagen. Dass that- 
sächlich eine bei weitem grössere Zahl von Ortschaften am 
Wege zu finden war, das erhellt aus den Aufzeichnungen 
des Arnold von Harff, der nur wenige Jahre später als 
unser Autor — und ich vermuthe mit Hülfe von dessen 
Anweisungen — die Pilgerfahrt nach Santiago grössten- 
teils auf denselben Wegen unternommen hat, gelegentlich 
aber zwischen den einzelnen von Hermann Künig erwähn- 
ten Stationen 3 — 4 und noch mehr Ortschaften ver- 
zeichnet. 

Charakteristisch an den weiteren Anweisungen ist es 
auch, dass Künig vielfach die Stellen erwähnt, wo der 
Pilger Wasser findet. Man erkennt daraus, dass die Dürre, 
welche heute so weite Strecken Spaniens charakterisiert, 



1 F. Fita et A. Fernandez Guerra. Recuerdos de un viaje ä Santiago. S. 28 f. 



- 69 - 

schon zu Ausgang des i5. Jahrhunderts auffallend war, 
also keineswegs erst einer neuzeitlichen Misswirthschaft 
ihren Ursprung verdankt. Man kann sogar noch weiter 
damit in die Vergangenheit zurückreichen. Das Itinerar 
des Aymeric Picaud aus dem 12. Jahrhundert widmet 
schon den Wasserverhältnissen der Pilgerstrasse ein be- 
sonderes Kapitel, worin neben den zu überschreitenden 
Flüssen auch den gesundheitlichen Eigenschaften dieser 
und der am Wege gelegenen Quellen besondere Beachtung 
geschenkt wird. 1 

Von Puente Reina geht die Pilgerstrasse über Los 
Arcos — das als Juden-Stadt nur von Künig bezeichnet 
wird — und Viana nach Logrono, der ersten Stadt im 
Herrscherbereiche des Königs von Kastilien, berühmt durch 
seine alte Brücke über den Ebro. Das Pilgerbuch gedenkt 
auch an dieser Stelle nur des Wechsels der Münze ; alle 
anderen Reiseberichte aber unterlassen nicht, auf die Zoll- 
scherereien hinzuweisen, denen der Reisende dort unter- 
worfen war. Die einzelnen Provinzen Spaniens waren auch 
dann noch, als durch die Ehe Ferdinands des Katholischen 
von Aragon mit Isabella von Kastilien die Union der spani- 
schen Königreiche zur Thatsache geworden war, durch 
Zollschranken von einander getrennt, und der Verkehr von 
Land zu Land war auf die bezeichnender Weise «puertos 
secos, trockne Häfen», genannten Uebergangsstellen be- 
schränkt. Die Zölle auf Handelsartikel berührten natürlich 
den Pilger nicht; er musste jedoch auch von seinem Baar- 
gelde zollen. Vor allem aber durfte er nicht vergessen, an 
der Eingangstelle seine Pferde genau aufnehmen zu lassen, 
und sich eine Bescheinigung über deren Einfuhr zu ver- 
schaffen, denn nur auf Grund einer solchen war es ihm 
gestattet, dieselben an dieser oder einer beliebigen anderen 
Zollstelle wieder ausser Landes mitzunehmen. 



» Fita et Vinson. 1. c. S. 8 ff. 



— 7 o — 

Die noch heute gangbare Strasse geht von Logroiio 
über Navarrete und Najera nach San Domingo de la 
Calzada, einer der ältesten Raststätten der Jakobsstrasse, 
von der es seinen Namen erhalten haben soll. Es ist 
der Schauplatz des auch in den Jakobsliedern besungenen 
Wunders von den gebratenen Hühnern, die vom Brat- 
spiesse weg in die Kirche geflogen sind, wo ihre Nachkom- 
men noch immer gepflegt und jedem Pilger gezeigt wurden. 
Von da nach Burgos berührt der Pilger die Orte Granon, 
Redecilla del Campo, Belorato und Villafranca, fast alle 
mit Pilgerherbergen ausgestattet, deren Burgos sogar 32 
aufweisen soll. Das lässt sich verstehen, wenn man be- 
denkt, dass die Stadt vielfach königliche Residenz, dass 
sie das Centrum für den spanischen Handel nach dem 
Norden Europas — Bretagne, Flandern, England, Deutsch- 
land — war, und dass bereits Alfons III. im 10. Jahrhundert 
das erste Hospital für die Wallfahrer dasselbst begründet 
haben soll. Künig gedenkt nur flüchtig der Geschichte vom 
Spittelmeister, der Hunderte von Pilgern vergiftet haben 
sollte, ehe er an der zu den Sehenswürdigkeiten der Stadt 
gehörenden Martersäule durch Pfeilschüsse hingerichtet 
wurde, eine Form der Justiz, die im Norden von Spanien 
noch zu Ende des i5. Jahrhunderts in Brauch war, und 
von verschiedenen Wallfahrern, Rozmital, Harff, erwähnt 
wird. Wer zu Pferde reiste hatte in Burgos abermals Ge- 
schäfte zu erledigen, deren zu gedenken das Pilgerbuch 
nicht für nöthig befand. Da die Wege weiterhin vielfach 
beschwerlich, steil und steinig waren, so pflegten die be- 
rittenen Santiago-Fahrer ihre Pferde in Burgos zurückzu- 
lassen, und sie gegen Maulthiere zu vertauschen. Nikolaus 
von Popplau, der von der Seeseite nach Santiago kam, 
erzählt uns eingehend, welche Schwierigkeiten ihm sein 
Pferd bereitete, das er dort mit einem Maulthiere nicht 
vertauschen konnte. Die sicher gehenden, an die landes- 
üblichen Wege gewöhnten Maulthiere haben den Pilgern 
ausnahmslos die besten Dienste geleistet, und wurden auf 



— 7* — 

dem Rückwege in Burgos wieder gegen die Rosse ver- 
tauscht. Das war ein Geschäftszweig, den die Pilgerstrasse 
nährte, wie manchen anderen. 

Von Burgos nach Leon sind die Angaben unseres 
Autors ganz besonders dürftig, er gedenkt zwar zahlreicher 
Hospize und anderer Stätten, an denen der Wallfahrer auf 
Unterstützung rechnen kann; mit Namen nennt er aber 
nur die Orte: Fromista, Carrion (de los Condes), Saha- 
gun und Mansilla (de las Mulas). Harff hat, indem er den- 
selben Weg beschreibt, nicht weniger als zwanzig Orts- 
angaben, ein Beweis, dass es nicht auschliesslich der Mangel 
an Wohnstätten ist, was Künig's dürftige Angaben begründet. 

Von Leon nach Ponferrada weicht unser Autor, an- 
geblich weil der Weg minder beschwerlich sei, von der 
gewöhnlichen Pilgerstrasse ab, die über Puente d'Orbigo 
und Astorga allerdings in einem starken Bogen dahin führt. 
Obwohl er zunächst sehr klar die Wegscheide charakterisiert, 
sind doch seine weiteren Angaben — sie beschränken sich 
auf die Orte Santa Marina und Ravanal — so dürftig, dass 
man den heute nicht mehr gangbaren Weg kaum mit voller 
Sicherheit erkennen kann. Von da an geht es aber wieder 
auf der alten wohlbekannten Strasse, die jenseits Cacabelos 
und Villafranca den in allen Pilgerliedern und Reisebe- 
richten erwähnten Allefaber oder Malefaber, die Wasser- 
scheide des Cantabrischen Gebirges, überschreitet. Wenn er 
empfiehlt, den Allefaber ebenfalls links liegen zu lassen, um 
den beschwerlichen Aufstieg zu vermeiden, so ist dies nicht 
recht zu verstehen, denn der Gebirgskamm bietet nördlich 
von der Strasse ebensowenig bequemere Pässe ; auch zeigt 
die nächste von Künig erwähnte Station, Lugo, dass seine 
Schilderung der Strasse selbst, und nicht dem von vielen 
Pilgern eingeschlagenen direkt westlichen, kürzeren Wege 
über Triacastela und Sarria folgt. Aber auch hier sind 
seine Angaben entschieden dürftig und werden nicht aus- 
führlicher bis Santiago, denn auf der Strecke von iS 
Meilen erwähnt er nur das einzige Villarumpeta. 



7 2 — 



Wer aber nun erwartet, wenigstens eine eingehende 
Schilderung der Wallfahrtsstätte zu finden, der wird aber- 
mals enttäuscht. Künig erwähnt den aus der ältesten Zeit 
herrührenden Brauch, dass jeder Pilger einen Stein den 
Berg vor der Stadt hinaufträgt, und einem gewaltigen 
Haufen hinzufügt, den seine Vorgänger dort angesammelt. 
Aber dessen Bedeutung ist zu seiner Zeit längst vergessen. 
Er stammt aus der Zeit des 12. Jahrhunderts, wo der 
Compostellaner Erzbischof Diego Gelmirez die Hülfe der 
Wallfahrer sich zu Nutze machte, und sie durch die Ver- 
heissung eines besonderen Ablasses vermochte, bei dem 
streckenweisen Transporte der Werkstücke zum Bau der 
neuen Kathedrale mitzuhelfen. Im Uebrigen giebt der 
Dichter nur mit kurzen Worten der Befriedigung Ausdruck 
über die glückliche Erreichung seines Zieles, und unter- 
bricht mit einem Amen den Gang seiner Darstellung. 

Andere Pilger haben uns ausführlicher geschildert, 
was es da zu sehen gab. Alle bewundern sie den majestäti- 
schen Bau des von Gelmirez errichteten Domes; wenige 
von ihnen haben ihn aber unter so eigenthümlichen Um- 
ständen kennen gelernt, wie Rozmital und seine Begleiter. 
Im letzten Drittel des i5. Jahrhunderts brachen wieder- 
holt zwischen der Bürgerschaft von Santiago und dem 
Erzbischofe blutige Fehden aus, die den Frieden der hei- 
ligen Stätte störten. Eine solche wurde gerade ausge- 
fochten, als der böhmische Ritter mit seinen Begleitern 
heranzog; der Erzbischof war in die Gewalt der Städtischen 
gefallen, und seine Waffenträger waren aus dem grössten 
Theile der Stadt verdrängt ; nur die Kathedrale war noch in 
ihren Händen, und wurde von der Mutter und dem Bru- 
der des Gefangenen auf das Aeusserste vertheidigt. Den- 
noch erhielten nach einigem Parlamentieren die fremden 
Pilger durch die Reihen beider Kriegerschaaren hindurch 
Zutritt zu dem Heiligthum. Man legte ihnen besonders 
schwere Bedingungen auf, indem man ihnen zumuthete, 
barhäuptig und barfüssig an der heiligen Stätte zu erschei- 



- 73 - 

nen. Der Kontrast mit ihrer Umgebung wurde so doppelt 
fühlbar; denn in den mächtigen Wölbungen des Domes 
hallte das Gewieher der Pferde wieder, die dort von den 
Anhängern des Erzbischofs installiert worden waren, und 
der grösste Theil des Gebäudes glich mehr dem wüsten 
Feldlager des Kriegers, als der geweihten Grabstätte des 
Heiligen. 

Die Gebeine des Apostels ruhten in einer unterirdi- 
schen Krypta unter dem Hauptaltare; welche Schwierig- 
keiten dem bereitet wurden, der dort eindringen wollte, 
ist schon erwähnt worden. Ueber dem Altare erhob sich 
ein hölzernes Standbild des Heiligen, das reich bekleidet 
und mit einer schweren silbernen Krone geschmückt war. 
Gegen klingendes Entgelt durften die Andächtigen hinter 
dem Standbild emporsteigen, und sich die Krone aufsetzen. 
Verschiedene Pilger gedenken des Brauches, dass die Wall- 
fahrer aus edlem Geschlechte ihre Wappen im Chor der 
Kirche aufhängen Hessen. Natürlich wurde auch daraus 
ein Geschäft gemacht: ein Maler war da, der sich erbot, 
das Wappen in der üblichen Form herzustellen. 

Das verbreitetste Symbol des heiligen Jakob von Com- 
postela waren die Muscheln. In der ältesten Zeit mögen 
wohl die Pilger selbst sie am Strande des nahen Meeres 
aufgelesen, und als Zeichen der vollbrachten Wallfahrt 
mit heimgenommen haben. Im i5. Jahrhundert war es 
den Wallfahrern bequemer gemacht worden : vor den Tho- 
ren der Kathedrale sassen die Händler, die Berge von 
Muscheln auf ihren, Tischen vor sich ausgebreitet hatten. 
Je nach seinem Vermögen konnte dort der Pilger eine 
einzelne einfache Muschel zur Zierde seines Pilgerhutes, 
oder eine ganze Garnitur zum Schmucke seines Gewandes 
kaufen, und die reichen und edlen Herren begnügten sich 
nicht mit den unscheinbaren Muscheln, die das Meer aus- 
wirft, sondern sie Hessen sie in Silber und Gold nach- 
bilden, um sie an ihrem ritterlichen Wamse anzubringen. 

Bald dies bald jenes Heiligthum Santiago's wird ge- 



- 74 — 

legentlich von anderen Wallfahrern erwähnt. Es fehlte 
aber auch nicht an einem Hülfsmittel, sich über deren 
Gesammtheit rasch zu orientieren. Zur Zeit, als Hermann 
Künig seinen gedruckten Wegweiser für die Santiago- 
Pilger veröffentlichte, war die Druckerkunst auch in Spanien 
schon weit verbreitet, und obwohl man bisher nicht ver- 
mocht hat, ein in Santiago gedrucktes Buch aufzufinden, 
wissen wir doch aus urkundlichen Quellen, dass der Erz- 
bischof schon im Jahre 1483 von den wenig bekannten 
Meistern Juan de Bobadilla und Alvaro de Castro ein 
Breviarium Compostellanum in einer Auflage von 120 
Exemplaren drucken Hess. Eine zweite grössere Auflage 
ist 1497 von Nicolaus de Saxonia nach dem alten Drucke 
hergestellt worden ; während aber die erstere vermuthlich 
in Santiago selbst gedruckt wurde, ist die zweite in Lissabon 
gemacht, wo Nicolaus Ritualbücher für verschiedene Kirchen 
hergestellt hat. l 

Die Kunst des Buchdrucks ist aber auch unmittelbar 
in den Dienst des Heiligthums von Santiago gestellt wor- 
den. In dem Hauptstaatsarchive von Spanien zu Simancas 
wird das vermuthlich einzige Exemplar eines Ein-Blatt- 
Druckes 2 aufbewahrt, der die Unterschrift trägt: Gundisal- 
vus de la passera natione astur. Das ist nun nicht etwa der 
Name des Autors oder eines Geistlichen von Santiago, der 
die Richtigkeit der Angaben bescheinigt, sondern der Name 
eines Buchdruckers, von dem wir zwar bisher nur wussten, 
dass er im Jahre 1494 ein Missale für die Kirche von 
Orense (Auriense) in Gesellschaft eines bekannteren Buch- 
händlers von Salamanca, Juan de Porras, herausgegeben 
hat; von dem wir aber nunmehr annehmen dürfen, dass 
er nachmals in die Dienste der Kathedrale getreten ist, 
um deren Bedarf an Ablässen und Heilthumsbriefen zu 
drucken. Das kann leicht durch die Vermittelung des 



1 Lopez Ferreiro, Galicia. en el ultimo tercio del siglo XV. S. 464 ff. 
* Patronato Real.-Jubileos y gracias sueltas. leg. 2. fol. 48. 



- 75 - 

Porras geschehen sein, denn auch dieser bemühte sich um 
Druckaufträge von Erzbischof und Kapitel, für die er 
1495/96 ein Missale Compostellanum gedruckt hat, das 
leider gleichfalls völlig verschwunden ist, trotz einer Auflage 
von 700 Exemplaren. 

Der Heilthumsbrief entbehrt allerdings der reichen 
künstlerischen Ausstattung, durch welche alte deutsche 
Druckerzeugnisse ähnlicher Art, wie der von Wittenberg, 
berühmt sind. Er enthält vielmehr nur zwei Verzeichnisse 
deren erstes unter der Ueberschrift : «He sunt reliquie que 
habentur in hac sanctissima ecclesia compostellana in qua 
corpus beati jacobi zebedei in integrum» 39 Reliquien auf- 
zählt, von den Gebeinen des Apostels Jakobus bis zu den 
extra muros verwahrten der Märtyrerin Santa Susanna, 
während das zweite Auskunft ertheilt über die Ablässe, 
welche durch die Anbetung der Heiligthümer Santiago's 
erworben werden konnten. Daran schliesst sich der Ver- 
merk, dass die Kathedral-Kirche im Jahr 1084 (in era 
millessima centessima decima sexta) zu bauen begonnen 
und in 44 Jahren vollendet worden ist. 

Jedenfalls ist dieses Blatt, ähnlich wie die «Führer» 
heutzutage, vor den Thoren der Kathedrale den Pilgern 
feilgeboten worden; es kann wohl den Anspruch erheben, 
eine Ergänzung zu unserem Wallfahrtsbuche zu bilden, 
und ist jedenfalls das authentischste und vollkommenste 
Verzeichniss dessen, was unsere pilgernden Landsleute seiner 
Zeit in Compostela bewundert haben. 

Noch ein anderer Name erscheint in den Wallfahrts- 
berichten seit der ältesten Zeit auf das Engste mit dem- 
jenigen von Santiago verknüpft. Das ist der «Finstre 
Stern». So bezeichnete nämlich der Volksmund das vier 
Meilen von Santiago gelegene, wegen seiner imposanten 
Brandung von den Wallfahrern ebenso bewunderte wie von 
den Seeleuten gefürchtete Cap Finisterrae, das Ende der 
Welt. Mit der Santiago-Legende hat es ursprünglich sicher 
nichts zu thun gehabt, denn die Auffindung der heiligen Ge- 



_ 7 6 - 

beine war angeblich an einer Stelle erfolgt, die von San- 
tiago ungefähr ebenso weit nach Süden gelegen ist, wie 
das Kap nach Westen. Aber die häufigen Besuche von 
Pilgern hatten erst zur Begründung eines Klosters in dessen 
Nähe Anlass gegeben, und dann bemächtigte sich die Le- 
gende auch dieses Platzes : sie zeigte die Fussstapfen des 
Apostels, einen von ihm gegrabenen Brunnen, einen Sitz 
von welchem er mit den Aposteln Johannes und Petrus 
dem Rauschen des Meeres gelauscht haben sollte ; endlich 
die sogen, barca de S. Maria, einen enormen Steinblock, 
der so künstlich auf seiner Unterlage lag, dass ihn ein 
Kind in Bewegung setzen konnte, obwohl er viele Zent- 
ner wog. 

Welchem Zwecke dies steinerne Schiff gedient haben 
sollte, vermag ich nicht zu sagen ; entstanden war die Le- 
gende vermuthlich im Anschluss an das steinerne Schiff, 
welches den Leichnam des Apostels nach Spanien gebracht 
haben sollte, und in El Padron, der ältesten Ruhestätte 
der heiligen Gebeine so lange gezeigt wurde, bis die Neu- 
gierde und Reliquiensucht der Pilger den Anlass gab, dass es 
am Strande wieder in das Wasser versenkt wurde, um es vor 
dem Schicksale zu schützen, aus lauter Frömmigkeit in 
kleine Splitter zerschlagen zu werden. Auch hier war ein 
Jakobsbrunnen, ein Felsensitz und andere heilige Plätze, 
die nicht nur mit der Ueberführung der Gebeine, sondern 
auch mit der Predigt des Apostels bei Lebzeiten in Ver- 
bindung gebracht wurden. 

Alle diese Plätze wurden fast von jedem Wallfahrer 
von Santiago aus aufgesucht, ehe er daran dachte, den 
Heimweg wieder anzutreten. Hermann Künig schilderte 
auf der Fahrt nach Santiago das, was man im Volksmunde 
als die obere Strasse bezeichnete, weil sie von Oberdeutsch- 
land ausging und in ihrem Anfang entlang des Gebirges 
der Alpen lief. Auf dem Rückwege führt er seinen Pilger 
dagegen auf der sogenannten Niederstrassen. Wenn er 
dieselbe auch wahrscheinlich aus eigener Erfahrung kennen 



— 77 — 

gelernt hat, so hat er sich doch nicht die Mühe genom- 
men, sie auch nur soweit genau zu beschreiben, als er 
dies mit der spanischen Jakobsstrasse gethan hatte. Jenseits 
der Pyrenäen war der Weg bis in die unmittelbare Nähe 
der Gebirgspässe der gleiche ; nur wer über den Pforten- 
berg — die Route Irun-Hendaye — zurückging, wich schon 
in Burgos von dem zuvor beschriebenen Wege links ab, 
und die Wegscheide wird hinreichend charakterisiert. Der 
Verfasser weist uns die Strasse über Pampelona nach 
Bayonne, aber so summarisch, dass er für die ganze Strecke 
nicht eine Ortsangabe macht, ausser dem Pass der Niclaus- 
P forte. 

Von Bayonne nach Bordeaux, durch die Landes, 
der Verfasser nennt sie die Bardewesche Haide, war der 
schlimmste Theil der ganzen Reise. Man konnte ihn auf 
zwei Wegen zurücklegen : durch die kleine Haide, wobei 
Dax berührt wurde, war wohl der betretenere Weg; da 
es aber an Vorkehrungen für die Jakobspilger fehlte, war 
die Bevölkerung des Almosengebens überdrüssig und den 
Wallfahrern feindlich. Er empfiehlt desshalb selbst die 
grosse Haide zu gehen, eine 36 Meilen weite Einsamkeit, 
in der mancher .Pilger ein unerwartetes Grab am Wege 
fand; in ihrem letzten Theile aber war sie wieder reich- 
licher mit Pilgerherbergen ausgestattet. Auch in Bordeaux 
war durch öffentliche Anstalten und in Bezug auf private 
Wohltätigkeit gut für die Jakobsbrüder gesorgt. 

Aus Sparsamkeit räth Künig nicht in Bordeaux über 
die Garonne zu setzei), sondern den Fluss bis Blaye hin- 
abzufahren, und dann der Strasse über Pons, Saintes und 
Lusignan nach Poitiers, Chatellerault und Tours zu fol- 
gen. Dort theilen sich wieder die Pilgerstrassen, indem 
manche Wallfahrer von Tours in östlicher Richtung der 
deutschen Grenze bei Metz zustreben. Er selbst folgt der 
Strasse über Amboise, Blois, Orleans und Etampes nach 
Paris. Auch von da aus kann man wieder verschiedene 
Routen einschlagen ; summarisch giebt er die Entfernungen 



- 78 - 

bis Amiens auf 28, bis Arras auf 14 Meilen an ; die letz- 
tere Route scheint er befolgt zu haben: erst ist er zu 
den Schätzen von Saint Denis gepilgert und über Cler- 
mont, Arras, Douai, Valenciennes weitergezogen. Dann 
geht es durch die Niederlande : Mons, Soignies, Braine- 
le-Comte und Hai werden genannt auf der Strecke bis 
Bruessel und von dort nimmt er endlich über Louvain, 
Diest und Maestricht den Heimweg nach Aachen. Bei 
dessen Heiligthümern endet er seinen Reiseführer, wie er 
ihn bei Einsiedeln begonnen, und schliesst sein Gedicht 
mit wenigen frommen Zeilen, denen — aber nur in der 
ältesten Ausgabe — die 8 Verse mit den Angaben über 
seine Person und über die Abfassungszeit des Gedichtes 
folgen. 

Dass dasselbe eine weite Verbreitung gefunden hat, 
geht schon daraus hervor, dass es bis 1 52 1 immer wieder 
und zwar an ganz verschiedenen Orten neu gedruckt worden 
ist. Ich glaube, dass z. B. der Ritter Arnold von Harff, 
der im Jahre 1499 im Anschlüsse an eine Wallfahrt in 
das gelobte Land auch Santiago besucht hat, unser Pilger- 
buch gekannt hat. Er weicht zwar an mehr als einer 
Stelle etwas von dem Wege ab, den Hermannus Künig 
beschreibt, dagegen machen seine Angaben gelegentlich 
den Eindruck, als wenn sie von dem Verfasser dazu be- 
stimmt gewesen seien, summarische Angaben des Wall- 
fahrtsbuches oder Stellen, die eine Missdeutung zuliessen, 
aufzuklären oder zu ergänzen. 1 

Auch Peter Rindfleisch, der Sprössling eines reichen 
Breslauer Kaufmannshauses, folgt auf der Wallfahrt, die er 
im Winter 1 5o6f 7 von Antwerpen aus nach Santiago 
unternommen hat, fast durchaus den von Hermann König 
beschriebenen Strassen. Obwohl er es von der flandrischen 
Handelsstadt sehr bequem gehabt hätte, die Reise nach 



1 Groote, E. von. Die Pilgerfahrt des Ritters Arnold von Harff. S. 221 ff. 



— 79 — 

ßizcaya zu Schiffe zu machen, hat er doch den Landweg 
gewählt, folgt aber der «niederen Strasse» und verzeichnet 
fast von Ort zu Ort dieselben Stationen, wie unser Pilger- 
buch. f Aber Rindfleisch ist wieder nach Antwerpen zu- 
rückgekehrt, es ist also wenig wahrscheinlich, dass er auch 
die obere Strasse kennen gelernt hat. 

Er ist auf seiner Fahrt wiederholt zusammengetroffen, 
wenn nicht etwa gar streckenweise zusammengereist, mit 
dem Herzog Heinrich von Sachsen, der, nachdem er schon 
1498 im heiligen Lande gewesen war, damals auch eine 
Fahrt nach Santiago unternommen hatte. Die Reise er- 
innert einigermassen an diejenige des Grafen von Cilli, 
denn auch Herzog Heinrich reiste mit grossem Gefolge, — 
sein Reisezug war in Jrun 24 Pferde stark — in welchem 
sich viele ritterliche Herren befanden. Namentlich aufge- 
führt werden : ein Herr von Colditz, Hans Roch, Eme- 
rich Loefel und Andreas Rittereisen. Auch hier war der 
religiöse Gesichtspunkt wohl nur der äussere Anlass und 
vielleicht entscheidend für die Wahl des Zieles, im Uebri- 
gen war es mehr die Lust an dem Herumschweifen in 
fremden Landen als ein frommes Herzensbedürfniss, was 
den Herzog zum Grabe des Apostels trieb. Eine ein- 
gehende Schilderung der Fahrt ist nicht auf uns gekom- 
men; die Begleiter des Herzogs, nach ihrer Rückkehr be- 
fragt, wussten nur von Saufen und von Schlemmen zu 
berichten. Auch das klingt nicht sonderlich nach Pilger- 
stimmung, dass der Herzog im ßaskenlande grosses Ge- 
fallen an der eigenartigen Tracht der Frauen und Mäd- 
chen nahm, und sie für sich abkonterfeien liess. 2 Er ist 
aber bis nach Santiago gezogen, wo Rindfleisch 5 Tage 
lang sein Gast war. 



1 Röhricht und Meissner, Deutsche Pilgerreisen nach dem h. Lande. 

2 Röhricht und Meissner, Deutsche Pilgerreisen. S. 316 u. 521; dazu Rind- 
fleisch's Notizen ebenda S. 346|7. 



— 8o — 

Im Anfange des 16. Jahrhunderts haben die politi- 
schen Verhältnisse vielfach Reisen zwischen Deutschland 
und Spanien veranlasst, und dabei wird gewiss Mancher 
die Gelegenheit wahrgenommen haben, Santiago zu be- 
suchen. 1495 fuhr die Erzherzogin Margarethe von Flan- 
dern nach Coruna, um dem spanischen Erbprinzen ange- 
traut zu werden. Nachdem der Tod rasch nach einander 
diesen und ihr Kind hinweggerafft hatte, gingen die An- 
sprüche auf den spanischen Thron auf die Prinzessin 
Johanna über, die mit Philipp dem Schönen, dem Sohne 
Maximilian's, vermählt war. Sowohl im Jahre i5o2, wo 
das prinzliche Paar nach Spanien kam, damit die Cortes 
ihnen als den Thronfolgern huldigen konnten, als im 
Jahre i5o6, wo der Prinz für wenige Wochen thatsäch- 
lich für seine geistig umnachtete Gemahlin die Regenschaft 
geführt hat, ist Santiago von ihm auf seinen Reisen be- 
rührt worden. Aber es standen dabei natürlich zu viel 
anders geartete Interessen im Vordergrunde, als dass des Be- 
suches der Heiligthümer besondere Erwähnung geschehen 
wäre. Dasselbe gilt für die Zeiten Karls V., die ja die 
Beziehungen zwischen Spanien und Deutschland vorüber- 
gehend noch weit enger knüpften. Es sind nur noch ver- 
einzelt uns Namen von solchen überliefert, die Spanien 
im wesentlichen als Wallfahrer besuchten. 

Im Jahr 1 5 1 4 trat Bernhard Pfoll von Esslingen, 
Stiftsherr von Sankt Florian zu Coblenz eine Wallfahrts- 
reise an, deren Hauptziel allerdings das heilige Land war, 
die er aber damit begann, dass er sich in Antwerpen nach 
Spanien einschiffte, und zum Grabe des Apostels nach 
Santiago pilgerte. 1 

Im Jahre 1 5 1 7 fand sich wieder einmal eine Gesell- 
schaft adliger Herren zusammen, um über Land gen San- 
tiago zu reisen. Die Anregung dazu ging von Schweikhard 



1 Röhricht, Deutsche Pilgerreisen. S. 223. 



— 8i - 

von Gundelfingen und Georg Truchsess von Waldburg 
aus, ihnen aber schlössen sich dann noch eine Menge an- 
derer Herren an, als : Albrecht von Landenberg, Haug 
von Landenberg, Wilhelm von Reischach, Reinhart von 
Neuhausen, Konrad Dreisch (genannt der lange Hess), 
Bernhard von Schonow, ein Herr von Neideck und end- 
lich Johann Werner Graf von Zimmern, aus dessen Fa- 
milien-Chronik wir die Nachrichten über den Zug ent- 
nehmen. Ausser den nöthigen Knappen nahmen die Her- 
ren noch einen Apotheker Wolf von Ueberlingen, und 
den Pfaffen Seibold als ihrer aller Reisekaplan mit sich. 
Das Rendevouz fand theils zu Konstanz theils zu Frei- 
burg statt, von wo aus die Herren jedenfalls die «obere 
Strasse» gen Santiago eingeschlagen haben. Die Reise ging 
ohne sonderliche Zwischenfälle vor sich, und nach Cor- 
pus Christi (den 11. Juni) waren die Herren wieder 
daheim. 1 

Die Zimmerische Chronik zeigt uns in verschiedent- 
lichen Aufzeichnungen, dass die Wallfahrten nach San- 
tiago weit in das 16. Jahrhundert hinein noch in ihrer 
alten Bedeutung fortbestanden. Mehrfach werden solche 
als Bussen und Strafen erwähnt. So soll schon zu Leb- 
zeiten des Grafen Johann Werner von Zimmern (f 1495) 
ein Bauer von Rohrdorf um etlicher Missethaten willen, 
die er sich hatte zu schulden kommen lassen, nach San- 
tiago pilgern. Um seiner Einfalt willen gab man ihm 
aber einen Narren des Grafen, den Wolf Scherer genannt 
Peter Letzkopf zum Gesellschafter. Dieser letztere war sein 
ganzes Leben lang ein unsteter Gesell gewesen ; er soll 
allein in Santiago vier Mal gewesen sein, und immer Brief 
und Siegel über die vollbrachte Wallfahrt heimgebracht 
haben. Allein dieses Mal machte er sich dringend ver- 
dächtig, die Pilgerfahrt nicht ausgeführt zu haben ; ja man 



1 Zimmerische Chronik hrsg. v. Barack. (Bibl. d. lit. Ver. Bd. 92. S. 369 ff.) 

6 



— 82 — 

meinte sogar, er möge wohl den Klenker bei Seite ge- 
schafft und sich seines Geldes bemächtigt haben.' Aus 
den zwanziger Jahren des 16. Jahrhunderts erzählt die 
Chronik von einer anderen Bussfahrt. Ulrich Stüber hatte 
seinen Schwager den Vogt von Falkenstein durch einen 
Strolch ermorden lassen ; als dieser aber wegen anderer 
Unthaten gefasstund gefoltert wurde, gestand er auch diesen 
Mord, und daraufhin ward auch Ulrich Stüber verhaftet. 
Eine Zeit lang war dessen Lage eine sehr bedenkliche, 
auf allerlei Fürsprache wurde aber schliesslich doch die 
Strenge des Gesetzes nicht gegen ihn zur Anwendung ge- 
bracht. Dagegen unternahm er freiwillig zur Sühnung 
seiner Unthat eine Wallfahrt nach Santiago. 2 Endlich wird 
ein ähnlicher Fall einer Sühnungswallfahrt noch aus dem 
Jahre r 554 berichtet. In Mösskirch wurde ein Landfahrer 
abgefasst, der einem Meier am Königseckerberg zwei Pferde 
gestohlen hatte. Das Gericht verurtheilte ihn zum Tod am 
Galgen; er war aber noch ein junger Mensch und zudem 
war es das erste Unheil, welches Graf Froben Christoph 
von Zimmern fällen sollte. Aus diesen Gründen Hess er 
ihn, als er schon die Leiter zum Galgen hinaufgestiegen 
war, begnadigen; doch musste er vier Tage darauf schon 
sich aufmachen, um eine Pilgerfahrt nach Santiago de 
Compostela zu thun.3 

Wenn wir bei der Herrenfahrt von i 5 i 7 nur allgemeine- 
ren Angaben über die Richtung der Reise begegneten, so ver- 
zeichnet Sebastian Oertel, der im Herbst i52i von Nürnberg 
ausritt, um die Wallfahrtsstätte aufzusuchen, seinen Weg 
wieder mit minutiöser Genauigkeit. Er nahm auf dem Hin- 
wie auf dem Rückwege die obere Strasse durch Südfrank- 
reich und die Schweiz, und die meisten von ihm erwähnten 
Orte finden sich auch im Pilgerbuche; dass er dieses 



1 Zimmerische Chronik 1. c. S. 356 f. 

2 Ib. S. 514. 

3 Ib. Bd. 94 : S. 296. 



— 83 — 

aber benutzt oder auch nur gekannt habe, verräth sein Be- 
richt an keiner Stelle. 1 

Er ist zwar nicht der letzte Deutsche, dem wir in 
Santiago begegnen, allein es ist nicht zu verkennen, dass 
nach dem Beginne der Reformation das Wallfahrten dahin 
sehr abgenommen hat. Die Pilgerfahrten wurden nicht nur 
von den protestantischen Reformatoren verurtheilt, sie 
wurden auch vielfach und heftig von den katholischen 
Geistlichen angegriffen, die sich bemühten, durch ihre 
Predigten der Veräusserlichung des kirchlichen Lebens 
entgegenzuarbeiten. Wenn auch die katholische Kirche im 
Prinzipe noch immer durch die Gewährung weitgehender 
Ablässe daran festhielt, den Besuch der heiligen Stätten 
als gutes Werk anzuerkennen, so war sie doch gleichzeitig 
bemüht, den Uebelständen zu steuern, welche das Wall- 
fahrten mit sich brachte. Wie wir sahen gab es noch bis 
gegen die Mitte des i5. Jahrhunderts auch in Deutschland 
Frauen, welche die weite Pilgerreise nach Santiago gemacht 
hatten. Welche Unzuträglichkeiten sich daraus ergeben 
mussten, dass einzelne Frauen unter den vielen männlichen 
Pilgern bei den einsamen Wegen und den mangelhaften 
Unterkunftsstätten an den Wallfahrten theilnahmen, liegt 
auf der Hand. Schon Berthold von Regensburg eifert ge- 
gen die Wallfahrten der Frauen, und meint, dass sie 
mehr Sünde davon heimbringen, als Ablass. 2 In späterer 
Zeit haben denn wohl auch die Beichtväter ihren weib- 
lichen Beichtkindern die Erlaubniss, zu den weit entfern- 
ten Heiligthümern zu pilgern, fast immer versagt. 

Aber auch unter den männlichen Pilgern war vielfach 
das Leben, welches sie führten, wenig im Einklänge mit 
dem Zwecke ihrer Reise. Ob es wirklich vorgekommen 
ist, was Matthaeus Paris meint,s dass die Wallfahrt zum 



• Mitteilungen aus dem Germanischen National-Museum 1896. S. 61 ff. 

2 Predigten. Bd. I. S. 448. 

3 Mon. Germ. Hist. Scr. 28. S. 233. 



- 84 - 

heil. Jakob von fürstlichen Personen nur als Vorwand be- 
nutzt werde, um bei dieser Gelegenheit die verwundbaren 
Stellen in den Ländern ihrer politischen Gegner zu er- 
kunden, mag dahingestellt bleiben. Sicher aber wurde das 
Wallfahrten vielfach als eine Speculation auf die Mild- 
thätigkeit frommer Seelen betrieben. Unser Pilgerbuch 
verräth dies deutlich, wenn es verzeichnet, auf welchen 
Wegen, an welchen Städten Almosen gern verabreicht 
werden ; wenn es dagegen warnt die allzu oft betretenen 
Bahnen zu wandeln, weil dort die Anwohner des Spendens 
überdrüssig geworden sind. Ein deutlicher Beweis, wie 
sehr gerade diese gewöhnlichste Sorte von Wallfahrern 
noch lange nach der Reformation zu öffentlichem Aerger- 
niss Anlass bot, sind die Verordnungen von Bern vom 
Jahre 1 523, welche die Jakobsbettler mit Marodeuren, 
Hausierern und Heiden gleichstellt, und verbietet, sie in 
der Stadt zu beherbergen und jene andere von Freiburg 
i. B. vom Jahre 1 56 5 welche den Jakobspilgern die Er- 
laubniss zu öffentlichen Aufzügen u. s. w. nur dann er- 
theilt, wenn sie die eidliche Versicherung abgeben, dass 
sie binnen einem Jahre nicht in gleicher Weise in der 
Stadt vorgesprochen haben. 1 

In welcher geringen Achtung die Jakobspilger im Aus- 
lande, bei den Welschen standen, geht gleichfalls aus dem 
Pilgerbuche des Hermannus Künig hervor. Fast immer 
dienen sie zum Gespött der Fremden, und zwar nicht nur 
wie das Pilgerbuch glauben liesse, in den Herbergen und 
Hospitälern an der Pilgerstrasse, sondern auch an der 
Wallfahrtsstätte selbst. Leo von Rozmital und Arnold von 
Harff waren alle beide nichts weniger als irreligiöse Leute, 
denen der Besuch von Santiago nur ein müssiger Zeitver- 
treib gewesen wäre. Aus den Erzählungen über ihre Er- 
lebnisse geht aber, mit besonderer Deutlichkeit aus dem 



1 Angeführt bei Unland, Schriften Bd. 4. S. 316. 



- 85 — 

Berichte Harffs hervor, dass sie keineswegs einen erheben- 
den Eindruck von der heiligen Stätte mitnahmen, sie viel- 
mehr mit dem Gefühle verliessen, dass man in Compos- 
tela selbst der Gläubigen spotte. Unter solchen Umstän- 
den war es denn nicht zu verwundern, wenn ein protes- 
tantisches Flugblatt über den Nutzen der Wallfahrten in 
die Worte ausbricht : 

Hernach folgt nun sant Jakob 
genant zu Compastel 
Da laufen die narren mit häufen auf 
der narren der sind vil. 1 

Aber nicht nur die reformatorische Bewegung that dem 
Wallfahrten Abbruch, selbst denen die gut gläubig an der 
alten Kirche festhielten, wurde der Besuch von Santiago 
mit der Zeit verleidet durch die Unannehmlichkeiten, die 
ihnen gelegentlich dort bereitet wurden. In der ersten Zeit 
der Reformation hatte sich die Inquisition kaum veran- 
lasst gefühlt, Häretiker auch unter denen zu suchen, die 
zu dem Grabe des Apostels in Santiago wallfahrteten. Allein 
seit die neue Lehre selbst in einzelnen Städten des ortho- 
doxen Spaniens Anhänger gewonnen hatte, wurde die In- 
quisition überaus misstrauisch gegen Alles, was auch nur 
entfernt unter dem Verdachte stand, nicht streng recht- 
gläubig zu sein. So bildete sich in Spanien eine geradezu 
feindselige Stimmung aus gegen alle Deutschen : weil in 
unserem Vaterlande weite Kreise der neuen Lehre an- 
hingen, sah man zunächst in jedem Deutschen so lange 
einen Ketzer, bis man sich hinlänglich davon überzeugt 
hatte, dass der spanischen Rechtgläubigkeit keine Gefahr 
drohte. Unsere deutschen Kaufleute, denen ihr Beruf häu- 
fige Reisen nach und längeren Aufenthalt auf der Pyre- 
näen-Halbinsel zur Nothwendigkeit machte, haben uns 



1 Angeführt in Grimm, "Wörterbuch Bd. 4, 2. S. 2202. 



— 86 — 

zahlreiche Klagen darüber hinterlassen, weichen Hinder- 
ungen und Unbequemlichkeiten sie um ihres Glaubens 
willen ausgesetzt waren. Dass es aber selbst denen nicht 
besser erging, die nur als Reisende, und selbst als San- 
tiago-Pilger das Land besuchten, davon weiss uns Bar- 
tholomäus Khevenhüller eine bemerkenswerthe Geschichte 
zu erzählen. Es war ja wohl nicht eigentlich gläubiger 
Eifer, was ihn und seine Begleiter, den Caspar Then von 
Salzburg, den Bernhard Besserer von Ulm und den Prä- 
ceptor der beiden Letzteren, den Stephan Küling nach 
Santiago führte ; allein über den Verdacht ketzerischer Ge- 
sinnungen hätten die jungen Leute wohl erhaben sein sol- 
len. Zunächst wurden ihnen denn auch keine Hindernisse 
in den Weg gelegt, als sie am 4. Oktober i55o. in Com- 
postela Quartier nahmen, und ein paar Tage damit zu- 
brachten, die Sehenswürdigkeiten des Wallfahrtsortes und 
seiner näheren Umgebung in Augenschein zu nehmen. 
Bald aber sollten sie es gewahr werden, wie aufmerksam 
sie beobachtet worden waren. Sie rüsteten sich nämlich 
am f>. zum Abschied, ohne dass sie, wie das bei den 
meisten Wallfahrern üblich war, bei den Geistlichen der 
Kathedralkirche ihre Beichte abgelegt hätten und der Sün- 
denvergebung ausdrücklich theilhaftig geworden wären. 
Das genügte vollkommen, um sie verdächtig zu machen, 
und die Inquisition an ihre Fersen zu heften. Es gelang 
ihnen zwar, indem sie einen halben Tag früher aufbrachen, 
als verabredet war, die Stadt unbehelligt zu verlassen ; 
allein bereits in ihrem ersten Nachtquartier wurden sie 
aufgespürt, verhaftet, von weltlichen und geistlichen Obrig- 
keiten verhört und ausgefragt, und obwohl sich dabei 
nicht das Geringste ergab, was dem Verdachte ketzerischer 
Gesinnung zur Grundlage hätte dienen können, mussten 
sie es sich doch gefallen lassen, als Gefangene nach San- 
tiago zurückgeführt, und dort erneut langwierigen Verhören 
unterworfen zu werden. Erst nach 6 Wochen, am i5. 
November gelang es ihnen durch allerlei Fürsprache und 



- 8 7 - 

nach beträchtlichen Geldopfern ihre Freiheit wieder zu er- 
langen und der heiligen Stadt endlich den Rücken kehren 
zu dürfen.' 

Natürlich konnten solche Vorgänge nur dazu dienen, 
die Deutschen vom Besuche der spanischen Wallfahrts- 
stätte abzuschrecken. Was die einen unterliessen, weil es 
mit ihren religiösen Anschauungen nicht mehr im Ein- 
klang stand, das versagten sich andere, um sich die Un- 
annehmlichkeiten zu ersparen, denen sie ausgesetzt waren. 
Zudem machte sich auch innerhalb der katholischen Kirche 
ein Umschwung der Meinungen geltend, der den Wall- 
fahrten nicht günstig war. So kommt es, dass gegen Ende 
des \6, und im 17. Jahrhundert die deutschen Reisenden, 
welche die iberische Halbinsel besuchen, sich mehr und 
mehr den weiten Abstecher nach dem galicischen Heilig- 
thum schenken, und nur die spanischen Städte besuchen, 
in denen sich mehr und mehr das politische und das geist- 
ige Leben Spaniens koncentrierte. Selbst die spanischen 
Monarchen bezeugten dem Grabe des Apostels nicht mehr 
die gleiche Aufmerksamkeit, wie ihre Vorfahren. Von den 
drei letzten habsburgischen Königen ist wohl nicht einer 
in Santiago gewesen, und bereits unter den Bourbonen 
sinkt die Stadt zu der Rolle einer unbedeutenden Provin- 
zialstadt herab. Aus dieser hat sie sich nicht wieder heraus- 
zuarbeiten vermocht; wohl ist sie auch heute noch ein 
bekannter Wallfahrtsplatz, zu dem nicht nur Spanier son- 
dern Gläubige aller Zungen pilgern; allein wer die Stadt 
betritt, empfindet sofort den Gegensatz zwischen einer 
grossen Vergangenheit, deren Zeugen ihm, Bewunderung 
heischend, auf Schritt und Tritt entgegentreten, und einer 
Gegenwart, deren beschränkte Lebensverhältnisse sich da- 
neben besonders kläglich ausnehmen. Was in der Stadt 
einen neuen Aufschwung verkündet, das steht in keinem 



1 Czerwenka, Die Rhevenhüller. S. 147 ff. 



— 88 — 

Zusammenhange mehr mit dem, was ihre einstige Grösse 
ausgemacht hat, und die Schaaren frommer Pilger, die 
Jahrhundertelang durch die mächtigen Gewölbe der alten 
Kathedrale ein- und ausgewandert sind, werden wohl nie- 
mals wieder in ähnlicher Weise nach dem fernen Heilig- 
thum Galiciens ihren Weg finden. 



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£&n(faft$i€$eift€>fftltiiefryc 

'Öantacff 0*|Tn $ü$<r ZepmiuVj.riiyC 
Hii $&c turtö id? $yr fr gen ivvP 
"TOanflüCFn ßAfifonipf «Afrp^rt ffat Sr/? 
ißjrn w>u.n^cr&ul<cf?c}<£ii ge^u^A (y(fft 
frörimctf vScrMi.myffygt 5crcmt>€pi \Ut?yn fyu 
3fT vff u>clfc^5cii4iir (lOcrcnii 
*D8cxtyn groß inyP fyntofTü om ffr Pvn fci>5 it 
Y>fi&rtftcEvSer.j.myPrrii (Ttit9ic f)<iff 2lt t>oit 
©Äiiiacfjtnian (^uSfctic Pcm vnd (Ticdcn vvP 
fcrtrnacßYfarcynßAfFcnipP 

§arna<#v£cranfor(faflfrmyPfVn&/hieytt ffrxlits fyuL 

bae $afl$h faut (foarccflPyit 

örtrnÄC^v^r.i^roßmyPnia^fTiitspertcnfro 
^n fpufcefTti e^n (Wt (?ei)T *ü f<uit 2inr^onio 
bau 9rt^u^on5crrmyUvoTc /£ t ynftocßi<jffJAti3l& 
£)Afrn&cßuÄud?\^pQw#ei) (fangen 



9ä f<iefffyd§M<$'Mcmunti€nbet 
Die mÄii Die Patten nennet 
&; faku^yn tfelt wcjfefcn mit pyg 
X>mSÄnfcer#eUtf? genant 2fi*r6r£ 
2ku£fy»i>eflu94eyH feurfc#et: wirr oJ>cr jweiTj 
Siefyty xs> o? Cevn 8y fem flepßt jß^gm 
Jirynenf? .genant ?n Ttyncrcfer 
§er$tc#ej$w$l&tncrePent 

^:|l9fir9yrti6t94ffu9i(§woPfurf»^ 

fco» er t<1 **P£c£en&tf ey t vn £> «15er Pyfl 

9arn^fßlni«ttj.myffurKrtf4n 

©o£ome|lu jn cy« ffatftc £ei#2totfilU* 

^flf weife? tflegsfcnant ^manm* 

&<t fcCPßey 11 ^tjtra fpttafrfi 

tarjnne^yb'tmrtnorof vn5wyn 

2luc9fvnt9fc Pctt £u£fcf?\>*5 fyii rt# 

We^u j.royf £oni (lupfen jfe&ent} eyn jfctf/n fc?fcf 

"ÜforeynSfafl? fomeftu^en Xifcron 

XtPcront6t(Tfycvffwclf^cn<int 

tott ferflu vtfer eyn waffer 3u ^ant- 

?4r vfffoimfyn geltfpaxcn 

.$£ , ynJo**by$tnufzü gtSen v$ez$ü faxen 

Satnatf Vierern Qafömy? Sotutfxü$ü #tf»t 

3n cynitat t'(f2tureolt genant 

Dar nacs faltu9ic§ mc#r$ w fere vPcn 

Intpi ffcyn fteftn ffajfufunfjFre^flfmyßn 

Jff^ttÄMt(toenrelot&$&er2l$emarfc#ne£. 

fax nac$ vfcr eyn tnyffyntejtft eyn caftet 

3f?tfenanrcaj?ePfccrÄti6ofcerc<tf?cfnouc 

©«vnaeg fa Im afor eyn my?$%t 

$an fonbeftueyn fc§Coߣfentfnt6ufe v 4 

2l?er vStztyn myfijTcy« fc^tog £etf pefra fö/4 



*©an fhlrü tyn wemcf fiirtergQtn 

fyxnacQ x>8et eynmyP £cmcftü$u $<xnt 

"In zyn (Tat ift$u fancr* fptrtme genant 

Qrt fynbeftü cy n frrucPen $ie ifl fu^erlictfcn 

J(§ mtyn^asman m<ßtfynbe)rn gfyctftn 

y*vna<$v8zr,ij.myPfYnb(ftiievnftat$c\ft'<[r<\\6 

"X?n&4(>«v6Vrc)>nnirP£Fn$i€(?etp I3afneoho 

baxnadSv&trcynmyCiftcyn $ie (^ijl^nuni 

T>n£> vPcr.tj.mpPcrn^ie^ftflVafe^rurunt 

Qar nac§\)for.tj.mpPf>afTu fere na 

3« c?n ffat^Kr (>et|T Zuceru; 

üarjnneijTc^n^jrjff^off^ejeffcn 

$Af«ltüfy$fpit*le>mdi)tvergtfftn 

2tuc§ic§^r^eritrltc^eiirat 

fcaflü £y ?tc# nemcfl w pn \>n6 Prot 

2lt!<#f<UmM9«rnac#f$icferi 

TDan^uFomefTcpn mvP»on$cr (Td$ 

&ofcitüg§a\ vtftran Stucfen i'ftmjmrat 

§4pFf?nfceJ?uepn €l6\lirf\ctn 

bau fAltti vff $iercc£m» (fanr eyn Pa# an <j(>m; 

©ertwerf t|T(?arrvnö voPfTcyn 

fcar ji^(faj?ü.uj\myP$icf>ntnic#t f Peyn 

(E>en npmaßjri epn #uff(c&. f7ar 

§a fynbtfhi eyn tfyürn $en ePen tüdictf gcSiivotf §Att 

t?nöauc§epn fl^frer^ar jnnecjyPr man pieffenfcc 

^ü$en2liicju(Tmeni #6:tcrt)e|3 nennen. 

Sßrimc#vPer.vuj.mrPfcn)cfru fc^yc 

In e;n^rog ffatfteiff C^ompetyr 

4?ß ^er |T*r faltü g$en -off ^ie reefren ffant 

Wer,j.myPfyHfre|Iucyn )fiPr^eii fcflftfcu £awt 



9*tna$fmbtftu aPeteyn9o:ff x>Sex eynmyf 
9rey mjrfywiAcg faPru$tc# yf 
60 fyne>e(fueyn$o:ff ifiaqm& mortis genant 
Qafmbcftucw ßnuPcn St eynermufen %u$Ant 

eat nacQf mteffii vyPcaff cPan eynem feg* 
m faftttjfteynerofioffcr *nsre$en 
VnfcPaßftc^mtffere Vertonten g 

(foompefvr tfterti errofle (Fat 
Gie<££Wj<myf t>on ©0&J3 (Tat 
oh tfOompefyr fuetfey n p:cffcnö ijf m?» r<rf 
3 n er n cPoffercf tft man flcif<# \rr ti W* *>* <* 
CJeem fantjaeofo foywPtftSnf nit 
©ar jrtne ffy jfufar Fahimen fast 
QicfaPcnfarjnneejani^wAß: p 

©crfbitePntciffcr if^^ew riirfc^m nic^t Rolt 
Sarwtcfl faftu. j.myfttt eyti ?o*ff fa« iftpftyw 
Vnfc tn cy 11 anfccr ?*tff afor cy n 
1Pn69an eyn ^cti <5r$«msm 
VnM«ftß gen Zupuimmt 
ÖJenCyffermm (?af£uPPeynermyPfyre 
\?nft«ttj«m eyn (Tat ftaftSyfcre 
9*ftn&efTtrauc#eyn fu£erlte#c ffnscf <n 
•Ünfcfaft^arnaefeyn nrf fnmr ruefen 
GofmfccjTueyn fcffPog 3fi?errccfffcn 0ant 
VfibV^ercynmyPevnjfatcapuffTu^nitgenr 

$aa #at aneff cyn SmcPcn vnfc Cy$t*n eynem fc 
«4rn4cßmfiffiftiti<fmyPwrf<ö0e?cn 
T?ff9cm weefe fynfccjTu: no$ ^nncPen ofctf ej Jen 
^vtißf flefleffen vnb feef fafmntt verwerten 
Vnbpift^icßitiitwriiTn^PjötwoPPcß^e» 
jbr war ce flniujrftr feynen (cf^i&m 



9u fynttft t»oP$t»$ obct?«f raffem 
6ic <jc£cn a(>er$en armen Btübcxn niißt^m 
2ludSfaltu^ic^ntt Caflcn Ccybcn 
%uftnbtftvnt>cxxoy&ngv\\fatveScyb<n 

iafinbcft audjtyn fctfPoß (Taifofaccum <jtnant 
9a6fo|hiߣ£cn$ü^crrcc#rcn f>.;nt 

?Äma^^4(luaii.myP^n , t>Cfiiiö^icfynt»irt5 
Vufc £aft$art%eyni?P3enrt0ar|Uia 
oxvo m;r Ptß ^en tDre^t fi iff cy n (TetPyn fc§oit 
vufc epn myPm eyti fTat&c (JeifT (fiar^on 
9teP^t^a^vffcfmPaqcvi^(>A^inc;mtAÖ^ 
\>n6 ftntefTeynen ^üren fpvta^ 
9ariia$(fcfTu vfot'funff myPiinf? 
jr» cpn fhu$ie #et (T XWa pmra 
¥afaltu#c#en vfta tyn ftrucfcti 
vnbfakeyn mpPfurmrucfen 
60 £omeffti #en 2l(FefrancPen 
C«fFcPrtoue^eArno?et(lnac^rti^nem^c54McP(W 
9»'e£*u$ Raffen fycDie £no(?ß>rf>* (Tat 
v$:$« f o:rcti tyn gutta fpiraP (Tat; 
Qar tiad? faltu ntc^f feie y&n 
<Defitkfrfa#ajTunoc#,vuj.mpPm 
#£rfT*wo myPtn eyn ftat (>ei(l 2lmut$ 
vnb a£er epn myf$<n ^afcfio 
9anutc9^(Tu$xvomF^enrtOontefeare 
\>£cr ^wo mv£ t |T epn fpitaP vo :9a po:t*n fart 
Vc:tjWttf!afci|c Crt(Taneto£enant 
$anrad?t>8cr*jwnipt^nde(fu*ü fanr 
tCoß>fön (f*r ey n efrofle (Tat #u£(<(} wiöfr* 
6tt(f i^mcd fofön.^l.ap*ffoflto$o,f{fit 
p9üippuÄ3acoPus vn6 audJBarMAflaft 



Qar>w<# vfor cyn m;f fmde(?iü\>ü/.T4Pem 
viifteyn jjMraP?enmtf#(Fufhc#eti $cm 
^8eteynmy?finb?ftüvffeym8a$eynffifoß 
ünbet'kn for# pmt TT^otijpd friede rtfl eyn Gucf £& 
ä3y9er fefl?en £tr$cn tu eyisrrsi- W(C fcl; 

t>for c yn my£ Ugtm fula jfotfcan te 

Qafow aiK^ejpncföne frriicfen ifl 

vtfcveyn myPUgteyn^oiff vf)'$iclijicfcn (fallt 

Sartttfcftvtfcrcyji myPfornrfiiig'ci) Remote fc^ncö? 
ipfor ejKitfroffe rtiyP cjin (Tat $et ft£&e£ 
34nmc§ i{lij<my?$cn 2tnfl m?tc j?ac 
^aSton xfttyn'aiia} cpifopaz 
%* magftütftv fvcSmben nadfiyüttt 
fyxnatf Qaflii §en'&attan*ii<my(kn 
Qavna$vßcr<)*my£iftcyn%tff^aft'3n{UQi 
Vnbcyn fpttaP $y cynemfaiff na§ 
< $Avnatf!ltgtcYnft4t\ft<$Dontc$$i$*$aiAnt 
Vßevcyn myCUgteyn fc^Pof? $y erriet £trc§en $u f>*it 
$4rrt4<$ vber cyn myPligteyn fc$fs£ i(| wie eö m#$ 
Vnt> Qaföaneyn my?$ta Cföarjl 4c£ 
Qafinbiftu eynen vpreefren martt 
vnbtijifpittfyarvffmagfUi warft 
^Aniac^^fli^ijLmyP jf«n rtDamercjet* 
C§e$m?en fyitaz%mü0\ia $mjm (TrS 
©afmöefl cynen foffern infyt (Tat 
'?4rriÄC# tfe$ vforeyn tbAJjertf?Ki7BT& 
">4i|?\)ff epnem (?es#eeyn$«ff^}j ffey» 



Jnten am &tt$ fynbefht eyn $*tn ftatt 
Wcrj^wiy Pf&tlu f&tbet gm 
94 fynbefaicfn'ioiffvnbeynfpitA? 
Slrmer t4cPen &nfc wettftg att$en TfonQefcf 
©4m4c# fmt>e|Tu v&r.t j»m)>P<?3oißug eyn ffetßtt 
©am4c^94ffa»ujf,m^Pero'n^ei6jttcfwn ffcerc 
$4n fynbeftu ejm fpitaPtn eynem waU>e 
Undjfinbtftutiamaficynyoifflyn Salbt 
SaxnadgfaRueyn Berg anflögen 
V&raMf,mpßfdftu2UTeJ$ P4f|e» fyggen 
^ieftattigtaneymßexg x>nb fyateyn fptWP 
X>nb Qateyn fdJPogfoa C4«^f nickte 4#er 4? 
©4rti4c§ vPereyn myPfmbefäieyn fyitafyüQant 
2lforx>ffa: eyn myPejm Jfo: ditefmm genaue 
©4 frä$en$wey fpitaP voi^ct ftat 
$a gu vfor cm 6m £m ijfl m?» rafc t 
T>nO &g3ic#mt$ii jere verfolgen 

§ii$afEe?efi*$$£,my PvontCoPofa gegangen 
Mnatyftnbtfatyn$<>tffx>{>cv,).my£vntynfyüdl 
<x>8tuj*my£finbcftaein ta$exn*ia, müfUi^e wtn S$4l 
Wer ej>n ropPPom jlü gen fcßia tcrmSoe iwrcPeff* 
$amüfluv$n$enguÜ>ctt3o8Pcfc£ert 
©4mad? föftuge^cn v£ere?n tfnuf ett 
^nfc f4ft%»t feef ePmit Cowrmten fc^müef ett 
>£yn C©2on4te»muffric(e£en w&cr$ufavtn 
2liK#ro4gf?ü w$P?pn geftfparen 
Vforcyn mj>Pftn&effuej?n fjpitfipßy tyntv Brücken 
2l8et*$excynmy? jaltusitfant Äfiifio rucken 
©arnod? v£er*yn mrPfwtcßüeptt fpiraPfcrn 
2lf>cr vßenennntpPfmfecfluatt j,tAftm 
©4 ffateffu eyn fptt4P?eö f4P fu metft feeP 
*?tt4imyfögtcyn ftofyn % madjftmtn negeP 



%txnM§{aUucyn my? fürtet gan 

l&<if9nbt{Hitynft>iu£%e6fdw$ct)e(§ngfytt 
VStt^mytißcyn^otfi vnbeyn motfiafy 
Qarna^ fr nbcjlu aucQfy tynetm&Ccn eyn heg 
faufltftdfan'ittycnb fttweg 
Qan jHlril 9e« mxttclfteu gm (f& 

9<m vl?ci\;«myf fihbcßücyn ßruefe Py eyn<t£n<$ 
TOtia cyii my? f omef«* m {am jofan* ff.rt 
9uftwi 9wy w&crfc$«yfcun<r £at 

Vffrr fiiufpnyf fmocftüty n glo/Tcr$u #ant 

StonmdJ vte»Mf*tnyCfinöe(!M audfcytt fpi'rafT 

©**imc§ fajfcUtf «großer my Wie fynt n ict>*r 114 

&m fomcftajtt eyn jWfrciJfpcpefoma 

"X?n& wäh% fomefE wer 9tc ßruefett 

?4iim^ffüpieyn fptmf mcf m 

Qarjwne^tftmanwynvu&ffrot 

ftuji *r£&tlte fmbcfföftttftjtyf» tft ^^rjS ti 6t 

©4t rm<^ttt45f?ü g$en jn ey n ffcif efem 

fttr jmte wonet?cr £ow# von ffefem 

6yn Poiii^ndR^^myPßMirf frfft 

T>n6 ((l^i| 9 myr w/tfe« foeyr 

jftt Sfttft cjitfc m&tf t'i^n^ent 3«? wicfc vn i w cfjcn 

Sp9er ßeutftftrc^en'Sed faltu nie$tvcr$effcn 

*3& i lttfyntfm fjmt ttf 9er fpimPwifcrljeft fr*** 

9u fy n5eft eyn f£tr*P$ts fanet (Danen ma^N* l?ii 
9*rn4$f<ittiieyri (faflßmpPwetfee furrer^ei* 
9mt fmfcejf ü cyn fpiraPßp f«wt 2iif f?ofi.it6 £*|f 

(> 



^Vnbeynen $in$et*iemf>mgz < $e7ifltiia 

$>4r jnne fynbeftiijj.vpita?%ax inne magflii cfQcn 
Hiutffmbeftiicyti $U${c$eßYuehn$a |?*en 
^p8er<j.my?fmbeftu cyn^ottfjiifyvCincfcn ßant 

vntf Cffiritfctjfcrn (>o:n mrtgjfrij&rmcfc i)l$irßn$t 
Vtfer^icficrocn £ome(Tii tu Tic 3u&cn (tat 
2lrcuo nciiiienfic9ü w«U£cn%l" 
V£er,iiij<mprß'#t , ÜiAJmA 
$4 V02 fyiictj.ßo:n gelegen 
*Vnb§*iftMij.fpita?vnbtrwecten 
*0#tx<\j,myifmbeftu cyn JTar (jeifl (Sfumngefl 
t>aa iflfyc er|?c ffcir jn Jp)ifpan\cn 
X.agrona iftfevff \vclf<§ genant 
Utvn anbei münqxoirt^ir^at Scfant 
©ie (Lotsnaten QaSen^a cyn enbc 
bütfßaimebifimuftn ßrnen Pennen 
2luc(? ffatcyn frnicP vc: $er ffat 
^Urn4(#cf(?e.t/.mpf£cn n«5«rctd ifFmynrat 
fco* nac^fmfccffri cyn £©in (ty Carter £irc$en jlccnv 
*5Dtlru fb nid cffTü cyn £cr# an g$ecn 
bat vff fmfccfhjcpn ß><$if?cfteiimrflc§ 

€o #affü«n j,myP0*04ii£en von n^ateto 
^biß efen rtojera ma^ftii werben frö| 
$4£yPt W44i? £fpf ii vmvgotltt tDiffVn 
3n*9cn fpttafnt faftiiafonfynen wifliii 
X>|§ gnomeu |n ßnt *j$ac&$i fpJtA& 
bat iff (Jonetfifrf Ä^e)Ui«aCr 
t* ff lYelfr^t w 9e» 5m$em vyPfcftvUf rvi 9«t 



%ü$li$&njj.f§&f täcv ?rrf&* 

<5§c«tiipmv£$ii (an*j9«tiiifitcii6 tffmyttr&t 

JimfgitaFfinütfHixüyTUKpen viibiitcffen. 

T>ndf4'tfrcrcc^tfc#.tnwi <*it 

®tbcd*$<l$ £fot rttf^^incfwonbeifid^ciaM^cft;» 

jc#wctf*fnn?dr?aseßmcf?Mperlc#?ii 

fax vfi eyttd 9eni andrrtn tirt<# fl<5c$ 

*On&9cn (>m§rtr vff fye fyntgcßwiten 

ttü f(d tu yix$ fiixtex oerrtfeu 

Vnd <j*k tpx iwPvßcrcpttßrurfcti f($OJ! 

3«* em fTat?te £et|? <5r«ucoit 

2lu<$fldfu < iterw;c#tf£crepn rupfte 

3« cfji j&rC/n ^ei'ßct Xcdiftft 

$*rrma? (ritdffiü0ff fpimPfererta 

"Ün6 ^4f?jf«myPitic>ii frar^etflrfcoPotop; 

9 *r jn «jrrför m4n mid? pttBcnb 

^4 jolru #£ttft vft r cyn frrncrVn fo#*n6 

2tuc#eyn y^licffcr fti^er 9a roercf cn f*P 

b*6 ?4 if* Vcr rtttcr fpimP 

Q<\x H<u§QaftüM'j.my?gtn *Dylfvat\c?cn 

b*i faß vflF?er ftinicjm ffitaTgtbAmttn 

<$(\x \r\ne $v$t mannen ßinbemeyngüte pteßcnb 

bce>fpxin$cn&cn &owfi $u*irtncBiwfS iitc^t ßc$cnd 

fcani? er manchem £ruocr$ttrt wc 

$4rndd?faltu*vnfn Sacran^C 

X?Jtö falrnictfr^iiftrc yOn 

töcn^tir^eß^ajlinioctf.vij.niyfm 

Vff ?cm £ci#e friibc|Tucvti xeege fcQcybcn 

yOtü$a\% mit ttw^jTii <?(fru v>«e>ci|ii Pcy6cn 



5w9cr rechten £antfiii$cfWerti fpifaP?« i'jtfcm 
Vff $ic P*ik&u #<wt fjmfccfhi cni tafom 
9ftr»iac# tffaffüvftf epn tfrticfen fyn 
6* ßomeftu (>al£>c g en 23uigc6jn 
©ät jttite fyii&cffci«£££tf.fpitAP 
©es £um#ö fptraPcjat vo: j*te afö 5« map 
$41: f tme cjpfanmii |<ttt$u untief en vnfc$uc(fcn 
iftcnmffiigfptw.PjHltumK^nK^tvcrcfcffcii 
©Ar /ntie fyn&e (TU mic^güte Sct^ vnö eyn p:efeti5 
2lud?mrtcfjTu 9t($jn 9eu rittet fyittfxocnb 
Sie ffcit (fat gü^fc^er r(?urit \>i0F 
*Üit5 wePc^er ffruOer VHfuVfjtQtn wi(f 
9ir<ut mausen fpuePmerfTcr erfc#o jfen $at 
©et\>n*t£aff?5onömflruC>ern vergeben §at 
yOaniiigQeil vSct^ie Stufen 511 vet r<c#ret) ffcnt 
ffa$ 6y $ea §ünig$ fpi ta? ift fyc $ü Qant 
Qänmct? (fafht tttc^c fern pti er 11 m£Pen 
$4£pfom4np:e(>cn&aQf«n < ihccf3 uemen wofän 
Qrtwacflftnöcflu.iuj.fpifrtf jn adftfta&mpP 
SJanftit&effcifantCtföncfej? Pirc#$a £pn mö^(TufP 

Via eyn 9a%my?finbeßucyn fc§&$ faift frig 

Vff t£mtj#tfted$c£ctlJeii9tc fan^e (Tat 

$4* f'n nMtMuj. jpttaP 9*t 

'Ofot.ij.mrfett t(l (>p eym$o:(f epn tfnicPeit 

2K?et*tJ4tnpPtff evn fptraf 9ar >rt macjfTü nieftit 

iPfte&j.myPpn&cffuepn fptmPlfy e rncr (>riic6e täfc 

l?Ser.tj.tityPaffer«ytiett&;r |n maerffu 3#ett 

V$acynmy?fyn&eftucynftat§tift(5amon 

(Ott ey ner ßruefen $ie ift fafoix 

$4 cfpDtmmi jn $wcrcti flofTent trrti vti6 ffrot 

Qucfowey fptr^C^yttgct^cr £ruc£cn 1 jf fyiß n tf 



QwnAd$fynbefiityn$<>ff.K>totyt\my? 
i>a$y$tm<w <m$ Mt obtt mdft $ü vyP 

•t>»6 fyn&ef* vte*|'.myftito4iÄÄ wiCtc$ 9tc$ P<* 
©4d matter innegvSt wyn vnfc tfrft 
2ifor t>£ct«?,myPtf!eyn f:trc§9ert#ctffim*ti6tt6t 
Sw#9*:|f*r <y» ft*c#\>ti& tytx Gtucfcn fy$$tn tt« 
Vnfceyrt (tat tßgettattt ©4£lwi4 
|)4ß #4t cyn 8&$ x&afftv vnb*MJ*ffitA? 
Jftinßtt<$ ®mch eyn ygiidjtr xcyn vh Sxttnmlftf 
jfntynmifpit&Fy&rjnnt faltii^e 
b4tt faftiu vtj,myP \ n tyn (tat £etjf tfOrtttftß* 
©4* jn ma0 ügQtn $at fty 
$4r jnnt frnOe jfti gutta fpttaPttdPiJry 
QaznK$fynbt1Uuij£tuiee Hrttf «Vit 
•OPera; ^myPfy^t Ztoneyn jfatxfl tn$W «ty« 
^4rfnltcfrn^CJjlafptMp£flHIg 
<S*£ jn (4ttr C^ncre^^plMpßrtf<p5^f^l£f , 
2lua? fyntfytfant JactBs ^yc^cn fr f 
21u$ Wi* ftc§*#ic rtmfr m?cc/ rcyf 
j£pn 9tc£tt£$t»j<int (SaPtMtot 
$4tt £4|W vß $u wn »ftrt$*2 
Ö6er wtltä $tt©to:^eg$S rucPm 
©o f4ltii£9cenrt>SctSrey fftutfcn 
**?no #£cjt ?4ti cjmen foref 4fi 
Sä frri&e|Tü cyn groß fttynen cr«Q (toft 
fc4ttf4lm$£mx>(f9icPjiicPcii gant, 
€o fomeftii #o» ©to#cf5 $6 Q*nt 
TOdtii AGafoffam m ynct Peer 
€5o faltuSufc $u9ara^ten fane fem 
)4T4*ffifti fernen fortfÄnftj^enl 
Jußjffw#flS:vff9i€iiijrfe^<wit:l^£fcic 



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fct*9m ahnen ftrufcern t$ü$ vy?$ü fcybe 
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©rtntac#g$nte|Tu£cit tLßotg jn^tefot 
Vff xvclfc§t(l fie |en«nt C9"r^»t 
©ant (Oarwiid f trc#9ic ijl f<$on 

Sä ©c(t Segmticn $er liefa £en f4nt (töattin 
$A$$cn a$e mlu§ Früher stäex redeten ßant 
*Onb VömcnviirtfyVtfttiid} jnr^eurj^&nt 
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*Vff$ftrafima$flü $$w gen'XVibttfibtiff otf^cit 
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*>4t*ii4C§ ferne (Tu von tL#©:g£*w 2lrofo$ 
©4 fytft fae ftim'cfa fon ven jr4nc£rir§ 
fornrtcSfygtlMfe ern fl^t ^te tf?fuforfic# 
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©4it m p«Pcii6 tneynd (frfle^offö £oflFißmynr4ti 
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fc4m4mnymcrnM:'jT4t 9^t(T Qtampofi xcat 
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Tit 6<inffciivn& wren ßcybc #et|lPtc£o&er wcWt<§ 
TPff ertrtc#f4cfftc#n>!c?er ffat^Ucß 
Von 9er fcu $*fb£g*uj.myf gen 2tnnott 
Vffwelfct? ?et jtf <#4mwn|5 t>nt> f(T fe« fdfaii 
&4riwc# vfcr,£Mtj,m)f &mcfTü?ctfar faß 



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fcaetfl^edotfccne faneti Z>frwfcicft genant 
\)(>er,#*f.m)>P£ome(?ii <fcn CPaemonju (Jatit 
öu frn6e/f auetf cyn^ioiff v8tx. uj«m yP 
wcratytmi P«jw cU(frr$*r gyn m«# ?P 
¥}f?txtynmy?f)Aßcn tyn $u$ wteutfdjcn £r«m 
9dc naef? ftefhi ^wtti penß von fem 
5Ei'Hf.mj>r fomcjltt^fD ^oarrn(j ju Qant 
X>ff «dfc§ i|T f)PC föifammsenflnt 

fcar nrtc&vu;.£fen fant faflfcnnuö 
?4r wk# frim vij.my? #en Bergen ;n ^ene^w 
VßctÄijtmyP€<inKftu$en Sone wiitu^icffoaw 
Sftrn*c$ ifT«pn myp£*n SirnßEont 
VfonMf.mFf font<|tü^«i ^SaffVi (Tönt 
>4r na<§ fynr,tj,mFP gen prülfccP 
9ACii<w^aü^myPam^fin^iecfe(?ö(cgMeP 
Wnrtd^uij*£cn Stffci^nC). vtf.gm Cricffc 
tfo6.iiit.0cit 2lc#9* (4Uu?fn funfceffjtfftcn 
X>n6 (alt <5o* w6(l0«um?4nc£ v«fc Pol? faefen 
SrtjfüfogpH Pomcn fr ff mitgcfuubm tagtn 
*Vnb (alt (Bot vnb <Dari*n Sieben mit faß 
Qoma^ffci fyrgnabtnyeflttßafigcnyß 
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GOma woöfc vna Sejjwtm vot 9en ewigen (fon^e 
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Gütertafi mrgotvh fwt'ZacoßcxvigixcSifdjime 

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!Dictt>alfart\>ttt>5tta£ 
511 fant $acob. 










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BX Haebl8r, Konrad 

2321 Das Wallfahrtsbuch des 

S34H3 Herraannus Kunig von Vach 
und die Pilgerreisen der 
Deutschen nach Santiago 
de Gorapostela